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Der Weg in den Abgrund. Deutsche Außenpolitik 1902-1914
 
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Der Weg in den Abgrund. Deutsche Außenpolitik 1902-1914 [Gebundene Ausgabe]

Konrad Canis
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Der Weg in den Abgrund. Deutsche Außenpolitik 1902-1914 + Von Bismarck zur Weltpolitik: Deutsche Außenpolitik 1890 bis 1902 + Bismarcks Außenpolitik 1870 bis 1890: Aufstieg und Gefährdung
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 725 Seiten
  • Verlag: Verlag Ferdinand Schöningh; Auflage: 1., Aufl. 2011 (20. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3506771205
  • ISBN-13: 978-3506771209
  • Größe und/oder Gewicht: 23,6 x 15,4 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 115.750 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Nach vorherrschender Auffassung wird Deutschland die Hauptverantwortung für den Ersten Weltkrieg zugeschrieben. Auf breiter Quellengrundlage, vor allem mit ungedruckten Akten- und Nachlassbeständen, begründet jedoch der Autor, dass die Zwänge, denen Deutschland ausgesetzt blieb, größer waren als die Möglichkeiten.
Bis zur Julikrise 1914 hat die deutsche Führung mit auf den Frieden gerichteten politischen Mitteln, entweder mit einer Politik der Stärke oder mit einer der Entspannung, auf ei-ne weltmachtpolitische Gleichberechtigung und auf die Sicherung der bisherigen Stellung auf dem europäischen Kontinent gesetzt und versucht, dem Druck der Ausgrenzung durch die Rivalen zu entgehen und die Tripleentente Großbritanniens, Russlands und Frankreichs zu konterkarieren. Unter der sicherheitspolitischen Zwangsvorstellung, dieser in wenigen Jahren militärisch nicht mehr gewachsen zu sein, hat sie gemeinsam mit Wien im Juli 1914 den Krieg ausgelöst.g zu kommen, abwechselnd mit Offensive oder Entspannung. Ohne den Frieden brechen zu wollen, zielte er in den Krisen mit einer Politik der Stärke vergeblich darauf, die Entente auszuschalten. In der ersten Marokkokrise suchte Bülow zuerst Frankreich, dann Rußland vergeblich für einen Kontinentalbund zu gewinnen. In der von ihm initiierten Entspannungsphase, die in der Literatur gewöhnlich unterschlagen wird, war er bestrebt, mit primär wirtschaftlichen Mitteln auf der Basis des Bündnisses mit Österreich-Ungarn einen Ausgleich mit den Rivalen zu schaffen, konnte jedoch Englands Dreierententekurs nicht unterlaufen. In der Bosnischen Krise setzte er erfolglos darauf, auf der Grundlage eines deutsch-österreichischen Blocks Rußland von der Entente zu lösen. Eher naiv beabsichtigte Bethmann Hollweg anschließend England zu gewinnen, wurde aber von ihm souverän überspielt. Angebote eines Neutraltätsabkommens lehnten die Rivalen ab. In der zweiten Marokkokrise sollte Frankreich von Deutschlands Gnaden Marokko erhalten und die Entente mit England überflüssig werden. In derselben Absicht schloß sich Berlin in den Balkankriegen dem Krisenmanagement mit London an, das jedoch für sich und die Entente Nutzen davontrug, wie auf dem Balkan Rußland und nicht Österreich.
Deutschland verzichtete auf eine ausgreifende Kolonialexpansion und ging in Verhandlungen zu begrenzten Projekten in London bis in die Nähe einer Juniorpartnerschaft. Nach 1911 kreiste Rußland, um Deutschland politisch zu schwächen, dessen Bündnispartner Österreich-Ungarn ein, und höhlte, gemeinsam mit Frankreich, mit einer Aufrüstung unter offensivem Vorzeichen die deutsch-österreichische Kriegsstrategie aus. Obwohl die politisch und militärisch Verantwortlichen Deutschlands wie bislang dem Krieg widerstrebten, lösten sie ihn 1914 aus, überzeugt von der Zwangslage, ihm später gewiß ausgesetzt und ihm dann nicht mehr gewachsen zu sein.

