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Denken wir uns [Gebundene Ausgabe]

Robert Gernhardt
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (14. März 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100255100
  • ISBN-13: 978-3100255105
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 538.024 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Robert Gernhardt
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der große Dichter und Denkspieler Robert Gernhardt lädt den Leser noch einmal in die von ihm ver- und bedichtete Welt ein: in den verschatteten Lesesaal einer toskanischen Abtei nahe Montaio, ans Weltgericht, vor dem Norbert Gamsbart Rede und Antwort stehen muss, in Jan Vermeers Atelier nach Delft und immer wieder in die Mainmetropole, in die Runde dreier Freunde, die sich mit "Geschichtsrosinen aus dem Lebenskuchen" zu überbieten versuchen. Vor allem aber ist dieser Band eine letzte Hommage des Dichters an seine Leser: "Denken wir uns euch, das Salz der Erde nicht nur, sondern den Dünger jedweder Kunst. An wen wollten wir uns denn wenden, wenn es euch nicht gäbe?"

Über den Autor

Robert Gernhardt wurde 1937 in Reval/Estland geboren, studierte Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin. Durch rege publizistische Tätigkeit in vielen Formen und Genres wurde er zum bedeutendsten Vertreter der "Neuen Frankfurter Schule". Seit 1996 erscheint sein Werk im Fischer Taschenbuch Verlag und seit 2002 auch im S. Fischer Verlag. Seit 1964 lebte er als freiberuflicher Schriftsteller, Karikaturist, Maler und Zeichner in Frankfurt am Main. Dort ist er am 30. Juni 2006 gestorben.

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Kundenrezensionen

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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Reinhard Busse TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Kurz vor seinem Tod am 30. Juni 2006 hatte Robert Gernhardt sein letztes Buch fertiggestellt, das hiermit postum erscheint.

Nachfolgend die kürzeste Erzählung des Buches:

"Hilfeschrei und Aufschrei" -

*Denken wir uns eine alte, aber herzensgute Frau, die vor dem Fernseher sitzt und das Programm des Bayerischen Rundfunks eingeschaltet hat. Zur Zeit läuft die Sendung "Tiere suchen ein Zuhause", soeben wird der Hilferuf des Tierheims Regen übermittelt, ein Zuschauer möge die Partnerschaft für den zwölfjährigen, nicht mehr vermittelbaren Neufundländer Emir übernehmen, damit der weiterhin beköstigt werden könne. Er liebe es, auf der Couch zu ruhen und sollte trotz seiner altersbedingten Bequemlichkeit die Chance erhalten, seinen Lebensabend im Heim zu verbringen, da es doch nicht angehe, ihn einfach einzuschläfern: Wer hat ein Herz für Emir?

Zwei Tage später ging der folgende Brief beim Sender ein:

Sehr geehrtes Fernsehen!

Ich bin eine betagte, aber trotz verschiedener kleiner Behinderungen an Auge und Gehör begeisterte Zuschauerin Ihrer Sendungen. Glauben Sie mir, ich habe schon viel in meinem Leben erlebt und auch im Fernsehen miterlebt, aber noch niemals hat mich eine Sendung derart erschüttert, wie die letzte Folge von "Viele suchen ein Zuhause".

Ist es denn soweit mit uns gekommen, daß der zwölfjährige Bub Emil aus den neuen Bundesländern eingeschläfert werden muß, wenn er hier keine Patentante findet? Ich habe das Kind nicht richtig erkennen können, da ich meine Brille vor der Sendung verlegt hatte, aber man kann doch nicht jemanden umbringen, nur weil er nicht so lebhaft ist und auf der Couch liegt! Was der Bub braucht, sind Anregungen und Spielkameraden, dann wird er schon die Bewegung im Freien dem Liegen auf der Couch vorziehen. Und wieso muß er im Regen leben? Ist sein Kinderheim denn derart heruntergekommen?

Ich habe mein Leben lang gearbeitet und dabei nie viel zurücklegen können. Aber was ich erübrigen kann, lege ich diesem Brief bei. Hoffentlich reicht der Beitrag dazu aus, daß der Emil nicht nur nicht eingeschläfert werden muß, sondern auch auf eine Schule geschickt werden kann. Wann soll der Bub denn etwas lernen, wenn nicht jetzt?

Als vor Jahren die Mauer fiel, da haben sich die Menschen von Ost und West umarmt. Daß jetzt Kinder aus dem Osten hier im Westen umgebracht werden, wenn sie keinen Paten haben, das hat es nicht einmal nter Hitler gegeben!

