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Denn wir sind anders: Die Geschichte des Felix S. Taschenbuch – 10. Juni 2011


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Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (10. Juni 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548374034
  • ISBN-13: 978-3548374031
  • Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 2,2 x 18,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 272.897 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Für die Staatsanwaltschaft war er ein genauso brutales, aggressives und unkontrolliertes Subjekt, vor dem die Gesellschaft geschützt werden musste, wie seine Mitangeklagten: Felix S., aktenkundiger Hooligan und hauptberuflicher Türsteher, wurde im August 2000 in einem Aufsehen erregenden Prozess wegen Rauschgifthandels zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richterspruch war unangemessen streng: Allen Prozessbeobachtern wurde schnell klar, dass hier nicht nur die angeklagte Straftat verhandelt wurde, sondern eine ganze Szene in ihren Grundfesten erschüttert und sogar ausgemerzt werden sollte: Das Ostberliner "Hooligan-Kartell", eine Gruppierung von kampfsporterprobten Schlägern, die nicht nur durch ihre Hooligan-Auftritte bei Fußballspielen aufgefallen waren (unter anderen waren sie auch 1998 in Frankreich dabei gewesen, als der Polizist David Nivel zum Krüppel geprügelt wurde), sondern die auch die Türen zahlloser Diskotheken im Berliner Umland "bewachten" und so den dortigen Drogenhandel kontrollierten.

Felix S. -- begeisterter, fast schon manischer Kickboxer, fasziniert von körperlicher Gewalt, beteiligt an zahllosen verabredeten Schlägereien mit rivalisierenden Hooligangangs und jahrelang als Türsteher beschäftigt -- gehörte zweifellos dieser Szene an. Und dennoch war er anders: ein sensibler, intelligenter junger Mann, der am liebsten Bach hörte, Gedichte von Erich Fried las und in Dogma-Filme ging. Er führte ein richtiggehendes Doppelleben -- auf der einen Seite überzeugter Hooligan, der stolz in seinem Tagebuch notierte, wie vielen Diskobesuchern er heute wieder die Rippen gebrochen oder die Zähne eingeschlagen hatte; auf der anderen Seite war er der Quasiintellektuelle, der Psychologie studieren wollte und mit seinen Großeltern über Apartheid diskutierte.

Der Journalistin Jana Simon, die in diesem ihrem ersten Buch die traurige Geschichte von Felix' Leben erzählt, das einen so unschönen Verlauf nahm und nach nur 30 Jahren jäh endete, gelingt es gut, diese gespaltene Persönlichkeit darzustellen und die Untiefen seines Wesens glaubhaft auszuloten. Sie weiß, wovon sie spricht: Jana Simon war Felix' erste große Liebe, sie kannte ihn seit seinem 16. Lebensjahr und traf ihn -- trotz evidenten Auseinanderlebens -- über die Jahre hinweg immer wieder. So kam und blieb sie ihm immer nah und konnte mitverfolgen, wie es so weit kommen konnte mit ihrem Freund, der es als Farbiger schon zu DDR-Zeiten schwer hatte und der sich nach dem Mauerfall seiner Identität beraubt und um seine Vergangenheit betrogen sah. Ihr Bericht ist das nachdenkliche, sensible und äußerst packende Porträt eines Getriebenen, das auch davon handelt, was Entwurzelung und das Gefühl des Andersseins mit einem anstellen können. --Christoph Nettersheim -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Denn wir sind ander (Der Spiegel )

Spannend bis zur letzten Seite. (Frankfurter Rundschau )

Jana Simon, die faszinierend gut schreibt, recherchiert und denkt, nimmt den Leser mit in ihre Wendezeit-Jugend und in die Gegenwart der Ostberliner Türsteher-, Hooligan- und Drogendealer-Szene. Es ist die wahre Geschichte von Felix, der Jana Simons erster Freund gewesen ist. (Süddeutsche Zeitung ) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

4.1 von 5 Sternen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen

30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von bigfoot49 am 6. Juli 2006
Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
...wird er als Hooligan und im Rahmen deswegen wohl auch verurteilt. Jedoch wird in dem Buch eher sein Leben als Mitglied der Türsteherszene und immer wieder das Leben seiner Großeltern beschrieben. Auf seine Hooliganaktivitäten wird nur kurzweilig eingegangen.

