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Der Mord, den Michael Ochajon, Kommissar bei der Jerusalemer Kriminalpolizei, aufzuklären hat, ist allen zunächst ein Rätsel: Eine junge Frau ist brutal ums Leben gebracht worden, eine selbstbewusste, lebenslustige, bildhübsche Frau, die in der Nachbarschaft nur "Zohra, die Glänzende" hieß, so umwerfend war ihre Ausstrahlung. Als die Beamten herausfinden, dass Zohra schwanger gewesen war, glauben sie, auf der richtigen Fährte zu sein. Doch bald tun sich andere Spuren auf: Von einem seit Jahrzehnten schwelenden Nachbarschaftsstreit ist immer wieder die Rede. Und warum hat Zohra in der Zeit vor ihrem Tod so intensiv der Vergangenheit ihrer aus dem Jemen eingewanderten Familie nachgeforscht?
In ihrer bewährten Manier benutzt Gur vordergründig eine Krimihandlung, um die gesellschaftlichen Zustände des gegenwärtigen Israel plastisch darzustellen. So ist das eigentliche Thema dieses Romans der Melting Pot Jerusalem, in dem es nicht nur zwischen Juden und Arabern immer wieder zu heftigen Konflikten kommt (das sowieso!), sondern in dem sich auch die Juden selbst je nach ihrer geografischen Herkunft wie verfeindete ethnische Gruppen verhalten: die Nordafrika-Juden (wie Ochajon einer ist) gegen die Jemeniten; die "Holocaust-Juden" aus Europa gegen die alteingesessenen Jerusalemer.
Wie immer bei Gur, bekommt man in diesem Buch ungeheuer viel vom Inneren des heutigen Israel mit. Wie schon öfters, bleibt dabei aber die Krimihandlung phasenweise auf der Strecke: Ganze Kapitel, in denen beispielsweise die Zusammensetzung eines Jerusalemer Stadtviertels beschrieben oder der Leidensweg der Jemeniten diskutiert wird, tragen nichts zum Fortgang des vordergründigen Plots bei. Das beiläufige Nebenbei, mit dem uns etwa Henning Mankell in seinen Wallander-Krimis die schwedische Realität nahe bringt, gelingt Gur nicht wirklich; man merkt an manchen Stellen zu deutlich, dass die Krimihandlung nicht der Kern, sondern nur die Hülle des Romans ist. Daher ist dieses Buch in der Hauptsache den Lesern ans Herz zu legen, die auf unterhaltsame und durchaus spannende Weise etwas über Israel erfahren möchten. --Christoph Nettersheim -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Wen zum Teil sehr detaillierte Schilderungen von innerjüdischen und innerisraelischen Skandalen nicht abschrecken, wen der Zustand der israelischen Gesellschaft mitten in der zweiten Intifada interessiert, wer zudem wissen will, wie die Geschichte von Michael Ochajon und seinem Team weitergeht, dem sei dieser Roman sehr empfohlen. Hauptsächlich für ein innerisraelisches und jüdisches Publikum geschrieben, leidet das Buch allerdings daran, dass die Dialoge oft zu ausufernd gestaltet sind und dass die neue Übersetzerin nicht immer ein glückliches Händchen hatte.
Ein Kriminalroman der Extraklasse, dem es gelingt, dem Leser ein Gefühl und Verständnis für die soziale und sozialpsychologische Situation seines Herkunftslandes zu vermitteln. Eine Qualität, die manch anderem Krimi zu wünschen wäre.
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