Der Zwang in Der Amokläufer Die bedeutendsten Werke Stafan Zweigs waren die, die sich mit dem politischen Niedergang Europas befassen. Sein pazifistisches Wesen paßte nicht zu der Epoche der Weltkriege und des disintegrativen Nationalismus. Umsomehr suchte er in den feinfühligsten und hintergründigsten seiner Novellen einen Weg, die Depressionen, die das selbstmörderische Europa in ihm hervorrief, in Worte zu kleiden. Wenngleich seine moralischen Appelle, zu denen sich Schriftsteller seit je veranlaßt sehen, nicht zu einem Stillstand der mörderischen Kriegsmaschinerie führten, so blieben sie immerhin Zeugnis einer Zeit, die alles blühende und schaffende knechtete. Die Erzählung "Der Zwang", die in dem Band "Der Amokläufer" gebunden ist, verdeutlicht den inneren Kampf, dem sich ein Mensch mit Verstand zu Zeiten des zweiten Weltkrieges stellen mußte. Der Kampf im Innern um die Entscheidung, von außen oder von innen gegen das zu wirken, das sein Verstand, seine Ethik und seine Intelligenz verabscheut. Die Erzählung "Der Zwang" beschreibt psychologisch fein gezeichnet die innere Semantik zwischen moralisch fernem Ziel und menschlich naher Angst. Der Protagonist der Erzählung sieht sich in der Zwickmühle. Auf der einen Seite möchte er seinem selbstgesteckten Ziel, seiner Verantwortung als Intellektueller gerecht zu werden, genügen. Auf der anderen Seite jedoch plagen ihn die gleichen Ängste, die Menschen im Krieg aller Klassen plagen. Täglich schwankt seine Stimmung. Erst forsch entschlossen, sich dem Wahnsinn zu entziehen, dann ebenso forsch entschlossen, sich mitreißen zu lassen und sich somit legaler Konsequenzen zu entziehen. Besonders beeindruckend an dieser Erzählung ist, wie nüchtern schlüssig sich die Botschaft hinter spannend erzähltem verbirgt und sich dem Leser Zeile für Zeile offenbart. Selber fühlt man sich in der Zwickmühle, so schillernd klar ist beschrieben, welch herrlich freies Leben der Protagonist aufgeben muß, um eben dieses zu bewahren.