Wie zuvor bereits andere ITC-Produktionen, z.B. "Geheimauftrag für John Drake" (Danger Man) oder "Simon Templar" (The Saint), avancierte auch die britische Spy-fi-Serie "Department S" (1969-1970) rasch zum eigenen Kult. Von den insgesamt 28 Episoden der Reihe fielen jedoch 6 Folgen der deutschen Zensur zum Opfer, so daß diese Titel gar nicht erst synchronisiert wurden. Das ZDF sendete damals 14tägig nur 22 Folgen der Serie, jeweils dienstags um 21:00 Uhr, im Zeitraum vom 29. Dezember 1970 bis zum 19.Oktober 1971. In beiden DVD-Boxen liegen glücklicherweise auch die bislang fehlenden Episoden komplett vor, wegen des genannten Umstandes allerdings ausschließlich im O-Ton mit optionalen UT.
In der vorliegenden Edition sind 2 von 14 Folgen davon betroffen, wobei auch die Originalfassungen einen herrlichen Charme aufweisen, insbesondere durch den trockenen britischen Humor von Hauptdarsteller Peter Wyngarde. Aus nostalgischen Gründen bevorzuge ich natürlich ganz klar Rainer Brandts Schnoddersynchro, die sich schon knapp ein Jahr vor dem genialen Duo Curtis+Moore ("Die2") in absoluter Hochform befand. Es ist also alles andere wie "Perlen vor die Ferkel oder auch das Muttertier zu werfen", wenn man sich das Feuerwerk der Brandtschen Kult-Dialoge nochmals durch die Ohrmuscheln schießt...
Einmal mehr war es die deutsche Bearbeitung, welche einen maßgeblichen Anteil am Erfolg beim heimischen TV-Publikum beitrug. Selbst wenn im Laufe der Jahrzehnte die Erinnerung an "Department S" so manche Lücke hinterließ, die markanten Stimmen der Protagonisten klingen bei vielen noch heute im Ohr. Insbesondere die von Synchronschauspieler Jürgen Thormann glänzte mit einer charismatischen Brillianz und legte Peter Wyngarde den blasierten Paradiesvogel Jason King einmalig überzeugend auf die Lippen. Karlheinz Brunnemann persönlich übernahm den Part von Joel Fabiani und setzte mit seiner trockenen Sprechweise ebenfalls Akzente. Und Ursula Herwig zählte bereits seinerzeit zu den meist beschäftigten Synchronschauspielerinnen und lieh Rosemary Nichols ihr unverwechselbares Organ. Zusammen bildeten sie ein unschlagbares Trio und warfen sich die akustischen Bälle in Vollendung gegenseitig zu...
In große Unkosten gestürzt hat sich die Koch Media für die DVD-Neuauflage vom Februar 2009 jedenfalls nicht, das komplette Material der Serie erscheint weiterhin stark altersentsprechend und ohne nennenswerte Aufbereitung. Verwendet wurden unverändert die deutschen Bildmaster, lediglich für die beiden Folgen ohne Synchro griff man auf die optisch etwas besser erhaltenen englischen Vorlagen zurück. Die deutschen Sendebänder kommen mit einem sehr weichen, leicht schwammigen Bild daher, leiden zum Teil auch unter deutlich sichtbaren Verzerrungen. Die Schärfewerte fallen recht grenzwertig aus, Kontrast und Farbsättigung ebenso. Der Monoton klingt auf beiden Audiospuren zwar verständlich, neigt insbesondere bei der heimischen Fassung aber zu deutlicher Übersteuerung.
Fazit: Auch nach beinahe 40 langen Jahren weiß das "Department S" als Serie noch immer zu gefallen. Sowohl die skurrilen Fälle wie auch die einmalige Schnoddersynchro garantieren eine wunderbare Zeitreise in die flippig- chaotische Ära am Dekadenwechsel von den 60er zu den 70er Jahren. Die 4 DVDs der 1.Staffel bieten diese Nostalgie in absoluter Reinkultur, nicht zuletzt wegen der deutschen Sendebänder erscheint alles wieder so wie damals auf der alten Mattscheibe. Die gebotene Bildqualität schrammt jedoch knapp an einem mangelhaft vorbei, da hätte man auch als nicht verwöhnter Nostalgiker deutlich mehr erwartet. Für diesen recht lieblosen Klatsch auf die digitalen Datenträger muß es natürlich Punktabzug geben, da man leider keine Abstufung mit halben Sternen vornehmen kann, runde ich höchst großzügig auf 4 Sterne auf.