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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
106 von 116 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Gegen den Priester hat man nicht Gründe, man hat das Zuchthaus" (Gesetz wider das Christenthum).,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Antichrist: Versuch einer Kritik des Christentums (Taschenbuch)
Zur Zeit rollt die Welle der sogenannten "new atheists" über Deutschland und den Rest der Welt. Der in Oxford lehrende Evolutionsbiologe Richard Dawkins ist der bekannteste Vertreter dieser Bewegung und sein neuestes Buch "Der Gotteswahn" (orig: "The God Delusion") ist diesen September auf Deutsch erschienen. Nur wenige Wochen später kam Christopher Hitchens "Der Herr ist kein Hirte" (orig: "Why God is not Great") auf den deutschen Buchmarkt. Beide Autoren rechnen in schärfster Polemik mit dem unkritischen Glauben an eine göttliche Instanz ab und ziehen sich so den Hass vieler Gläubigen zu. Und dennoch, gegen Friedrich Nietzsches Spätwerk "Der Antichrist" wirken Dawkins, Hitchens & Co eher harmlos. Was Nietzsche hier liefert, ist der brutalstmögliche nur denkbare Angriff auf das Christentum sowie dessen zersetzende Wirkung auf die Menschheit.Was Nietzsche anprangert ist die Tendenz des Christentums, Schwäche und Demut zur Tugend zu erklären. Seine Wut richtet sich vor allem gegen die Primärtugend des Christentums, das Mitleid: "Die Schwachen und Missrathnen sollen zu Grunde gehen: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen auch noch dazu helfen. Was ist schädlicher als irgendein Laster? - Das Mitleiden der That mit allen Missrathnen und Schwachen - das Christentum..." (Abschnitt 2). Da die Nazis sich Nietzsches Rhetorik zu Eigen gemacht haben, benötigt sie heute einige erklärende Worte. Das "Schwache und Missrathne" bezieht sich bei Nietzsche niemals auf irgendwelche körperliche Eigenschaften oder ähnliches. Als schwach prangert Nietzsche die freiwillige Unterwerfung eines jeden Menschen unter ein göttlich legitimiertes Moralkonstrukt wie das des Christentums, zum Beispiel, an. Sich davon zu befreien, alle aufoktroyierten Werte abzulehnen und sich selbst seine Lebensmaximen zu schaffen, das bedeutet für Nietzsche Stärke. Diesen potentiellen Zustand eines jeden Menschen bezeichnet Nietzsche in "Also sprach Zarathustra" als den Übermenschen. Das Konstrukt des Göttlichen sei der Haupthinderungsgrund für den Menschen, den Zustand des Übermenschen zu erreichen, da Religion von Grund auf diesseitsverachtend sei: "Gott die Formel für jede Verleumdung des 'Diesseits', für jede Lüge vom 'Jenseits'! In Gott das Nichts vergöttlicht, der Wille zum Nichts heilig gesprochen!" (Abschnitt 18) Religion also als der Wille zum Nichts. Demgegenüber steht Nietzsches Wille zur Macht, der nichts anderes ist als der Wille zum Übermenschen. Und so geht es munter weiter: "Das Christenthum ist ein Aufstand aller Am-Boden-Kriechenden gegen das, was Höhe hat" (Abschnitt 43). "Der Christ, diese ultima ratio der Lüge" (Abschnitt 44). An anderer Stelle wird das Christentum als "Gehirn-Dressur" (Abschnitt 59) bezeichnet, um im letzten Abschnitt zu bilanzieren: "Ich heisse es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit" (Abschnitt 62). Jede mögliche Beleidigung, die man sich nur denken kann, findet sich an irgendeiner Stelle in "Der Antichrist". Für jeden, der political correctness sowieso für überschätzt hält, ist das genau das Richtige. "Der Antichrist" ist im höchsten Maße unterhaltsam, politisch unkorrekt und trifft abseits aller Polemik genau den Punkt. Alle Religion basieren auf dem Grundsatz der bedingungslosen Akzeptanz bestimmter Wert- und Moralmaßstäbe. Kritisches Denken wird in sämtlichen Schriften der monotheistischen Religionen als Gefahr diskreditiert. Darin lag damals und darin liegt heute eines der Hauptprobleme der Menschheit. Fazit: Hart, polemisch, gnadenlos. Da die Nazis Nietzsches Terminologie für ihre Zwecke missbraucht haben, ist es unbedingt erforderlich Begriffe wie den "Übermenschen" oder das "Schwache und Missrathne" zu erklären und im Kontext zu verstehen. Ist das geschehen, ist es leicht nachzuvollziehen, warum Nietzsche bis heute einer der faszinierendsten und aktuellsten Philosophie geblieben ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
74 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir Freigeister,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Antichrist: Versuch einer Kritik des Christentums (Taschenbuch)
