Seit den Kluftinger Krimis des Autoren Duos Klüpfl/Kobr ist der Leser ja schon etwas verwöhnt, was Allgäu Krimis angeht.
Von Joachim Rangnick hatte ich bisher noch gar nichts gehört, obwohl seine Reihe um den Allgäuer Journalisten Walcher schon einige Bände umfasst - von daher bin ich wirklich froh, dass vorablesen mich nun auf diesen Autor gebracht hat. Da ich im Allgäu lebe, ist das ja quasi Pflichtlektüre!
Zum Buch:
Im ersten Kapitel wird das harte (und kurze) Leben des Hütejungen Josef Wammer Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben, der mit seinen 9 Jahren den elterlichen Hof verlassen muss, um auf dem Gut der Korbachs als Knecht zu arbeiten. Hier gibts zwar mehr zu essen als daheim, aber die Grausamkeiten des Hofherrn sind kaum zu überbieten. Alles gipfelt in einer einzigen Katastrophe für den jungen Burschen.
Dann machen wir einen Sprung in die heutige Zeit. Mathilde, die Haushälterin des Journalisten Walcher, wird von ihrer Großbase gebeten, einen Hof in Augenschein zu nehmen - genau den Hof, auf dem früher die Korbachs gelebt haben. Mathilde spürt sofort, dass der Hof kein guter Ort ist und dass sich hier Schreckliches abgespielt hat. Leider glauben ihre junge Verwandte und deren Mann ihr nicht und kaufen das Gut trotzdem.
Mathilde und ihr Arbeitgeber Walcher (der sich nebenbei noch neu verliebt, in die Umweltaktivistin Theresa) forschen nach, was auf dem Hof alles passiert ist - und finden dabei einige Fälle, die direkt mit der Familie Korbach in Verbindung zu stehen scheinen. Deren letzter Nachkomme lebt immer noch im Allgäu, mittlerweile auf einem anderen Hof und ist wie seine Vorfahren kein besonders angenehmer Zeitgenosse - fast möchte man meinen, die Familie sei mit dem Teufel im Bund!
Immer wieder lässt der Autor anklingen, dass es - gerade im Allgäu - viele Geschehnisse und Geschichten gibt, die sich rational nicht erklären lassen. Walcher als Vernunftmensch und Mathilde als Vertreterin des Unerklärlichen, geben dabei einen schönen Kontrast ab. Trotzdem sinkt das Buch nicht komplett ins Fantastische ab, sondern ist ein solider regionaler Krimi mit äußerst amüsanten Einschlägen ins Allgäuerische (ein Dialekt an dem ich auch des öfteren im realen Leben verzweifle, das Glossar am Ende des Buches war für mich dann aber doch nicht nötig).
Da immer wieder Bemerkungen über Walchers früheres Leben fallen, möchte ich nun unbedingt auch die Vorgängerbände lesen! Und ich bin schon gespannt wie diese Krimireihe wohl weitergehen wird!