Unter dem Titel "Der Arzt, Fußabtreter der Nation" wird einem ein Buch suggeriert, dass sich zumindest weit überwiegend allein mit der Stellung des Arztes im Gesundheitswesen beschäftigt. Dies ist leider nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um eine Art Sammelsurium von Frust über unser gesamtes Staatswesen, das Herr Facharztkollege Kerner zusammenträgt. Eine ganze Reihe davon ist wohl absolut richtig; denn in unserem Land ist derzeit ohne Zweifel viel zu viel im Argen, und leider immer noch ohne größere Aussicht auf Besserung! Nur geht vieles weit über die durch den Titel assoziierte Thematik hinaus und überfordert Buch und Autor.
Darüberhinaus stimmen eine ganze Reihe von Argumenten, Ursachen und Wirkungen, die Gegenwarts-Misere betreffend, nicht und entstammen einem doch sehr einseitigen Blickwinkel. So verkennt z.B. Herr Kerner u.a., dass ein Teil auch der Missstände im Gesundheitswesen keinesfalls "kapitalistischen" Ursprungs, sondern vielmehr Folge eines in diesem Sektor schon längst real existierenden, untauglichen Sozialismus mit dem bekannten überbordenden Begleit-Bürokratismus sind. Ganz daneben sind u.a. auch deshalb die meisten seiner "therapeutischen" Schlussfolgerungen: Er unterstützt z.B. planwirtschaftliche Gesundheitsmodelle einer alten DDR, die zwar zumindest theoretisch eine bessere Verteilung mit sich brächten, aber, ganz im Gegensatz zu Kerners Annahme, auch auf deutlich geringerem Niveau angesiedelt blieben, und in der Praxis keineswegs so funktionieren, wie sie fast nostalgich dargestellt werden. Seine Therapievorschläge sind nach meinem Dafürhalten schlichtweg unbrauchbar. Er redet zwar (im maßgeblichen Zusammenhang negativ) über Marktwirtschaft, scheint mir aber von den eigentlichen Prinzipien derselben, insbesondere von der Erhardt'schen "Sozialen Marktwirtschaft" genausowenig Ahnung zu haben, wie, so meine Meinung, unsere derzeitige Regierung unter Kanzler Schröder. Dann aber deren Prinzipien und Möglichkeiten einfach kategorisch als falsch einzustufen, obwohl sie wohl die einzig vernünftigen Grundlagen und Chancen besäße und böte, unser Gesundheitswesen wie das ganze Land aus dem heutigen Schlammassel zu führen, halte ich für einen groben Missgriff und folglich absolut untauglich. Damit kann ich dem Buch auch nicht mehr als 2 Punkte als "Lohn" für manche "diagnostische" Qualitäten und Recherchen geben.