wissen, dass Nietzsche nur kleines Stück eines großen Puzzel ist. Wer Nietzsche liest, sollte auch Haeckel, Goethe, Feuerbach, Lessing, Kant, Darwin etc. und die Bibel (!) lesen. Denn Glaube allein, heißt nicht wissen wollen - heißt, einseitig denken - heißt, Unwissenheit - heißt, Intoleranz - heißt, Krieg und Zerstörung. Lesen erweitert den Horizont. Jeder "Glaube" (ergo, jede unhinterfragte Annahme einer subjektiven Meinung) verbirgt - in sich - die Gefahr einer einseitigen Betrachtungsweise. Deshalb können Freigeister niemals eine Meinung als richtig oder falsch einordnen. Es ist immer eine gewisse Dualität vorhanden. So z.B. steht auf der einen Seite eine eindeutig zu verurteilende und zu verwerfende dogmatische Kirche, auf der anderen stehen die (gesellschaftspolitisch konstruktiven) zehn Gebote. Wie Haeckel schon richtig sagte, das gute und gerechte am Christentum sollten wir übernehmen, das schlechte jedoch verwerfen.Jeder der sich mit Religionen objektiv, konstruktiv auseinandersetzt wird früher oder später zur Ansicht gelangen, dass diese als gesellschaftliche Phänomene zu betrachten sind. Sie sind Ergebnisse menschlicher Phantasien, unbegründeter Hoffnungen und unerfüllter Wünsche. Der Mensch wird eines Tages begreifen müssen, dass er auf diesen Planeten zwar einzigartig, aber nicht unentbehrlich ist. Wer mit diesen Wissen handelt, handelt für die gesamte Menschheit und für den Erhalt unseres Planteten. Nietzsche und all die anderen Freigeister, die schon vor langer Zeit (!) ihre Thesen an die Pforten der menschlichen Unwissenheit genagelt haben, werden leider immer unpopulärer und geraten in Vergessenheit. Wenn ihre Meinungen für sich auch nicht immer mit der unsrigen korrelieren, so müssen sie jedoch im Gesamtkontext als "Lest und hinterfragt!" gesehen werden. Und nur das zählt! Jemand hat mal gesagt: "Das schlimmste an Geschichte ist, dass sie sich immer wiederholt!" In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß mit diesem Buch. Ich kann es nur jedem Empfehlen, der den Mut aufbringt, etwas an und in sich verändern zu wollen. Mit freundlichen Grüßen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
51 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Der Priester herrscht durch die Sünde",
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Antichrist: Versuch einer Kritik des Christentums (Taschenbuch)
"Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die fruchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt. Die christliche Kirche ließ nichts mit ihrem Verderbnis unberührt, sie hat aus jedem Wert einen Unwert, aus jeder Wahrheit eine Lüge, aus jeder Rechtschaffenheit eine Seelen-Niedertracht gemacht. Man wage es noch, mir von ihren 'humanitären' Segnungen zu reden! Irgend einen Notstand abschaffen ging wider ihre tiefste Nützlichkeit, sie lebte von Notständen, sie schuf Notstände, um sich zu verewigen ..."Dieses Zitat stammt aus dem letzten der 62 kurzen Kapitel. Schon im kurzen Vorwort schreibt Nietzsche, dass dieses Buch für eine Minderheit geschrieben ist und dass man es wohl zu späteren Zeiten besser verstehen würde. Man tut das hoffentlich heute, 120 Jahre nach Niederschrift. Es ist kaum möglich, dieses Werk zu knapp zu würdigen: da ist die intensive Sprache, in der jeder Halbsatz ein Volltreffer, eine Punktlandung ist. Nitzsche bringt es fertig, nicht nur eine erbarmungslose, begründete Kirchenkritik zu verfassen, er findet auch Kritik an den großen deutschen Philosophen, besonders an Kant, die zu sehr Knechte der Theologie seien. Er vergleicht Buddhismus mit Christentum, geht auf das Judentum ein und bringt eine interessante Interpretation von Jesus. Nitzsche stellt das Verhältnis der Kirche zur Wissenschaft dar - mit vielen Seitenhieben auf Paulus: "Der 'Glaube' als Imperativ ist das Veto gegen die Wissenschaft, - in praxi die Lüge um jeden Preis ... Paulus begriff, dass die Lüge - daß der 'Glaube' not tat; ...". "Der Priester kennt nur eine große Gefahr: das ist die Wissenschaft, - der gesunde Begriff von Ursache und Wirkung. Aber die Wissenschaft gedeiht im ganzen nur unter glücklichen Verhältnissen, - man muß Zeit, man muß Geist überflüssig haben, um zu 'erkennen' ...'Folglich muß man den Menschen unglücklich machen', - dies war zu jeder Zeit die Logik des Priesters. - Man errät bereits, was, dieser Logik gemäß, damit erst in die Welt gekommen ist: - die 'Sünde'... Der Schuld- und Strafbegriff, die ganze 'sittliche Weltordnung' ist erfunden gegen die Wissenschaft, - gegen die Ablösung des Menschen vom Priester...; der Priester herrscht durch die Sünde." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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