So etwas habe ich noch nie erlebt. Nachdem der Vorrezensent den fehlenden Tonarmlift bemängelt hat, habe ich mir auf der Denon-Homepage die Bedienungsanleitung runtergeladen. Dort ist der Tonarmlift beschrieben, den es aber am Gerät tatsächlich nicht gibt. Sehr obskur. Ansonsten ist die Bedienungsanleitung gut beschrieben, so gut, dass sie Merkmale erwähnt, die da sein sollten, es aber nicht sind.
Ansonsten bin ich begeistert. Ich habe lange nach einer Möglichkeit gesucht, meine alten Schallplatten zu digitalisieren. Bei allen anderen USB-Plattenspielern am Markt muss man das Gerät mit dem Computer verbinden und dort über ein Programm aufnehmen. Da ich aber die Platten aber nicht nur einmal digitalisieren möchte sondern der Spieler auch an der Stereoanlage bleiben soll, ist das eine umständlich Lösung. Mit dem Denon gehts viel einfacher: USB-Stick reinstecken und auf record drücken, schon hat man einen mp3-Track auf dem Stick. Erstaunlich, dass ein Plattenspieler so schnell rechnen kann. Es kommt ein nostalgisches Kassettenaufnahme-Feeling auf. Narrensicher und komfortabel.
Das beigefügte Programm zum teilen und taggen des mp3-Tracks ist ebenfalls leicht anzuwenden. Über Gracenote kann man das taggen sogar dem Computer überlassen. Die Trefferquote über Gracenote konnte ich aber noch nicht richtig testen, da die Datenbank zwar wirklich viel kennt, aber nur das, was mal auf CD erschienen ist. Bislang habe ich aber hauptsächlich meine Singles digitalisiert. Die teilweise 20 Jahren alten, auf 1.000 Stück limitierten Independent-Schätzchen, kennt heute wirklich kaum noch jemand, und zwei mp3s kann ich auch mit der Hand taggen.
Aber auch jenseits der mp3-Funktion ein angenehmer Plattenspieler, der mich wieder zum Vinyl greifen lässt.
Abgesehen von dem fehlenden Tonarmlift ist die Bedienung gut. Der Plattenspieler ist ein Vollautomat. Mann kann Plattengröße und Geschwindigkeit getrennt einstellen, so dass Maxisingles und 7", die auf 33 Upm laufen (gibt es sowas?) keine Problem sind. Der Tonarmlift fehlt zwar, aber immerhin gibt es am Tonabnehmer einen kleinen Griff, um ihn zu versetzen. Mit etwas Gefühl klappt das, ohne die Platte zu ruinieren. Die einzige Plattengröße, die sich nicht automatisch bedienen lässt, ist 10", davon habe ich aber höchsten 20 Stück.
Die Verarbeitung ist dem Preis angemessen. Klar, kein High-End-Gerät, aber auch keine Schande für die Stereoanlage. Optisch eigentlich ganz schick. Einziger Makel ist das fest angebrachte Cinch-Kabel, das man nicht durch ein eigenes ersetzen kann.
Sehr fein dagegen, dass man einstellen kann, ob man den Plattenspieler an einem Phono- oder einem Aux-Eingang anschließt, diese Möglichkeit bieten viele andere Geräte nicht.
Klanglich ist auch alles in Ordnung.
Mein alter Plattenspieler mit dem abgenutzen Tonabnehmer wird entsorgt und ich kann jetzt endlich wieder Platten hören und meine Lieblingssingles auf den mp3-Player packen. Ich bin glücklich. Tolle Anschaffung und meiner Meinung die einzige ansprechende Lösung zum digitalisieren. Da hat Denon gut nachgedacht und das ganze solide umgesetzt. Um so erstaunlicher, dass man dabei den Tonarmlift vergessen hat...
Trotzdem 5 Punkte, weil der DP-200 genau das ist, nach dem ich mich jahrelang gesehnt habe.
Achtung: Mit einem U3-Stick, auf dem ein virtuelles CD-Laufwerk ist, scheint der Plattenspieler Probleme zu haben. Mit einem herkömmlichen Stick klappt es besser.