Buchrückseite

Nach vorherrschender Auffassung wird Deutschland die Hauptverantwortung für den Ersten Weltkrieg zugeschrieben. Auf breiter Quellengrundlage, vor allem mit ungedruckten Akten- und Nachlassbeständen, begründet jedoch der Autor, dass die Zwänge, denen Deutschland ausgesetzt blieb, größer waren als die Möglichkeiten. Bis zur Julikrise 1914 hat die deutsche Führung mit auf den Frieden gerichteten politischen Mitteln, entweder mit einer Politik der Stärke oder mit einer der Entspannung, auf ei-ne weltmachtpolitische Gleichberechtigung und auf die Sicherung der bisherigen Stellung auf dem europäischen Kontinent gesetzt und versucht, dem Druck der Ausgrenzung durch die Rivalen zu entgehen und die Tripleentente Großbritanniens, Russlands und Frankreichs zu konterkarieren. Unter der sicherheitspolitischen Zwangsvorstellung, dieser in wenigen Jahren militärisch nicht mehr gewachsen zu sein, hat sie gemeinsam mit Wien im Juli 1914 den Krieg ausgelöst.

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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Frischer Wind 31. Januar 2012
Von HSV
Eine kompetente und kompakte Darstellung der deutschen Außenpolitik vor dem 1. Weltkrieg ohne ideologische Scheuklappen? Man ist verwundert und erfreut.
Dem Autor, Historiker mit DDR-Vergangenheit und deshalb vermutlich unempfänglich für die BRD-typische ex post-Sicht eines Wehlers oder Winklers, gelingt eine Darstellung, die die tatsächlichen Gegebenheiten, Chancen, Risiken, Möglichkeiten und Begrenztheiten des Deutschen Reiches am Vorabend des Ersten Weltkriegs wieder in den Vordergrund rückt - jenseits aller Spekulationen um einen angeblichen "Griff nach der Weltmacht".
Interessant ist, dass so wieder die Positionen der älteren Historikergeneration (wie z.B. Egmont Zechlin, Hans Herzfeld u.a.) bestätigt und gewürdigt werden, die seinerzeit gegen Fritz Fischers einseitige und geradezu autistisch deutsch-zentrierte Interpretation die internationale Dimension, sprich die Kriegsziele und den Kriesgwillen der Gegner, ins Feld geführt hatten.
In Einzelstudien ist diese Interpretation - ob man sie nun unter dem Schlagwort "deutscher Sonderweg" (Winklers "Langer Weg nach Westen"), "Sozialimperialismus" (Wehler) oder "Griff nach der Weltmacht" (Kontinuitätsthese dt. agressiver Hegemonialpolitik) subsumiert - neuerdings vielfach bereits angegriffen worden: So haben Oliver Stein ("Die deutsche Heeresrüstungspolitik 1890-1914") und Rolf Hobson ("Maritimer Imperialismus") gegen alle Sozialimperialismus-Postulate auf den "Primat der Politik" in der Heeres- und Flottenrüstung hingewiesen, während z.B. Andreas Rose ("Britische Außenpolitik vor dem Ersten Weltkrieg"), Christian Wipperfürth ("Britische Außenpolitik und Sozialökonomie im Zeitalter des Imperialismus"), Irmin Schneider ("Die deutsche Rußlandpolitik 1890-1900") oder Stefan Schmidt ("Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914") verstärkt die anderen Mächte in den Blick nahmen und damit die deutsche Politik wieder in den zeitgenössischen internationalen Kontext einfügten (aus dem sie Fischer und Nachfolger bewusst herausgelöst haben).
Im Ausland hatte die "Sonderwegs"-These ohnehin weniger Anhänger und wurde vielerorts kritisiert (Geoff Eley, David Blackbourn, Pogge von Strandmann, Margaret Lavinia Anderson etc.). In der bundesdeutschen Publizistik dagegen erfreut sich die These einer deutschen, anti-demokratischen Kontinuität nach wie vor einer großen Beliebtheit. Um so erfreulicher, dass hier nun eine Darstellung vorliegt, die sich an den Fakten orientiert und nicht ex post eine Begründung sucht, warum die BRD der beste Staat ist, der je auf deutschem Boden existierte.
Nicht alles in der deutschen Geschichte führt zu Hitler. Es gibt tatsächlich Epochen, die aus sich selbst heraus verstanden und gedeutet werden sollten.
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