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Die fast sechzigjährige George und der junge, steife Akademiker Jonathan sind sich anfangs nicht unbedingt sympathisch. Als sie - krebskrank - und er - Sohn farbiger Einwanderer -- sich aber während ihrer gemeinsamen Recherchen ihre Lebenskrisen offenbaren müssen, freunden sie sich zaghaft an. Nach intensivem Studium der Prozessakten und Zeugenaussagen stoßen die beiden im Fall Stamp auf eine neue Spur ...
Minette Walters schafft mit Der Außenseiter wie schon in Der Nachbar ein komplexes Sozialdrama, dass tiefe Einblicke in die innere Zerrissenheit der britischen Klassengesellschaft gewährt. Gleichwohl werden jene, die Walters als Spannungsautorin kennen und schätzen, mit dem Roman wohl eher Schwierigkeiten haben. Mit den zahlreichen Identitätskonflikten und psychischen Wunden ihrer Figuren tut Walters zuviel des Guten. Das gerät vielleicht für manche Leser zur schweren Kost, denn in diesem Buch hat praktisch jeder Protagonist eine schlimme Kindheit erlebt oder durchleidet schwere psychische Krisen. Sicher glänzt die Autorin nach wie vor mit eindringlichen Charakterzeichnungen, präzisen Dialogen und klugen Aktualitätsbezügen. Doch in Der Außenseiter gestaltet Walters ihren Plot insgesamt zu dokumentarisch, als habe sie sich angesichts ihres Materials, einer Vielzahl von Vernehmungsprotokollen und Presseberichten, nicht zwischen Fiktion und Wirklichkeit entscheiden können.
So wirkt Der Außenseiter auf eine eigenartige Weise unfertig. Gleichzeitig denkt man sich: Würde sich die britische Queen of Crime doch lieber auf ihre Stärken besinnen und es ihren Lesern nicht so schwer machen. Denn was Walters an Einsichten in die menschliche Natur und deren Schattenseiten gewährt, wie sie ihre Geschichte hier hintergründig in den Realitätsfluss des Irak-Kriegs und des 11. September einbettet, das bleibt in seinen Ansätzen natürlich immer noch sehr lesenswert. --Christian Koch -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Wie immer in Minette Walters' Büchern sind es die Charaktere, die das Lesen zum Genuss machen. George und Jonathan, zwei Personen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen sich zusammen raufen, und darüber zu lesen, war höchst unterhaltsam. Wie die Autorin es immer wieder schafft, diese komplexen, teilweise unbequemen und dennoch faszinierenden Charaktere zu entwickeln, ist bemerkenswert. Aber auch die Geschichte überzeugt in "Der Außenseiter". Aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen wird auf die Zeit des Mordes zurückgeblickt, wobei jeder versucht, sich in ein gutes Licht zu stellen und die Schuld anderen zuzuschieben. In diesem Gerüst aus Lügen und Halbwahrheiten versuchen George und Jonathan die Wahrheit zu erkennen und müssen dabei ein ums andere Mal ihre Ansichten revidieren. Das Ende erschien mir dann allerdings etwas hastig abgewickelt und nicht hundertprozentig überzeugend. Minette Walters' Bücher enden häufig so, dass man noch lange über sie nachdenken und sich seine eigene Meinung bilden muss, diesmal schienen mir dann aber doch zu viele Fragen offen zu bleiben.
Dennoch ist "Der Außenseiter" wieder ein gut gelungener psychologischer Krimi, der soziale Probleme wie häusliche Gewalt und Rassismus aufgreift und schonungslos untersucht.
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