Batya Gurs Buch über den Mord an einem psychoanalytischen Institut war fuer mich eine Offenbarung, nachdem ich die eindimemsionalen PC-Krimis um Commisario Brunetti von Donna Leon ziemlich ueber hatte.
Gur bedient sich wie in ihren spaeteren Buechern des Genres Krimi um den/die Leserin auf spanndende Art in ein Thema einzufuehren, in diesem Fall die Psychoanalyse, spaeter die Beurteilung von Lyrik, die Musik oder das kommunitaere Leben im Kibbuz. Komissar Ochajon versucht in diesem Buch die Struktur des psychoanalytischen Insituts und letztlich der Psychoanalyse zu verstehen, um die moeglichen Motive des Moerders/der Moerderin zu erkennen, nachdem gewoehnliche materielle Habgier oder romantische Eifersucht offenbar schnell ausscheiden. Batya Gur spielt geschickt mit Tempoverschleppungen und -beschleunigungen und mit Ungleichzeitigkeiten im Erkenntnisstand des Lesers und Ochajon, die gelegentlich grosse Spannung erzeugen. Sie legt falsche Spuren und gelegentlich laesst das Tempo nach, weil man sich gemuetlich vom Patriarchen des Instituts mit Ochajon im Buch ausfuehrlich ueber die Psychoanalyse berichten laesst. Trotzdem und gerade deshalb ist ein unglaublich spannendes und fesselndes Buch, das einen nicht mehr loslaesst.
Wer vorhat, Batya Gur zu lesen, dem/der ist zu empfehlen, dass er mit diesem (da m.W. ersten)Buch anfaengt und dann chronologisch weiterliest, wie sich Ochajons Leben, sein Rabenvaterverhaeltnis zu seinem einzigen Sohn aus geschiedener Ehe weiterentwickelt. Gur setzt mit der gelegentlichen Beschreibung von Ochajons einsamen Leben, der keine Zeit fuer seinen einzigen Sohn aus ungluecklicher geschiedener Ehe hat, meines Erachtens einen gelungenen Kontrapunkt zum ewig netten, wohlgelungenen Familienleben der Brunettis bei Donna Leon. Da Gur in den spaeteren Ochajon-Krimis Rueckbezuege auf fruehere Begebenheiten zitiert, ist der Lesegenuss bei den folgenden Krimis noch groesser, wenn man die vorherigen kennt.
Zumindest die Krimis von Gur sind meiner Erfahrung nach hoechst empfehlenswert auch fuer Leute, die sonst mit Krimis nichts am Hut haben. Sie sind vielschaechtig, mehrdimensional mit spannenden Charkteren und viel mehr als ein blosser who's done it-Krimi. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)