Der ukrainische Autor, Jahrgang 1974, erzählt von seinem Leben als 19-Jähriger, kurz nachdem das Land unabhängig geworden war. Der Ich-Erzähler kennt die Gedanken vieler vorkommender Personen, wird aber - insofern doch wieder nah an einer Dokumentation - selbst als Zhadan" angesprochen. Durch die Handlung zieht sich nur lose ein roter Faden, die Suche des Erzählers und seiner Freunde nach einem ihrer Kumpel, der vom Tod seines Stiefvaters in Kenntnis gesetzt werden soll. Um diese Suche ranken sich lauter Episoden aus dem Leben der Freunde, in dem Alkohol stark im Vordergrund steht.
Die Geschichte spielt in Charkiw, der Stadt, in der der Autor studiert hat und lebt. Sie ist die zweitgrößte Stadt des Landes, liegt im Osten und gehört zusammen mit dem angrenzenden Donbass" zu einem großen Kohlerevier mit Schwerindustrie. Die Handlung setzt ein mit der U-Bahn-Fahrt Dogs" zu einem Fußballspiel, wo er zwei entfernte Bekannte trifft. Er wird nach dem Spiel bewusstlos ins Krankenhaus gebracht, wo man ihn aber auch nicht behalten will. Als er am nächsten Tag halbwegs ausgenüchtert ist, erinnert er sich nicht nur nicht, wie das Spiel ausging, sondern versteht schon die Frage nach dem Spielausgang nicht.
In einer späteren Szene spielen einige der Freunde des Erzählers als Band für den Auftritt eines amerikanischen Predigers. Dessen Predigt wird über Seiten hinweg Wort und Wort referiert, einschließlich der Übersetzung durch eine bocklose Übersetzerin, die die Gelegenheit nutzt, auch ihre persönliche Botschaft loszuwerden. Später wird der Erzähler aus nicht näher genannten Gründen festgenommen, nachdem sein Versuch, das durch einen Sprung in einen Trolleybus zu verhindern, durch eine Tracht Prügel und eine Ladung Tränengas von den Cops quittiert wurde. Nach einer Nacht in der Zelle kommt er wieder frei. Die Band Depeche Mode spielt eigentlich nur eine sehr kleine Rolle in der ganzen Erzählung; in einer Radio-Sendung erzählt der Moderator von deren Entstehungsgeschichte, wobei der Informationsgehalt dieser Darstellung skeptisch beurteilt werden sollte. Erwähnenswert ist noch eine Broschüre, die der Erzähler liest, um sich die Zeit bei einer Bahn-Fahrt zu verkürzen, und in der es laut Einleitung um ein besseres nicht nur theoretisches, sondern auch praktisches Verständnis der sozialen Produktionsverhältnisse gehen soll. Der Inhalt der Broschüre wird über 14 Seiten hinweg wiedergegeben und behandelt in etwas repetitiver, aber nicht langweiliger Weise diverse chemikalische Verbindungen oder genauer explosive Stoffe.
Um bestimmte Ausrufe eindringlich rüberzubringen, schreckt der Autor auch nicht vor einer halben Zeile Ausrufezeichen zurück. Die Erzählung wechselt ab mit langen Passagen, die die Gedankenströme einzelner Personen wiedergeben, mit Reflexionen über das Leben, die insbesondere das Buch mit je einem Kapitel einrahmen, und mit zahlreichen Dialogen. Die Dialoge stehen zumeist schräg neben der Handlung, setzen sie fort, aber haben oft lose Enden. Vor allem die Dialoge lassen die Personen vollkommen real erscheinen und wären auch gut als Drehbuch geeignet. Beispielhaft ist der Dialog auf der Wache, in der der Erzähler aufgefordert wird, seine Taschen zu leeren, und er meint, das ginge nicht mit Handschellen an. Was bei dem Hin und Her rauskommt, bleibt offen, ist aber leicht vorstellbar.
Das Buch ist nur schwer aus der Hand zu legen. Man kann es düster finden. Denn wahr ist, dass es sehr traurige Lebensumstände zum Inhalt hat. Der Autor stellt sie aber in einer zugleich nüchternen und amüsanten Weise dar, die die traurige Absurdität dieses Lebens zum Inhalt einer sehr vergnüglichen Lektüre macht, ohne je unernst zu werden. Nicht nur Landleute des Autors dürften sich in seinen Erzählungen wiederfinden, auch wenn sie dort wohl typischer sind als hier.
Um das gewohnt schlichte Cover der edition suhrkamp herum hat der Verlag einen zusätzlichen Umschlag gefaltet mit dem sehr schönen Bild eines Kiosks in der Abenddämmerung samt Speisekarte für Fernfahrer.