Gekleideten Menschenaffen zuzuschauen, wie sie menschliches Verhalten nachahmen -- ein uralter Gag in Filmen und Fernsehshows -- vermittelt so manchem Zuschauer ein ungutes Gefühl, schreibt der anerkannte Primatologe Frans de Waal in seinem Buch
Der Affe und der Sushimeister. Indem die Affen so etwas tun, brechen sie gewissermaßen eine Art Tabu -- ein Tabu in Sachen Kultur, die angeblich nur Menschen besitzen können. Nach de Waals Einschätzung bedeutet Kultur jedoch nicht, dass man weiß, wie man eine Austerngabel richtig ansetzt, oder dass man schicke Vernissagen besucht. Kultur bedeutet vielmehr, "dass Kenntnisse und Gewohnheiten von anderen -- häufig, aber nicht immer, die ältere Generation --
erworben wurden". Kultur beinhaltet Verständigung und soziale Organisation, und darin hat der Mensch gewiss kein Monopol. Ein Sushi-Koch lernt, indem er das Wissen und die Gewohnheiten eines fähigeren Meisters vermittelt bekommt -- aber das Gleiche gilt auch für den Schimpansen, wenn er lernt, wie man Bananen im Urwaldfluss wäscht, oder für Vögel, wenn sie lernen, wie man Muscheln aufknackt, um an ihr leckeres Inneres zu gelangen, indem man sie aus luftiger Höhe auf die Felsen fallen lässt.
De Waal untersucht anthropozentrische Kulturtheorien und stellt sich deren grundsätzlichen leugnerischen Vorstellungen entgegen, dass es zwischen Menschen und Tieren keine gemeinsamen Charakteristika gebe, obwohl sie sehr wohl existieren könnten. Er setzt sich mit den so genannten "Selfish-Gene"-Verhaltenstheorien um "egoistische Gene" auseinander und argumentiert temperamentvoll, dass es bessere Modelle gebe, um zu erklären, warum sich Tiere -- und Menschen -- so verhalten, wie sie es tun. Auch Aristoteles bleibt nicht verschont: De Waal vertritt den Standpunkt, dass der Mensch nicht das einzige "politische Tier" sei, wenn man Politik als gesellschaftlichen Prozess definiere, in dem entschieden werde, wer was wann und auf welche Weise bekomme. Was Tiere und Menschen eindeutig gemein haben, fasst de Waal zusammen, seien Gesellschaften, in denen Stabilität unmöglich sei -- eine Beobachtung, die so manchen Utopist enttäuschen dürfte, die aber hilft, einige der Eigentümlichkeiten der Welt zu erklären.
Es gibt vermutlich keinen Menschen auf der Welt, der mehr von Menschenaffen versteht, als Frans de Waal. Mit diesem Buch beweist er, dass er auch jede Menge vom Menschen versteht. Leser, die sich mit Biologie, Kultur und Kommunikation befassen, dürften hier viel Stoff zum Nachdenken finden. --Gregory McNamee
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Er schreibt brillant, er hat viel zu berichten und er ist kompetent.
Ein junger Affe ist vergleichbar mit dem Lehrling eines Sushimeisters. Der schaut seinem Meister einige Jahre lang bei der Arbeit zu. Dadurch hat er die Abläufe so verinnerlicht, dass er sie am Tag seiner Feuertaufe selbst ausführen kann. Zu dieser Transferleistung sind auch Affen fähig. Und das ist Kultur.