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Der Architekt am Strand [Taschenbuch]

Niklas Maak
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Kurzbeschreibung

8. März 2010
Le Corbusiers Bauten sorgten für Verwirrung. War seine 1955 im Dorf Ronchamp in Frankreich errichtete Kirche, die "Notre-Dame du Haut", ein neues Kapitel der Baugeschichte? Oder ein "nicht zu überbietendes Beispiel von Neuerungssucht, Willkür und Unordnung"? Der damals weltberühmte Architekt gilt vielen noch immer als Vertreter einer technokratisch-mechanistischen Moderne. Niklas Maak folgt ihm an den Strand, wo dieser unablässig Steine, Muscheln und anderes Strandgut studierte. Die Objekte, die immer wieder an zentralen Stellen in Le Corbusiers Werk auftauchen, beschäftigen bis heute Architekten auf der Suche nach neuen Formen.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 4 (8. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446234993
  • ISBN-13: 978-3446234994
  • Größe und/oder Gewicht: 20,3 x 11,9 x 2,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 277.770 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Dass es einen Bruch zwischen Früh- und Spätwerk tatsächlich so nie gegeben hat, davon erzählt jetzt das kluge Buch des FAZ-Kritikers Niklas Maak. Indem der Autor die gegensätzlichen Haltungen des Architekten ineinander blendet, kristallisiert sich nicht nur ein stimmiges Porträt Le Corbusiers heraus, sondern wird auch sichtbar, wie dieser mit einer neuen Art des Entwerfens seine Nachfolger bis heute beeinflusst." Laura Weissmüller, Süddeutsche Zeitung, 09.03.2010

"Ein ebenso amüsantes wie aufschlussreiches Vergnügen." Gerhard Mack, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 30.05.10

"...eine ideale Ferienlektüre." Patricia Grzonka, Neue Zürcher Zeitung, 14.07.10

"Niklas Maak zählt zu den wenigen, die mitreißend über Architektur schreiben." Monopol, Silke Hohmann, 05.2010

"Dass dieses Buch über den legendären Architekten Le Corbusier nicht nur für Bauhaus-Jünger aufschlussreich ist, verdankt sich der Anschaulichkeit und Kurzweiligkeit, mir der Niklas Maak seine Thesen darlegt und so viel Lebensnähe versprüht." Christoph Schreiner, Saarbrücker Zeitung, 03.09.10

