Als Ausgangspunkt dient diesem Thriller von David Ambrose ein interessanter und mittlerweile häufig aufgegriffener Gedanke.
Ein Mensch erschafft, oder besser fördert die Entstehung (Schöpfung als Anspielung auf den deutschen Titel) eines neuen Wesens, einer neuen Intelligenz.
Ein sich selbst bewusstes und lernendes Programm entkommt in die öffentlichen Datennetze und erkennt seine Schöpferin als Bedrohung.
So vielschichtig und spannend dieser Ansatz auch wirkt, dem Autor gelingt es nicht die Handlungselemente glaubhaft und vor allem fesselnd, zu dem erwarteten Top-Thriller zu bündeln.
Nach einem ersten Angriff auf die "Mutter" der mächtigen KI, nimmt die Geschichte eine fragwürdige Wendung. Der Kontakt zu einem Serienmörder, der über Datenbänke seine Opfer ausspioniert, wirkt etwas bemüht (Anbindung an den Serienkiller-Trend), hätte aber trotzdem die Geschichte bereichern können.
Der Haken beim Versuch sich in den Krimi zu vertiefen ist neben den noch teilweise recht abwechselungsreichen Verzweigungen der Story, die Präsentation.
Es ist kaum zu glauben, wie durch ständige Kapitel- und Szenenwechsel, ein Thriller derart verstümmelt werden kann.
Die 445 Seiten der TB-Ausgabe sind in über 80 Kapitel unterteilt. Dadurch ergibt sich eine durchschnittliche Kapitellänge von unter 6 Seiten!!!
Kurze Sätze, rasante Handlungsabläufe und ähnliches vermögen gezielt eingesetzt durchaus Spannung und Tempo erzeugen, hier aber wird das Ganze nach bereits 100 Seiten zum Nerv-Faktor.
Meiner Ansicht nach ist "Der 8.Tag" (engl. Übrigens "Mother of God") nur jenen Lesern zu empfehlen, die keinen Wert auf atmosphärische Tiefe legen, oder die nur etappenweise hier und da mal ein paar Seiten nebenher lesen möchten.
Für alle Freunde anspruchsvoller, atmosphärisch-dichter Thriller bleibt nur die Warnung: Finger weg!