Dieses Buch ist m.E. das beste, was es weiträumig zum Thema Stasi/MfS gibt. Und ich habe wohl alle wesentlichen gelesen.
Mit dem inzwischen vorhandenen Abstand, dass alle damaligen Geheimnisse und Hintergründe offengelegt werden können, kann Stiller endlich die wahre Geschichte erzählen. Naja, jedenfalls soweit Agenten die Wahrheit sagen können ;-)
Gerade im Kontext mit seinem in Teilen doch eher zu hinterfragenden ersten Buch und den diversen späteren Äusserungen von Wolf, Grossmann etc. ergibt sich endlich ein schlüssiges Bild. Wahrscheinlich hat selten ein Oberleutnant so sehr Geheimdienstgeschichte geschrieben wie Stiller. Und selten hat jemand so schonungslos über sein Leben und seinen Beruf erzählt.
Was mich am meisten fasziniert hat, ist aber gerade das, was einen der anderen Rezensenten eher störte: die Protokolle des MfS bei der Suche nach dem ´Schakal´ jeweils genau an der Stelle, wo sie hinpassen. Der gigantische Aufwand, den die Stasi bei der Überwachung der DDR-Bürger betrieben hat, wird hier am Beispiel eines ihrer wichtigsten Fälle durch die Originalprotokolle besonders deutlich. Wenn man sich dann vorstellt, was schon vor 30 Jahren möglich war, kann man allerdings schon ein mulmiges Gefühl bekommen. Alleine die Angaben zur Postüberwachung und die unzähligen zitierten IM-Aussagen. Big Brother ist davon nicht weit weg.
Insgesamt: ein Muss für jeden, der sich für die Themen Geheimdienste, DDR, Stasi oder auch nur autobiographische Beschreibungen vom ständigen Leben am Abgrund interessiert. Sechs von fünf Sternen :-)