Der Kriegsgefangene Niehbur wird als vermeindlicher SS-Mann von einer Polin erkannt und in ein polnisches Kriegsverbrechergefängnis verbracht. Niebuhr ist unschuldig, aber dies muß zunächst bewiesen werden. Der weitere Verlauf des Filmes schildert seine Erlebnisse in der Gemeinschaftszelle mit anderen vermuteten Tätern und gerät im weiteren Verlauf zu einem darstellerischen Kammerspiel der Beteiligten, dessen anschauliche Spielweise die subjektive Bandbreite von Schuld, Feigheit, Gehorsam, Versagen und Verweigerung etc. aufzeigt. Interessant ist dabei die Polarisation! Niebuhr wird zwangsläufig zur Identifikationsfigur für den Zuschauer, der um dessen Unschuld weiß und damit seine Rolle per se einnimmt. (Ich betone das angesichts der heutigen Diskussionen um die Täterrolle deutscher Soldaten in der damaligen Zeit!)
Es gibt wenige Filme aus Deutschland, die sich dieser wichtigen Thematik der Schuldaufarbeitung so nachvollziehbar angenommen haben. Nach meinem Dafürhalten ist "Der Aufenthalt" einer der besten.