Jean-Marie Gustave le Clézio hatte lange davon geträumt, seine Mutter sei eine Schwarze, sich für die Rückkehr ins ihm fremde Frankreich eine Geschichte zurechtgelegt, um der Wirklichkeit zu entfliehen.
Als der Vater im Ruhestand nach Frankreich zurückkehrt, merkt Jean-Marie Gustave le Clézio jedoch, dass er der Afrikaner war.
Da er das nur schwer akzeptieren konnte, hat er dieses Buch geschrieben, eine Bewältigung der Entfremdung, der Vergangenheit.
Der Afrikaner" ist ein Versuch der Aufarbeitung, des Strebens um Verständnis, wieso sich der Vater nach seiner Rückkehr aus Afrika nicht mehr der Mensch war, der er in Afrika war.
Jean-Marie Gustave Le Clézios Vater war ein auf Mauritius geborener Brite, der als Tropenarzt nach Afrika ging, um der Unterdrückung in einem englischen Spital zu entgehen.
In Kamerun und Nigeria heilte er Sumpffieber und Leprakranke, bereiste zu Fuß und Pferd seine Gebiete.
1948 reist die Mutter mit ihren beiden Söhnen aus Frankreich dem Vater nach, wo der achtjährige Jean-Marie Gustave seinem Vater zum ersten Mal begegnet.
Er erzählt von seinen Erkundungen der afrikanischen Landschaft, von Termitenbauten, von Skorpionen, von Menschen, von der natürlichen Nacktheit der Menschen in Afrika und zeichnet dadurch ein wunderbar poetisches Bild Afrikas. Landschaftsstimmungen, Afrikabilder, wie sie eigentlich unübertroffen sind. Die Stärke dieser Prosa ist schlichtweg überwältigend.
Er erzählt auch die Geschichte der Liebe seiner Eltern vor dem Krieg, in Kamerun. Er tut dies auf eine wunderbar zärtliche und liebende Art und Weise. Eine einfühlsam erzählte Liebe, die durch die kriegsbedingte Trennung einen Riss bekam und sich wie eine langsam dahinsiechende Krankheit nicht mehr heilen ließ. Des Vaters konsequente Entfremdung als einzig mögliche Reaktion auf diesen Verlust.
Der Afrikaner" ist auch eine Liebeserklärung an Afrika, an das unberührte, echte Afrika, ein Afrika abseits der Country Clubs und der weißbehandschuhten Diener - ein Plädoyer gegen die diversen Kolonialherrschaften, ein Plädoyer gegen den Krieg. Eine bezaubernde Liebeserklärung an die Mutter und eine große Hommage an den Vater.
Der Schlüssel zum Werk Jean-Marie Gustave Le Clézios.