Wenn das der junge Offizier Louis Nolan zur Frau seines besten Freundes sagt, so ist klar, dass er damit ein bestimmtes Ziel verfolgt. Doch nun mal der Reihe nach:
England Mitte des 19. Jahrhunderts. Captain Nolan kehrt aus der britischen Kolonie Indien zurück und tritt seinen Dienst im 11. Husarenregiment an. Sein neuer Vorgesetzter, der despotischen Lord Cardigan, misstraut dem jungen, aufstrebenden Mann, der sich -Schock!- sogar intellektuell mit dem Kriegshandwerk auseinander setzt. Während Nolan mit der Frau seines besten Freundes Morris anbändelt, setzt Cardigan alles daran, Nolan zu diskreditieren, was in der lächerlichen Behauptung mündet, Nolan habe während eines Banketts Bier getrunken, während Cardigan doch den ausschließlichen Verzehr von Champagner angeordnet hatte (und dabei hatte Nolan doch Portwein getrunken!). Mit Ausbruch des Krimkriegs (1853-56) muss Cardigan in die Pflicht genommen werden, auch mit ihm unsympathischen Offizieren zusammenzuarbeiten. Nach den bisher geschilderten Konflikten ist es nahe liegend, dass dies einmal zur Katastrophe führen kann. Lord Raglan übernimmt den Oberbefehl, während Cardigan den Befehl über die Leichte Brigade erhält. Ausgerechnet sein verhasster Schwager Lord Lucan wird als Befehlshaber der Kavallerie sein direkter Vorgesetzter. Während des Feldzugs kumulieren die Animositäten. Als russische Soldaten britische Kanonen erbeuten und diese natürlich zurückerobert werden müssen, kommt es im Oktober 1854 während der Belagerung Sewastopols zur Schlacht von Balaklawa. Dass im Vor-Handy-Zeitalter ausgerechnet Nolan als Kurierreiter zwischen den einzelnen Befehlshabern herumreitet, macht es nicht einfacher. Die fatalen Folgen mangelhafter Kommunikation zeigt ja auch
Gallipoli von Peter Weir, der die britisch-osmanisch/russische Konfrontation an den Dardanellen im Ersten Weltkrieg thematisiert.
Die Besetzung des Films ist das Who is Who des britischen Kinos, mit Trevor Howard (als Lord Cardigan), David Hemmings (als Louis Edward Nolan), Vanessa Redgrave (Richardsons Noch-Ehefrau als Clarissa Morris), Sir John Gielgud (als Lord Raglan), Harry Andrews (als Lord Lucan), Jill Bennett (als Fanny Duberly, die als mitreisende Offiziersgattin ihre Erinnerungen aus dem Krimkrieg veröffentlicht hatte).
Obwohl Charles Wood beim Drehbuch als einziger in den Credits genannt wird, hatte Richardsons alter Weggefährte John Osborne (u.a. Drehbuch für "Tom Jones") großen Anteil daran. Die Ahnungslosigkeit der britischen Offiziere wird drastisch vor Auge geführt: "Es sieht nach Krieg aus." - "Die Franzosen haben es nicht anders gewollt!" - "Aber diesmal sind es nicht die Franzosen." - "Wie? Nicht die Franzosen?" - "Ich habe eine Karte, da sieht man, wer es ist." usw. Geradezu sinnfällig wird ein fertig gestelltes Reiterstandbild des britischen Kriegshelden Wellington (Sieger bei Waterloo über Napoleon I.) immer mal durchs Bild gezogen, da es noch keinen festen Platz hat. Aber statt sich zu fragen. "Wie hätte Wellington das gemacht?", beklagt sich Raglan, dass dieser ihm nur die Sicht vor seinem Fenster nehme. Und immer wieder müssen sich die britischen Offiziere daran gewöhnen, dass sie diesmal mit den Franzosen verbündet sind. In einer besonders absurden Szene redet Lord Raglan auf einen russischen Überläufer ein. Dieser solle sich schämen, da er ein Verräter sei, das könne er doch seiner Mutter nicht antun!
