Selbst mit dem Wissen, dass es sich um eines der Frühwerke (gar ihr erstes??) der genialen Tess Gerritsen handelt, war ich reichlich enttäuscht über den banalen Schreibstil (so, stelle ich mir vor, schreibt Rosamunde Pilcher), die mehr als vorhersehbare Handlung und ständigen (!!!!!) Emotionswechsel der Protagonisten Sarah und Nick.
Ruckzuck verlieben sie sich beim Überbringen der Mitteilung über den vermeintlichen Tod von Sarahs Mann ineinander; dann merken sie, dass es vielleicht doch nicht der richtige Umstand für eine Liebe sei; aber dann, nun ja, warum eigentlich nicht, Gefühle soll man nicht bremsen; im nächsten Moment hasst sie ihn wieder, um kurze Zeit später doch im Bett zu landen; sie ohrfeigt ihn, weil sie ihn für einen Verräter hält, um dann doch wieder zu erkennen, dass nur er der einzig Gute sein kann usw. usw.
Und dann auch noch dieser ganze Spionage-Quark - "Ludlum für Arme". Wer jetzt hier im ebenfalls ständigen Wechsel für oder gegen die beiden Stars des Romans agierte, war schon recht nervig. Voll gepackt mit allen gängigen Klischees zum Thema "Spionage" und "CIA" etc. ist es ein einfacher Roman, nein ein "Romänchen", dem es nicht nur an Tiefe (verstehe ich sowieso nicht...) und Einfallsreichtum, sondern auch an Spannung, Besonderheit und Vielschichtigkeit fehlt.
Alles in allem ist es ein Buch, das ganz gut zwischen Grangé (Das schwarze Blut) und den schon wartenden "Schwesternmord" passte, weil ich es in extrem kurzer Zeit zwischendurch gelesen habe. Es tut nicht wirklich weh, es bleibt aber auch ebensowenig hängen. Darum habe ich diese Rezension auch unmittelbar nach Lesen der letzten Seite geschrieben, da ich mich morgen wahrscheinlich schon gar nicht mehr daran erinnern werde (literarische Amnesie???). Hoffentlich lese ich es nicht aus Versehen noch einmal.