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Der Akkordeonspieler: Wahre Geschichten aus vier Jahrzehnten
 
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Der Akkordeonspieler: Wahre Geschichten aus vier Jahrzehnten [Broschiert]

Marie-Luise Scherer
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (Mai 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596171385
  • ISBN-13: 978-3596171385
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 236.634 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Marie-Luise Scherer
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 19.05.2004
Marie-Luise Scherer gilt als eine der bedeutendsten Journalistinnen der Nachkriegszeit, obwohl ihr Werk schmal ist. Ihre Reportagen sind im "Spiegel" erschienen, elf davon werden nun mit einer Ausgabe von Enzensbergers "Anderer Bibliothek" geadelt. Trotz der allgemeinen Begeisterung formuliert Rezensent Ulrich Stock einige Einwände, die vor allem der einzigen neuen Geschichte, dem titelgebenden "Akkordeonspieler" gelten. 130 Seiten lang ist die Geschichte über einen in der Berliner U-Bahn spielenden Musiker aus der Ukraine, die ein detailreiches Panorama von Globalisierung, Ost-West-Beziehungen, Berliner Lokalkolorit und postsowjetischen Transportsystemen aufblättert. Seitenlang setzt die Hauptgeschichte aus, stört sich Stock, jede Person, die dem Protagonisten über den Weg laufe, diene zu Abschweifungen, so dass der Leser das Gefühl bekomme, die Geschichte sei nur ein Vorwand für die mikrosoziologischen Erkundungen der Autorin fremder Milieus. Ob Kreuzberger Hinterhöfe, Wohnungen französischer Adliger, kubanische Restaurants oder der Arbeitsplatz Moskauer Museumswärterinnen, alles interessiere Scherer auf gleiche - brennende - Weise. Diese Beschreibungen seien die große Kunst Scherers, zugleich unterstellt ihr der Rezensent, banale Situationen sprachlich aufzuladen und im Zweifelsfall hinzudichten, hinzuzuerfinden, was sie selbst gar nicht miterlebt haben konnte. Da die Verfasserin aber nicht genau kenntlich macht, wo sie Erlebtes und Erfundenes vermengt, leidet für Stock die Glaubwürdigkeit ihrer Reportage.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Marie-Luise Scherers neuer Reportagenband Der Akkordeonspieler ist bedeutende Literatur.« Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung, 2. 4. 2004»Bei aller Zurückhaltung läßt die immanente Präsenz der Autorin keinen Zweifel, daß nicht das Leben die besten Geschichten schreibt, sondern Marie-Luise Scherer.«Friedmar Apel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. 6. 2004»Marie-Luise Scherers Geschichten sind besser als alles, was es deutsch zu lesen gibt.«Willi Winkler, Weltwoche, 13/ 2004