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. Die Strände der Moderne

Als Le Corbusier das erste Mal ans Cap Martin fuhr, kam er nicht, um am Meer zu sein. Er wollte ein Haus sehen.
Die irische Innenarchitektin Eileen Gray hatte hier, in dem kleinen Ort Roquebrune an der Cote d'Azur, ihr erstes Gebäude errichtet, eine Villa zwischen Felsen und Pinien, mit Blick aufs offene Meer und die Bucht von Monaco. Le Corbusier und Gray kannten sich aus Paris. Sie war neun Jahre älter als er und eine der bekanntesten Möbeldesignerinnen ihrer Zeit; ihr Partner, der rumänische Architekt Jean Badovici, war Herausgeber der Architekturzeitschrift »L'Architecture vivante« und ein enger Vertrauter Le Corbusiers. Seit 1925 hatten Badovici und Gray an der französischen Riviera nach einem Baugrundstück gesucht und schließlich eins gefunden, das nahe der italienischen Grenze, auf halbem Weg zwischen der Bahnlinie und dem Strand lag. In den kommenden Jahren hatte Eileen Gray viel Zeit an der Küste verbracht und die Bauarbeiten überwacht, während Badovici unter anderem mit Le Corbusier in Arcachon Urlaub machte und nur von Zeit zu Zeit in Roquebrune vorbeikam.
1929 wurde Eileen Grays Haus eingeweiht: ein weißer, langgestreckter Bau mit Flachdach und horizontalen Langfenstern, der oberhalb eines kleinen Strandes lag. Vom Meer aus gesehen erinnerte er an eine weiße Yacht, die hinter einem rotbraunen Felsen ankert.
Eileen Grays Haus folgte vielen Bauprinzipien, die Le Corbusier Mitte der zwanziger Jahre formuliert hatte: Es steht auf sogenannten Pilotis, dünnen Stahlpfeilern; der Grundriss ist offen, die Fenster sind ein horizontales Band. Le Corbusiers Einfluss war so offensichtlich, dass Grays Villa bis in die jüngste Zeit sogar in Fachzeitschriften als ein Werk von Le Corbusier geführt wurde. Trotzdem kann man sie auch anders lesen: Als Weiterentwicklung, sogar als Kritik an Le Corbusiers Manifest »Vers une Architecture.«
Schon der Name, den Gray ihrem Strandhaus gab, wirkt wie ein ironischer Kommentar auf den Maschinenkult, dem jene Avantgarden anhingen, zu denen auch Le Corbusier seit »Vers une Architecture« gerechnet wurde. Sie gab ihrem Haus das scheinbar technische Kürzel E1027 - aber was wie die technische Registratur eines Geräts oder das Datum eines Baubeginns im Oktober 1927 klingt, ist tatsächlich ein romantischer Geheimcode, das Kryptonym einer Liebe: Das E stand für Eileen, die Zehn für den zehnten Buchstaben des Alphabets, also »J« wie »Jean«, die Zwei für »B« wie Badovici, die Sieben für »G« wie »Gray« - der Name des Hauses war ihr Name, der seinen Namen umarmte: Eileen-Jean-BadoviciGray. Als das Haus eingeweiht wurde, war Eileen Gray 51 Jahre alt, Badovici war 35. Sie trennten sich ein paar Jahre später. 1932 überließ Gray Badovici E1027 und baute sich ein neues Haus in Castellar, wo sie ein Grundstück besaß. Le Corbusier kam, auf Einladung von Badovici, immer wieder an die Küste. Er machte mit seiner Frau Yvonne Ferien in E1027 und bemalte 1938 dort mehrere Wände, was er selbst als Geschenk an die Gastgeberin interpretierte, diese aber als »vandalistischen Akt« empfand.
Es ist viel geschrieben worden über diese brachiale Aneignung, die zum Zerwürfnis zwischen Le Corbusier und Gray führte und einen Konflikt offenbar machte, der seit 1929 schwelte. Denn E1027 war nur vordergründig eine Hommage an Le Corbusier. Anders als dessen im gleichen Jahr entstandene Villa Savoye, die, wie schon beschrieben, weltentrückt auf hohen Stelzen über einer Wiese balancierte, ist Eileen Grays Haus in den Ort hineinund um Ausblicke herumgebaut. Aus dem Wohnraum sieht man den Hafen und die Bucht von Monaco, die Schlafzimmer liegen so, dass die Morgensonne in sie fällt. Eileen Gray hatte sich entschieden, das Terrain nicht aufzuschütten, sondern das Haus um die Natur herumzubauen.
Anders als Modernisten wie Le Corbusier, der an Schiffen vor allem die hochkonzentrierte, rationale Raumorganisation, die perfekte Anpassung der Form an aquaund aerodynamische Gesetze schätzte, zitiert Eileen Gray die Schiffsästhetik in einer proto-postmodernen Weise. E 1027 ist Architecture parlante: Unter dem Langfenster auf der Wasserseite hängte Gray einen Rettungsring auf, am Dach wurde ein weißer Mast montiert - und das Treppenhaus, das vom nackten, sichtbaren Felsen bis aufs Dach führt, hat die Form einer Seeschnecke.
Deren Spirale war für Eileen Gray als konkrete Bauform ebenso wichtig wie als Bild und Metapher; ausgehend von ihr kritisierte sie Le Corbusiers zentralen Begriff vom Haus als einer »Wohnmaschine«, den er in seinem Manifest »Vers une Architecture« geprägt hatte. Gray schrieb, ein Haus sei eben »keine »Wohnmaschine«. Es ist das Schneckenhaus des Menschen, seine Verlängerung, seine Erweiterung«.
Diese Kritik muss Le Corbusier umso mehr getroffen haben, als er schon in den zwanziger Jahren selbst begonnen hatte, Unmengen an Strandgut zu sammeln und sich mit den Formen, Oberflächen und Musterungen von Seeschnecken zu beschäftigen; und wie wichtig diese Formen nicht nur für Le Corbusiers Architekturtheorie, sondern auch für sein Bauen werden sollten, wurde erst viel später deutlich. Die »Objets a` re ?action poe ?tique« waren nicht weniger als ein Schlüssel zu einem neuen Architekturverständnis, das Zentrum einer Entwurfsund Formtheorie und ein Denkmodell, das schließlich zu einem folgenreichen Bruch mit grundlegenden Vorstellungen von Architektur führte.

