'...so hieß der Ort, an dem ich war - diese Zeile aus einem Onkelz-Song passt wie keine andere auf den hier rezensierten Roman. "Denn wir sind anders" ist die Geschichte des Felix S., erzählt von seiner Jugendliebe Jana Simon. Aber auch eine Geschichte über die Generation der "Wendekinder". Deren Vergangenheit im "real existierenden Sozialismus" mit einem Schlag ausradiert wurde. Die weder im Westen noch Osten sich richtig heimisch fühlen. Eine Geschichte über die Suche nach Identität und Anerkennung, aber auch über unzureichende Klischees. Über Gewalt und die Sehnsucht nach einem Zuhause.
Denn Felix S. ist eine zwiegespaltene Gestalt. Kickboxer, aktiver BFC-Hooligan, brutaler Türsteher, tief im Milieu verwurzelt, aber auch kulturinteressiert und eine sensible Seele. Einer, der für anderejederzeit ein offenes Ohr hat, jedoch selbst nicht über seine Gefühle sprechen kann. Jemand, der einen Hass auf die "Kanacken", die im Westen Berlins die "Türen kontrollierten", hatte, aber durch seine südafrikanischen Wurzeln selbst nicht aussah, wie der typische Deutsche. Ein Mensch, der sich außer in Ostberlin nirgendwo so richtig zuhause fühlte. Jana Simon beschreibt die Lebensgeschichte des Felix S., die so voller scheinbarer Widersprüche steckte, mit einer beeindruckenden Auffassungsgabe und geschliffenen Formulierungen. Im Laufe des Romans taucht der Leser immer mehr in Felix' Welt ein, immer aus der Sicht seiner Freundin Jana, die ihn seit dem 16.Lebensjahr kannte und nun sein Wirken nachrecherchiert. Ein Freundschaftsdienst lässt den jungen Ostberliner dann endgültig aus der Bahn geraten. 4 1/2 Jahre wegen Rauschgifthandels. Der Knast sollte das letzte bleiben, was er sehen sollte. Mit erst 30 Jahren nahm Felix' Leben ein trauriges Ende.
Dank der emotionale Nähe, die bei der Autorin zu ihrer Geschichte existiert, entsteht auch beim Leser eine gewisse Vertrautheit, eine imaginäre Verbindung zu der Person Felix S. Der gefühlvolle, aber dennoch kritisch-distanzierte Erzählstil des Romans, der auch einiges über die Vergangenheit von Felix' Familie zu berichten weiß, macht "Denn wir sind anders" zu etwas Besonderem. Wer allerdings Einblicke in die Hooliganszene, wie von manchen erwartet, verspricht, der ist bei diesem Roman Fehl am Platz. Der Bereich wird nur kurz angeschnitten, was die Bewertung zu diesem Buch allerdings nicht schmälert. Es ist jeden Cent wert! Interessant, aufrüttelnd, zum Nachdenken! Prädikat: Sehr wertvoll!