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von H. Arendt
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn ich nicht zufällig in eine Ihrer Lesungen vom Berlin-Brandenburgischen Literaturfestival geraten wäre, weil alle Bücher ausgelesen und das Fernsehprogramm so bescheiden, was wäre mir entgangen! Wenn das noch Journalismus ist, dann ist er nur noch mit dem eines Joseph Roth vergleichbar. Die Reportage über die russische Straßenmusiker-Szene Berlins (Der Akkordeonspieler) fesselt den Leser sofort durch die Magie der Bilder von Proustscher Eindringlichkeit und Fülle. Da ihr Erzählstil eher "altmodisch" (im besten Sinne des Wortes) ist und opulent, fühlt man sich gerade an Erzähler aus der österreichischen Tradition wie Roth oder Schnitzler erinnert.
Andere Beiträge wie "Die Hundegrenze", in der sie über die Hunde, die die deutsche Grenze bewachten, schreibt, oder "Dinge über Proust", sind von einer solchen tiefen Sachkenntnis geprägt, dass man meint, hier schriebe eine Intimkennerin des deutschen Hundewesens oder eine ausgewiesene Proust-Spezialistin! Dagegen zeigt sie beim Beitrag über Schily, den alle Name-dropping-Versessenen sofort aufschlagen, was solides, mühevolles Handwerk ist. Der knochentrockne Kerl liegt ihr einfach nicht und man sieht förmlich, wie sie am Schlusspunkt drei Kreuze schlägt. Dort wo sie ins volle Leben greifen kann, läuft sie zur Hochform auf, aber das Journalistenleben ist eben wechselhaft.
Solche literarischen Journalisten, bei denen wie bei ihrem geistigen Ahnherren Roth, jeder Satz ein geschliffener Brillant ist, gibt es heute nicht mehr. Kein Wunder, dass sie keine Vielschreiberin ist, Sehr sehr schade ist es, dass ihr erstes Buch "Ungeheurer Alltag", so hoffnungslos vergriffen ist, dass es noch nicht einmal im Zentralverzeichnis der Antiquaritate auftaucht. Jeder Literaturliebhaber, der die Bekanntschaft mit ihrem Werk gemacht hat, betet für eine Neuauflage des ersten Buches, für das sie 1994 mit dem Börne-Preis ausgezeichnet wurde. Der verpennte Rowohlt-Verlag, bei dem das erste Buch erschienen ist, sollte sich schon wegen verfehltem Marketing schämen. Hoffentlich legt er wieder auf und hängt sich an diese Veröffentlichung, der ich einen großen Erfolg wünsche!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Marie-Louise Scherers Bestandaufnahmen unserer Welt für den SPIEGEL waren und sind enorm intensive Einblicke in alle Aspekte der Leben und Welten, in die sie sich und den Leser vertieft. Die Geschichten, Reportagen und Erzählungen, die im „Akkordeonspieler" nachzulesen sind, haben eines gemeinsam: sie sind pure Magie mit des Wortes ganzer Macht. Die Börne- und Kisch-Preisträgerin ist sparsam mit dem, was sie öffentlich macht. Ihr Ringen um die einzig endgültige Formulierung, um den Ton, der das Intervall eines Satzes harmonisch oder verstörend macht, ist legendär. Wer sich mit diesem Buch einlässt, sollte wissen, dass er verzaubert werden kann, so wenig bezaubernd die Inhalte teils sind. Bei aller literarischen und stellenweise fast lyrischen Qualität ist ein Bericht wie der über die „Bestie von Paris" auch einmalig mitreißend geschrieben - und zugleich ein Abbild einer Epoche, einer Stadt und eines Teils einer Gesellschaft, das so minutiös nicht mehr gegeben wird. Das ist große, Wunder-volle Literatur.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
testfall otto schily 29. Februar 2004
Von FrizzText HALL OF FAME REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
von 1978 bis 2004 reichen die arbeiten, die marie-luise scherer in ihrem essay-band vorstellt, und es handelt sich um einen journalismus, dem die zeit nichts anhaben kann, weil er die grenze zur literatur überschritten hat. ob über die DDR-hundegrenze (1994) oder den serienmörder von paris (1990), ob über den russischen akkordeon-spieler (2004) oder den rechtsanwalt otto schily (1978) - nichts haben ihre darstellungen an suggestiver kraft verloren. vor 26 jahren porträtierte sie den, der nun in den ministerrang aufgestiegen ist. damals schrieb sie: "otto schilys wirkung liegt in einer arroganten faktendemut." sie beschrieb den spagat, den er leisten musste, indem er die anführer der RAF (baader, ensslin, meinhof etc.) verteidigte, - andererseits sich aber ideologisch natürlich nicht von ihnen einfangen ließ - aus gefestigtem, gut bürgerlichem elternhause stammend: "solche politischen ziele rangieren schließlich in den getäfelten advokaturen mehr als scherz." als seine damalige ehefrau christine ein paar stadtguerillas mit nach hause eingeladen hatte und er sie vorfand, wie sie auf seinem konzertflügel würste aufschnitten, habe sich die szene ausgenommen wie beim anblick von "parachutisten in einem gouverneurssalon". otto schily sei ein mensch "unfähig, in sprechchöre einzufallen", einer der sich vom "glamour der revolution" niemals habe einfangen lassen, einer, der nicht "vom steilen eßzimmerstuhl in den schneidersitz" umgewechselt sei. schily besitze eine "untauglichkeit, zum untertanen auszuarten." man urteile, ob marie-luise scherer vor 26 jahren ihr thema nicht schon regelrecht hellseherisch erfasst hat.
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