Etwas einseitig, könnte man sagen. Allerdings war die Sicht der Welt auf Deutschland und die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg auch eher einseitig. Ich möchte hier also gar nicht zu sehr darüber meckern, daß Konsalik aus jedem kriegsgefangenen Deutschen einen Old Shatterhand zu machen bestrebt scheint. In dem politischen Klima, in dem das Buch entstand, mag es durchaus berechtigt gewesen sein, so vehement darauf zu pochen, daß es auch kluge, mitfühlende, kompetente, heldenhafte Deutsche gibt, ja, auch unter denjenigen, die nach dem Krieg in der Nähe Stalingrads in russischen Lagern einsaßen. Aus heutiger Sicht wirken diese Charaktere vielleicht etwas übertrieben, etwas geschönt, aber sie haben eine zeitimmanente Berechtigung, sich so zu verhalten, wie sie es tun.
Die im Buch dargestellten Russen erinnerten mich, um offen zu sein, ebenfalls ein wenig an Karl Mays Indianergeschichten: Wie die Kiowas (oder jeder andere gegnerische Stamm, mit dem "Charlie" und die Apachen es zu tun bekommen...) sind sie zwar Feinde, keine Frage, aber sie sind darum nicht eindimensional, sie haben gute, edle, rechtschaffene Seiten und können sich charakterlich entwickeln. Und damit sind sie ihrer Entstehungszeit durchaus voraus; Konsalik bildet mit ihnen nicht nur ein stereotypes Feindbild ab. Natürlich geht er nicht so überdifferenziert und vorsichtig mit ihnen um wie moderne Autoren, er hetzt aber auch nicht gegen sie, spricht ihnen keine menschlichen Qualitäten ab und zieht keine scharfe Trennlinie zwischen ihnen und seinen deutschen Charakteren.
Das macht das Buch sympathisch, auch wenn der Tonfall möglicherweise etwas überholt ist.