Der Architekt und das Meer. Selbstdarstellung im Zeichen der Muschel

Lange hat man Le Corbusiers gigantische Sammlung von Strandgut für einen Spleen des Architekten gehalten. Wie ernst es ihm mit diesen Objekten war, zeigte sich aber spätestens am 18. Juni 1950. An diesem Tag unterbricht Le Corbusier seine Arbeiten an den Plänen für Ronchamp, um sich selbst eine Gedenkmedaille zu entwerfen.11 Sie wurde später von dem Bildhauer Jean-Charles Lallement als Sammelmünze für die französische »Monnaie« ausgeführt - nicht zur Freude Le Corbusiers, der sich im Oktober 1955 in einem grimmigen Dankesbrief an den Bildhauer darüber beschwert, dass er auf der Medaille »nicht gerade eine hübsche Visage habe, aber bitte, wenn Sie mich so sehen, sei es drum«.12 Immerhin hatte sich Lallement sklavisch an die Symbole gehalten, die Le Corbusier als Dekor für die Medaille entworfen hatte - obwohl diese Zeichen nichts mit den traditionellen Symbolen des Architekten zu tun hatten: Zirkel, Planrollen oder Personifikationen der Geometrie sucht man vergeblich.
Was bedeuten die Symbole auf der Medaille? Unschwer erkennbar ist der Querschnitt der von 1947-1952 in Marseille gebauten »Unité d'Habitation«, dem ersten Wohnhochhaus dieses Typs. Auf dem Rücken der Medaille sieht man, hinter einem Selbstporträt des Architekten, ein nach dem Maßregelsystem des Modulor aufgeteiltes Quadrat. Unterhalb des Porträts, an der Stelle, an der man normalerweise die durch Le Corbusier zum Architektensignet gewordene Fliege erwarten würde, sitzt eine Seeschnecke.
Programmatisch schreibt sich Le Corbusier hier in ein doppeltes System ein, zwei Welten treffen aufeinander: Eine lineare Geometrie und eine mathematisch komplexere Naturform, deren Helix ebenso leicht zu berechnen ist, wie ihre Musterung chaotisch, zufällig und mathematisch schwer zu fassen ist. Das vermessene, bis ins Detail rational erklärbare System errechenbarer Harmonien trifft auf die maßlosen Mutationen der Natur. Die Seeschnecke ist ein Grenzprodukt: Ihre Musterungen, die mäandrierenden Figuren auf, die Absplitterungen an ihrem Panzer ergeben sich zufällig, ihre Grundkonstruktion aber entwickelt sich, wie viele Pflanzen und Mollusken, entsprechend der im Mittelalter entdeckten sogenannten Fibonacci-Reihe, jener unendlichen Folge von Zahlen, bei der sich die folgende Zahl aus der Addition der vorangegangenen ergibt. Johannes Kepler hat später festgestellt, dass sich der Quotient zweier aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen dem Goldenen Schnitt annähert, bei dem sich die größere zur kleineren Strecke verhält wie die...


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4.0 von 5 Sternen empfehlenswert 16. Januar 2011
Von B., Jörg
Format:Taschenbuch
der autor behandelt in diesem buch einen aspekt des
architekturtheoretischen hintergrundes des architekten le corbusier,
im speziellen am beispiel der wallfahrtskirche ronchamp.

das buch stellt, wie ich annehme, eine verkürzte version einer doktorarbeit des autors dar.

er stellt die neuartige theorie auf, dass der augenfällige bruch im werk
des architekten im wesentlichen auf seine beschäftigung mit dem philosophen paul valéry
und seiner sammlung von seeschnecken zu erklären ist.

insgesamt habe ich das buch mit interesse gelesen und kann es empfehlen.
obschon der inhalt relativ anspruchsvoll ist, ist es flüssig geschrieben.
zitate aus anderen sprachen sind nicht übersetzt, nur sinngemäß zusammengefasst.
das buch enthält zahlreiche abbildungen in s/w, was z.b. bei farbigen gemälden
sinnlos erscheint.
geeignet erscheint mir das buch für leser, die mit dem werk des architekten bereits vertraut sind.
darüberhinaus sind die historischen bezüge spannend.

zu bemängeln habe ich besonders letzte kapitell, wo der autor versucht,
einen bezug zu aktuellen architekten und gebäuden herzustellen durch die behauptung,
diese bauten seien ohne die wende im denken le corbusiers nicht denkbar.
eine plakative these, die eine unbelegte behauptung bleibt, und eher wie eine anregung des verlegers wirkt,
den text abzurunden... bekanntermaßen gibt es neben le corbusier noch andere
architekten, deren einfluss bis heute nachwirkt, z.b. der mies van der rohes,
der in diesem buch eigentlich nicht vorkommt, auf rem koolhaas und sanaa.

weiterhin stört inhaltlich, dass der autor seine theorie mehr oder weniger an einem gebäude darlegt.
was insofern verwundert, als der architekt nach ronchamp noch andere, nicht minder wichtige
gebäude erschaffen hat.

teilweise hatte ich den eindruck, das buch sei von einem kunsthistoriker geschrieben.
diesen eindruck erweckten das unbeholfen wirkende verständnis für entwurfsprozesse
und die an einigen stellen falsche darstellung von konstruktiven sachverhalten.
allerdings hat der autor u.a. architektur studiert.
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