Die sehr guten Bewertungen, aufgrund derer ich mir das Buch gekauft habe, täuschen leider. Ich habe schon einige gerichtsmedizinische Bücher gelesen, um nicht zu sagen, so ziemlich alles, was der Markt momentan hergibt. Nie war ein dermaßen langweiliges dabei. Angefüllt mit Nichtigkeiten zieht es sich in endlose Längen, kommt nicht in Fahrt ("Das Wasser im Kessel dampfte schon, bald würde sie den Kaffee aufgießen können. Sie nahm die Milch aus dem Kühlschrank" und dergleichen mehr). Außerdem hatte ich den Eindruck, dass der Autor nicht wirklich was von Gerichtsmedizin versteht - vor seiner Karriere als Autor war er Polizist, was diesen Umstand erklären würde.
Dazu kommt, dass Dr. Samantha Ryan ein mir eher unsympathischer Mensch ist, schon allein des Bildes auf dem Cover wegen (bei der anderen Ausgabe natürlich). Außerdem ist sie patzig zu Angestellten oder Mitarbeitern und sich ihres Könnens stets bewusst - was nicht weiter schlimm wäre, doch der Autor betont dies bei jeder Gelegenheit. Unsympathisch wirkt auch so etwas: sie stellt bei der Obduktion etwas fest, bildet sich eine Meinung. Ein Kollege äußert eine Alternative zu dieser Meinung - sie faucht ihn fast schon an, lässt nicht mal den Hauch einer Alternative gelten, nur ihre eigene Meinung, weil sie ja ach, so professionell ist!
Auch, dass sie von allen möglichen Männern begehrt wird, ob ihrer Intelligenz, ihres durchschnittlichen Aussehens, ihrer wunderbaren braunen Augen, ihres Könnens, ihrer professionellen Art wegen. Und dazwischen bleibt immer noch die eine oder andere Lücke, in der sie ihre Autoschlüssel gänzlich unauffindbar verlegt oder ihren Dienstausweiß in der Versenkung ihres völlig vermüllten Handschuhfachs sucht. Soviel zu Professionalität. Leider wirkt Dr. Ryan dadurch nicht menschlicher.
Die Art des Aufbaus erinnerte mich an den ein oder anderen Roman von Minette Walters, die ebenfalls ihre Figuren in voneinander getrennten Handslungssträngen agieren lässt, die sich dann an irgendeiner Stelle treffen. Soweit so gut, diese Schreibweise hat oft zur Folge, dass eine Vielzahl von Personen im Buch auftaucht, was schnell unübersichtlich werden kann. So auch hier.
Alles in allem der wohl langweiligste und schlechteste gerichtsmedizinische Roman, den ich je gelesen habe, von Spannung keine Spur.