Trotzdem sehr fesselnde und irgendwie auch mitreißende Geschichte über einen Menschen, der zuhören konnte, selber aber wenig erzählte. Der eine Heimat (Berlin hatte), jedoch irgendwie heimatlos war.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Ein Kunde am 19. August 2004
Format: Taschenbuch
Dieses Buch ist innerhalb von zwei Tagen gelesen. Man legt es nicht mehr aus der Hand, weil man immer wissen will, wie es weiter bzw. aus geht.
Jana Simon, die Jugendliebe des Protagonisten, erzählt im Grunde zwei (wahre) Geschichten:
Zum einen die Geschichte der Generation der Anfang der Siebziger im Osten Geborenen. Die nicht lang genug in der DDR lebten, um ein Teil von ihr zu werden, aber zur Wendezeit schon zu alt waren, um das neue System BRD kompromißlos zu akzeptieren und somit auch nie Teil der BRD wurden.
Zum anderen erzählt sie die Geschichte ihres Freundes Felix. Eine Geschichte von inneren Konflikten und Widersprüchen, vom Streben nach Anerkennung und Zuneigung und von Kampf und Gewalt gegen andere aber auch gegen sich selbst.
Dabei gelingt es der Autorin Einblick in eine Szene zu geben, die der Öffentlichkeit sonst fest verschlossen bleibt. Die Türsteher- und Hooliganszene mit ihren eigenen Gesetzen, Pflichten und Ritualen. Sie tut das völlig zwanglos ohne moralische Verurteilung, ohne Verherrlichung. Auch aus diesem Grund ist dieses Buch eine lobenswerte Ausnahme: Es akzeptiert andere Menschen, wie sie sind und will den Leser NICHT in eine bestimmte Richtung drängen.
Der Titel „Denn wir sind anders" ist zum kleinsten Teil rechtfertigend. Er ist sicher auch provozierend, aber auch erklärend und entschuldigend.
Fünf Sterne für ein wirklich gutes Buch!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Das_kauf-ich_Euch_ab! am 13. Oktober 2009
Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Zum Inhalt haben sich die Vorrezensenten ja schon ausführlich geäußert, dass das Buch gut lesbar ist(einzige Einschränkung der Teil der die Großeltern betrifft, das habe ich irgendwann einfach überblättert) auch.
Das Thema meiner Rezension soll Kritik sein.
Die Autorin zeigt sich zu bemüht, Sprachmacht auftzubauen("wo Stille ein Geräusch ist" - geht es auch etwas kleiner?).
An mehreren Stellen wird der Lesegenuss durch das Schubladendenken und die Inkonsequenz der Autorin doch arg geschmälert.
So ist doch allgemein bekannt, dass von den BFC-Hooligans ein ziemlicher Teil aus der Skinheadsszene stammt, diese dann jedoch als "Skins" zu bezeichnen ist doch arg daneben, da seit der Wende fast keine Skinheads mehr zum BFC gegangen sind(auch wenn sie weiterhin die Musik hörten, der Subkultur gehörten sie nicht mehr an, im Gegenteil Skinheads waren regelrecht verpönt).
Der Widerspruch zwischen der Abstammung von Felix und dem Nazi- Vorwurf verfolgt sie nicht, obwohl es sich geradezu aufdrängt. So wie ich es gelesen habe, hat der Junge einfach die Fähigkeit besessen, historische Vorkommnisse differenziert zu betrachten(eventuell hat er auch bestimmte Verlage bevozugt, weil die nicht die immer gleichen moralinsauren Vorwörter und Wertungen enthalten).
Der Gipfel an Peinlichkeit ist bei der Frage der Autorin erreicht, was Rommel in Afrika zu suchen hatte. Genauso könnte man fragen, was die US Army in Europa zu suchen hatte, die Briten auf dem Festland oder die Polizei in Kreuzberg.
Hier zeigt sich doch die Simplizität der Gedankenwelt Jana Simons, die ich nun meinerseits in die Schublade "Gutmensch" stecke.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von John Dury am 10. Januar 2013
Format: Gebundene Ausgabe
Die Autorin ist Journalistin, man merkt es. Sie schreibt gefällig wie deutsche Journalisten halt so schreiben. Salopp, unterhaltsam, aber stereotyp und sprachlich einfallslos. Das liest sich zunächst flüssig runter, wird aber schnell eintönig.
Das Buch lebt von seiner Einseitigkeit und der Perspektive des braven Mädchens, das den Gangster verehrt, weil es glaubt, ihn gezähmt, seine sensible Seite geweckt oder wenigstens entdeckt zu haben. Das ist wenig originell, Zuhälter leben von diesem häufigen weiblichen Irrtum. Manche Zuhälterbräute sind genauso intelligent wie Jana Simon und meinen, den Kuschelbär hinter dem Tiger gefunden zu haben... Als Sicht einer Liebenden auf die Wirklichkeit ist das möglich - erhellend ist es allenfalls psychopathologisch und gesellschaftskritisch. Denn Jana Simons verharmlosende Sicht auf das Verbrecher und ihre Taten ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Natürlich gibt es unter brutalen Schlägern auch mal einen sensiblen, sanften Blümchenpflücker. Mag sein, in einer anderen Umgebung hätte er diese Anlagen besser nutzen können - aber es ist bedenklich, wenn diese Sichtweise als Rechtfertigung herangezogen wird. Wie so viele Frauen mit emotionaler Bindung an Verbrecher verweigert auch Simon eine echte Auseinandersetzung mit den Taten des Felix S. Sie werden weitgehend verschwiegen, die Opfer spielen keine Rolle. Sensible, gedichteschreibende Verbrecher gibt es zuhauf (man spreche mal mit Frauen, die Strafgefangenen Brieffreundschaften führen!) Schon Wolfgang Borchert beschrieb den blumengießenden, rührend um seine Familie sorgenden Mann, der draußen zum skrupellosen Mörder wird.
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