Auch die körperliche Züchtigung eines Soldaten, der im Dienst betrunken war, nimmt eine sonderbare Wendung. Zu Recht könnte der Zuschauer erwarten, dass sich der halb zu Tode geprügelte Mann verächtlich über das Militär äußerte, aber er überlegt nur, wo er jetzt, nach dieser Demütigung, noch anheuern könne. Auch Cardigans Charakter wird als sehr zwiespältig geschildert. Einerseits wird er, der sich "zur Not" auch mal die Frau eines Offiziers "ausleiht", als notorischer Frauenheld geschildert, andererseits lassen seine Überlegungen zu seinen Soldaten aufhorchen, von denen er schwärmt und deren schicke Uniformen mit eng anliegenden Hosen er selbst finanziert hat.
Auch einen Blick auf das seinerzeit katastrophale Sanitätswesen wirft der Film, wenn ein Offizier seinen Untergebenen einschärft, den Verwundeten nicht zu helfen, da dies Aufgabe der Sanitäter sei. Der Zuschauer hat bereits gesehen, dass es die gar nicht gibt. Auch mit den zahlreichen an Cholera Erkrankten fühlt sich das Kommando überfordert.
Zunächst wird der Zuschauer etwas auf die falsche Fährte geführt. Nolan erscheint frisch und sympathisch, als einsamer Kämpfer gegen ein verkrustetes System, der die Prügelstrafe genauso ablehnt, wie er von Vorgesetzten Verantwortung einfordert. Aber spätestens wenn er Krieg als "aufregendste Sache der Welt" bezeichnet und sich auch gegenüber Clarissa nicht mehr wenigstens als Freund verhält, merkt der Zuschauer, dass auch er auf seine Art verblendet ist und er sich gut als Rädchen im Werk des sinnlosen Abschlachtens macht.
Immer wieder wird das hohle Pathos des Krieges entlarvt. Besonderen Anteil daran hat die Musik von John Madison, die niemals erhaben oder sentimental ist, sondern eher wie ein süffisanter Kommentar des Gezeigten wirkt. Als besonderes Bonbon enthält der Film mehrere Animationsszenen von Richard Williams, die im Stile des Satiremagazins "Punch" die Handlung vorantreiben, da boxt der erwachte englische Löwe mit dem russischen Bären oder verspeist Queen Victoria den Kreml. Ich könnte mir vorstellen, dass dies zum Beispiel auch Monty Python und ihren "Flying Circus" beeinflusst hat.
Wer sich über den Krimkrieg informieren will, sollte lieber eine Dokumentation dazu ansehen. Im Vergleich zur 1936er Fassung von Michael Curtiz
Der Angriff der leichten Brigade mit Errol Flynn, die sich eher an der Ballade von Alfred Tennyson orientiert, ist die Verfilmung von Richardson aber ziemlich faktentreu, wobei sich das Drehbuch natürlich eine Zuspitzung erlaubt. Die Geschehnisse wurden bis zur Kenntlichkeit verzerrt. Während die 1936er Fassung den Einsatz der britischen Soldaten glorifiziert, stellt Richardson die blutigen Verluste als Folge vieler Fehlentscheidungen der britischen Offiziere dar. Wenn Adel, Inkompetenz, Eitelkeit und Selbstüberschätzung aufeinander treffen, hat der gemeine Mann nichts zu lachen.
Obwohl der Film eine nicht gerade schmeichelhafte Episode der britischen Geschichte schildert, waren die Kritiken, nach anfänglicher Schockstarre, überwiegend positiv und der Film erhielt 1969 mehrere BAFTA-Awards (britisches Pendant zum Oscar).
Zur Ausstattung. Der Film ist anscheinend in der Originallänge. Die für die deutsche Kinofassung geschnittenen Szenen sind mit fest eingeblendeten Untertiteln eingefügt, für den Rest des Films gibt es optionale deutsche Untertitel. Es liegen der deutsche und der Originaltrailer vor, außerdem einige Werbetrailer anderer Filme, eine Bildergalerie und Infos zu Richardson und den Hauptdarstellern auf Bildtafeln, Wendecover. Das Bild ist -zumindest im Vergleich zum Bildmaterial der Trailer- sehr ordentlich im Format 2.35:1 Die deutsche Synchronfassung rauscht gelegentlich etwas, was aber nicht die Deutlichkeit des Tons beeinträchtigt.
Fazit: Ein Antikriegsfilm, der eher den Kopf als das Herz anspricht. Süffig, sarkastisch, bitter, dabei aber von optischer Brillanz. Eine Perle des britischen Kinos, die jeden Filmfreund begeistern wird.