Endlich gibt es mal ein Werk, das zusammenfassend über eine militärische Epoche berichtet, die in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt wird: das 19. Jahrhundert mit dem Krimkrieg 1854, dem amerikanischen Bürgerkrieg 1861-65 und den preußischen Kriegen 1864, 1866 und 1870/71.
In der Einleitung gibt Reid eine Zusammenfassung der Entwicklung der Waffentechnik und ihrer Bedeutung für die beschriebenen Kriege ab. Dann beginnt er mit dem Krimkrieg: Wenn man bisher nur Errol Flynn in der Patriotenschnulze "The Charge of the Light Brigade" bewundert, sich dabei aber gefragt hatte, was die Teetrinker in Rußland eigentlich zu suchen hatten und wie der Krieg im Gesamten abgelaufen ist, findet man hier die Antwort.
Ebenso bekommt man hier eine prägnante Zusammenfassung des sich in diesen Jahren zum 140. Mal jährenden amerikanischen Bürgerkrieges, Entstehung, Verlauf, Wendungen und natürlich Ausgang geboten.
Im letzten Teil wird der Aufstieg Preußens bis zur Gründung des deutschen Reiches aus militärischer Sicht beleuchtet, denn was wäre Bismarck ohne Moltke und dessen siegreiches Heer gewesen? Ein unbedeutender Winkeladvokat. Die Darstellung des Feldzuges von 1864 ist allerdings ein Witz; die hätte auch in eine Fußnote gepaßt.
Die wichtigsten Schlachten werden auf farbigen, dreidimensionalen Karten mit chronologischen Abläufen zusammengefaßt.
Interessant sind besonders die personellen Analysen und Vergleiche der wichtigsten Feldherren, z.B. zwischen Moltke, Sherman und McClellan. Hier agiert Reid zwar nicht so polemisch wie Durschmied in "Wo Dummheit und Zufall Weltgeschichte schreiben" oder Regan in "Militärische Blindgänger und ihre größten Schlachten", aber immer noch sehr emotional, was aber eher amüsiert. Überhaupt kommt der Humor nicht zu kurz (hier bemerkt man neben der probritischen Einstellung den englischen Autor). Zu diesem Zweck lohnt es sich, die Bildunterschriften zu beachten: So hat der Nordstaatengeneral Meade einem Journalisten, der ihn schlecht beurteilt hatte, ein Plakat mit der Aufschrift "Verleumder von der Presse" umhängen und ihn auf einen Maulesel setzen lassen. Darauf wurde er von der rachsüchtigen Presse einfach totgeschwiegen. Stellen Sie sich das mal mit General Schwartzkopf im Golfkrieg vor!
Doch bei aller Begeisterung gibt es auch ein paar Wermutstropfen: Trotz der vielschichtigen Analysen und Vergleiche und der umfangreichen Belesenheit (bis hin zu Hermann Melvilles "Moby Dick") bleibt Reid häufig oberflächlich. So entstand der amerikanische Bürgerkrieg nur aus der Sklavenfrage heraus. Peng! Und die Preußen gewannen bei Königgrätz nur wegen der Überlegenheit des neuen Zündnadelgewehrs. Auch Peng! Soviel Oberflächlichkeit bzw. sogar Fehlerhaftigkeit erstaunt umso mehr, als es zumindest über den amerikanischen Bürgerkrieg umfangreiche (englischsprachige) Literatur gibt, die hier gründlicher ist. Und zum Thema "Zündnadelgewehr" hätte er nur in die hervorragende Monographie von Thomas Craig über die Schlacht von Königgrätz schauen müssen. Auch sind die Schlachtbeschreibungen trotz der schönen Darstellungen nur schmückendes Beiwerk und in ihrem Verlauf sehr stiefmütterlich behandelt. Wer also Genaueres über die Schlachten dieser Kriege wissen will, muß weitere Literatur hinzuziehen.
Zusammenfassend gesagt gefällt das Buch eher durch seine Einzigartigkeit als durch seinen Tiefgang. Aber man kann ja nicht alles haben.