Ich bin durchaus ein Fan von Harald Lesch, habe schon eine Reihe von seinen Büchern gelesen, mehrere seiner TV-Sendungen gesehen und ihn auch schon live erlebt, wie er spontan, witzig und spannend erzählt. Aber dieses Buch hat mich zum ersten Mal enttäuscht.
Wie kann ein solches Buch entstehen? Nun, ich habe den Eindruck, man braucht nur einige moderne populärwissenschaftliche Bücher der Physik, der Kosmologie, der Geologie und der Biologie durchzublättern und dann gut 100 Stichworte aus diesen Gebieten aufzuschreiben, Stichworte wie z. B. Essen im Weltraum, Supernova, Artenvielfalt, Gottesbeweise, Zeitpfeil, Gezeiten, Kugelblitz, Immunsystem, Plattentektonik, Omega-3-Fettsäuren usw. Und dann reichert man die Liste um ein paar Aufreißer an, um z. B. Sex im Weltraum, Sex mit Außerirdischen, Siliziumlebewesen oder UFOs. Dabei kommt es nicht darauf an, dass die Stichworte in einem inhaltlichen Zusammenhang stehen oder irgendwie eine logische Gesamtheit bilden. Auch spielt es keine Rolle, wenn wichtige Themenfelder fehlen. Die Hauptsache ist, es sind möglichst viele.
Dann schreibt man zu jedem dieser Stichworte ein oder zwei Seiten Text, klebt diese Kurzbeiträge zu einem Buch zusammen und sucht einen Hingucker als Titel. Nun ja, entscheidend ist natürlich, was man auf den jeweils ein oder zwei Seiten schreibt und, genau so wichtig, wie man es formuliert. Das "wie" beherrscht Harald Lesch perfekt, darin ist er ein Meister. Alle Einzelbeiträge sind flüssig, äußerst humorvoll und unterhaltsam geschrieben. Das "was" hat mir nicht gefallen. Inhaltlich ist fast jeder seiner insgesamt 119 Beiträge dürftig und oberflächlich. Wer nur kurze Zeit Unterricht in der Schule über Physik und Biologie hatte oder zumindest einigen Vorträgen oder Fernsehsendungen darüber gelauscht hat, wird kaum etwas Neues lernen können. Am interessantesten empfand ich noch die Texte zu den Aufreißern, aber hier konnte auch der Astrophysiker Harald Lesch nur spekulieren. Erstaunt war ich zudem darüber, dass nicht alle Einzelbeiträge der Wissenschaft zuzuordnen sind. Was haben z. B. Beiträge über die mögliche Herkunft der Redensarten "Alter Schwede", "Schwein gehabt" in einem Buch über Wissenschaft zu suchen?
Schade, Wissenschaft mit Witz erklären, ist ein tolles Ziel, aber etwas mehr Tiefgang sollte doch dabei sein.