"Der Adept des Assassinen" ist der Auftakt zur dreiteiligen "Legende vom Weitseher".
Ganz grob ist es die Biografie des Fitz Weitseher, Bastardsohn eines Prinzen, der heimlich zum Meuchelmörder des Königshauses ausgebildet wird und Zeitzeuge der Bedrohung seines Heimatlandes durch die Roten Korsaren wird.
Biografie deshalb, weil das gesamte Buch aus der Ich-Perspektive von Fitz geschrieben ist. Anfänglich war das beim Lesen sehr ungewohnt für mich, aber im Endeffekt hat dieser Schreibstil (von Robin Hobb wirklich perfekt umgesetzt!) diese Reihe zu welchen der besten Fantasybüchern gemacht, die ich bis jetzt gelesen habe. Man liest es auf jeden Fall auch gerne ein zweites mal.
Der Leser kann sich sehr gut in Fitz' Lebenswelt hineinversetzen und mit ihm fühlen, sei es nun positiv oder negativ. Man wird als Leser quasi zu Fitz und macht dessen Entwicklung durch die ganze Geschichte mit! Einfach genial, wenn ein Buch derartig fesseln kann. An dieser Stelle weiß ich dann leider nicht, ob sich Leserinnen aufgrund des Geschlechterunterschiedes immer mit dem männlichen Protagonisten identifizieren können. Aber ich bin sicher, dass solche eventuelle Unstimmigkeiten dem Gesamteindruck über das Buch keinen Abbruch tun.
Ein weiterer Pluspunkt ist meiner Ansicht nach auch das Profil, der Charakter von Fitz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hauptfiguren in Büchern ist er kein "klassischer" Held, stark und nicht unterzukriegen. Aber auch kein Antiheld. Eher wird er sehr menschlich und normal (was seine Emotionen angeht) dargestellt. Er ist oftmals unsicher, sich bewusst über den Makel seiner Abstammung, in gefährlichen Situationen ängstlich, und auch wenn er in große Ereignisse gerät ist doch sein Wunsch ein normales Leben zu führen mit seiner Molly und nicht dauernd stigmatisiert zu sein.
Die Beziehung zu Molly, zu seinen Hunden und später seinem wölfischen Freund Nachtauge gefallen mir mit am besten (hier möchte ich nicht mehr über seine "besonderen Fähigkeiten" und Handlungsstränge verraten).
Fitz ist also äußerst sympathisch, menschlich, nicht unrealistisch überformt, und eine Peson, mit der man sich gut identifizieren kann.
Außerdem finde ich die Art der Magie in diesem Buch ansprechend, denn sie unterscheidet sich von der "handelsüblichen" Magie in sonstigen Büchern, also keine Sprüche aufsagen und Fingerwackeln. Eine gute neue Idee. Es verhindert außerdem, dass die Story zu abgehoben wird (natürlich bleibt es Fantasy).
Was mir zusätzlich sehr zusagt, ist das anspruchsvolle Sprachniveau. Das heißt nicht, dass es unverständlich ist oder sich wie Goethe liest. Viel mehr, dass die Ausdrücke sehr gewählt sind und nahezu immer die richtigen Worte gefunden wurden. Beschreibungen von Örtlichkeiten sind ebenso genial wie die von Gefühlslagen und Gedankengängen.
Gestört haben mich in dieser Ausgabe nur die relativ vielen Tippfehler, die einen manchmal während des Lesens stocken lassen.
Alles in allem sind Liebhaber von anspruchsvoller, spannender, eindrucksvoller - einfach qualitativ guter Fantasy mit diesem Buch sehr gut bedient und werden sehr sicher auch den zweiten Teil verschlingen wollen.