Die Grundidee dieses entzückenden, komischen und souverän erzählten Jugendbuchs erinnert an den "Murmeltier"-Film, auf den die Autorin auch einmal anspielt: Als die elfjährige Heldin Frederike, genannt Freddy, nach dem letzten Feriensonntag unlustig aufwacht und sich zur Schule schleppen will, stellt sie fest, daß es schon wieder - oder immer noch - Sonntag ist. Freddy ist in einer Zeitschleife gefangen: Alles, was schon gestern geschah, wiederholt sich, aber nicht starr, sondern in musikalischen Variationen. Das Vorauswissen hilft Freddy dabei nur bedingt; manchmal führt ihr Versuch, etwas zu verbessern, nur zu neuen Wirrnissen, und ihrem Vater brennen noch am fünften Sonntag die gefüllten Wachteln an; aber im Lauf der Wiederholungen gelingt es dem - glänzend gezeichneten - Mädchen, seinen wahren Wünschen näher zu kommen. Der große Charme dieses Buches liegt in der Kombination der Stärken Sabine Ludwigs. Sie ist von einer meisterlichen Beobachtungsgabe, wie jeder Vater einer vierzehnjährigen Tochter bestätigen können wird (Freddys Schwester Mia ist in der Hochpubertät - man erkennt alles, aber auch alles wieder). Sie hat das feine Ohr für die Sprache der Kinder und Jugendlichen, biedert sich dem Jargon aber nicht an. Ihre Figuren sind hochlebendig und "sur le vif" getroffen. Ludwig hat einen großen Sinn für die Alltagskomik des Familienlebens. Und sie schafft es bei aller Komik, einen subtilen und anrührenden Drei-Generationen-Roman zu schreiben, in dem die altersdemente Großmutter als heimliche Hauptfigur im Lauf der vielen Sonntage das elementarste Menschenrecht zurückgewinnt: zu erzählen und gehört zu werden. - Unbedingt empfehlenswert!