Mit "Denn nichts ist je vergessen" (Goldmann 46781 - "Milano, solo andante", 2006) hat Adele Marini einen in Italien mehrfach preisgekrönten Kriminalroman geschrieben. Er spielt zwar in der Gegenwart (2000), geht jedoch weit in die Vergangenheit (1974) zurück. 1974: In Catania kommen Adolfo Cinisi, seine Frau und ihre Schwiegereltern durch ein Gewaltverbrechen ums Leben. Sein 10-jähriger Stiefsohn, Gustav Krause, ein Kind aus der ersten Ehe seiner Frau, überlebt schwerst verletzt. Seine 4-jährige Tochter Mariana überlebt als einzige unverletzt. Sie wurde als Marcella Grazioso von einem Mailänder Ehepaar adoptiert, das sie jedoch - anders als man meinen würde - nicht liebevoll, sondern kaltherzig behandelt und in aller Strenge erzieht. Von Kontakten mit der Außenwelt versucht man sie abzuhalten, sie wird zur Einzelgängerin und nach ihrem Studienabschluss Lehrerin. 2000: Bald nach dem Tod ihrer Adoptiveltern will sie ihre Eltern ausfindig machen, ihre Abstammung kennenlernen und die Gründe für ihre Adoption herausfinden. Eine Freundin rät ihr mit der Suche in einer Fernsehsendung zu beginnen. Danach ergibt sich bald die Identität von Mariana Cinisi und Marcella Grazioso. Und damit beginnt die eigentliche Geschichte, die mit Unterstützung von Inspektor Lucio Mauris von der Mailänder Kriminalpolizei sukzessive Licht ins Dunkel ihrer Herkunft, des Massakers an ihrer Familie und ihrer Adoption bringt. Letzten Endes geht es, wenn Sizilien mit im Spiel ist, meist um eine Mafiastory. Doch das ist "Denn nichts ist je vergessen" nur am Rande; es handelt sich primär um einen Entwicklungsroman - eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst. Wird sie wieder Mariana Cinisi, bleibt sie Marcella Grazioso? Oder wird es ein ganz anderer Weg, den sie gehen muß? Die Aufklärung gibt es erst auf den letzten Seiten. Alles in allem ein Buch, das trotz mancherlei überflüssigem Inhalt bis zum Schluß spannend bleibt.