Hochachtungsvoll

Ihre Therese Biermoser*

~~~~~:-)~~~~~

Das Buch beinhaltet 25 weitere wunderbar leichte Erzählungen, die Robert Gernhardts unerschöpfliches komisches Talent ein letztes Mal demonstrieren. Entstanden sind Geschichten voller Humor, die hell und schnell im Hier und Anderswo mit Autobiographischem und Fiktivem spielen.

Auch ist das vorliegende Buch eine letzte Hommage des Dichters an seine Leser: "An wen wollten wir uns denn wenden, wenn es euch nicht gäbe?"

"Robert Gernhardt hat die Welt heller, lichter gemacht." (Die Zeit)

Ein wunderbares Buch -- meint -- Reinhard Busse
War diese Rezension für Sie hilfreich?
4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
Gernhardts letztes abgeschlossenes Werk: Ist da nicht pietätvolles Lorbeer-Winden angesagt? -- Abgesehen davon, dass sich derlei beim Rezensieren nicht schickt, dürfte es auch nicht im Gernhardt'schen Sinne sein, und außerdem ist Pietät sowieso nicht nötig. "Denken wir uns" ist nämlich in weiten Teilen viel hinterfotziger, als es auf den ersten Blick scheint; es kommt harmlos lächelnd daher und spielt unbeeindruckt mit den Großmeistern der Weltliteratur, variiert ihre Sujets, bittet sie vom hohen Postament herunter, und wehe, sie folgen der Bitte nicht.
Dabei ist Gernhardt viel zu klug, um Zitate und thematische Vorgaben aus Literatur und Malerei wie z.B. das Decamerone (erzählend, diskursiv und auch schonmal vors Letzte Gericht geladen), van Delfts "Musikstunde", Dekonstruktivismus-Diskurs, Bulgakows "Meister und Margarita", Walthers von der Vogelweide beim Seniorenberater chancenlose Klage "Wohin sind verschwunden all meine Jahr" oder Conrad Ferdinand Meyers "Füße im Feuer" in präpotentem Klamauk zu verwursten. Nein, da liest man viel parodierende Würdigungen, bodenständige Persiflagen und Satiren auf die Gegenwart, und da eignet sich eine Ballade schonmal zur erzählenden Reflexion über zahnärztliche Nemesis. Ganz nebenbei, in einer parodierten Decamerone-Rahmenerzählung, erfährt man nicht nur, wie man die Zeugen Jehovas an der Wohnungstür das Fürchten lehrt, sondern liest zugleich auch eine Anleitung, wie man hermetisch abgeschotteten Fundamentalisten des Alltags den Boden entzieht.

In seiner Vorrede "Denken und Spielen" gibt Gernhardt das Leitmotiv vor: Diese Erzählungen umkreisen die vernachlässigten Wasserträger und Sorgenkinder der Hohen Kunst, also z.B. einen namenlosen Landarzt, eine Berliner Tippse, eine unangenehme Bonner Vermieterin, einen unbekannten Londoner Pfandleiher Elisabethanischen Zeitalters. Seltsam, wie oft unangenehme Herrschaften es dennoch zu den Herostraten weltliterarischer Bedeutung gebracht haben, oder auch zum Faschingskostüm fürs Kinderfest ("Feind hört mit"). Eine neue Lesart von Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters" gewissermaßen: Cäsar hatte bei der Eroberung Galliens tatsächlich einen Koch bei sich, aber auch Master Shakespeare ist das Genie nicht aus dem geheimnisvollen Nichts mittenmang rin in den Geist gepurzelt, sondern da könnte es, denken wir uns, z.B. mal einen unangenehmen Pfandleiher gegeben haben, der sich vorzüglich zur Vorlage für einen Dramen-Drahtzieher eignete.
Neinnein, nicht, dass Gernhardt hier verkünden würde, Shakespeare oder Boccaccio hätten in ihrem Werk historisches Zeugnis abgelegt. Die Pointe zielt woanders hin, nämlich auf die Zeitlosigkeit guter Sujets. Weltliteratur erkennt man daran, dass ihr ewige Grundmuster zugrunde liegen: daran, dass in jedem Heute kein Lüftchen sich regt, und dass überall zersplitterte Ästetrümmer quer im Pfad liegen, auch auf dem Weg zum Zahnarzt. Gernhardt als Fürsprech unverwüstlicher Themen als Grundlage unsterblicher Werke.

Aber Gernhardt wäre nicht Gernhardt (leider: gewesen), hätte er dermaßen schwergewichtige Überlegungen nicht im Gewand leichtfüßiger Erzählungen und Einakter präsentiert. Um "Denken wir uns" herzhaft kichernd genießen zu können, braucht man nämlich kein Paganini der Literaturgeschichte sein. Sinn für Gernhardts gewitzten Hinterhalt genügt vollkommen, denn das ist ja das Schöne: Gernhardt ist witzig und gescheit, aber er muss nicht mit angemaßter Allwissenheit herumfuchteln, um gute Erzählungen zu schreiben. Hat er nicht nötig.
Allerdings ist ihm in "Denken wir uns" diese Eleganz gelegentlich abhanden gekommen, und Erzählungen wie z.B. "Das Leonardo-Prinzip" der mangelnden Unbescheidenheit oder "Paul und Paula" beim Verunstalten der Sprache können sich allenfalls mit einem Ephraim Kishon beim Akkordschreiben messen, aber nie und nimmer mit einem Robert Gernhardt in Hochform: zuviel Schnurren für die Fernsehzeitung. Zwar entschädigen dafür u.a. die Szenen aus van Delfts Familienleben, Onkel Herberts ungerechtem und ungerächtem, öhöm... Jagdunfall ("Der erste Jagdtag"), das Boccaccio-würdigende Schelmenstück "Pennelino" und noch einige andere -- aber... es könnte halt noch besser sein. Dennoch gilt: Viele andere hätten dem Teufel die Seele ihrer Großmutter verkauft, um nur einmal so geschliffenen Witz zu Papier bringen zu können, wie Gernhardt es hier fast durchweg tut.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von gigunelsa VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Das letzte Vermächtnis dieses großen, leider viel zu früh verstorbenen Dichters, Poeten, Satirikers u. Zeichenkünstlers umfasst kurze, ausgedachte Geschichten, ("denken wir uns....") die, jede auf ihre Art, einen allesamt ansprechen u. auch wirklich zum Nach- und Weiterdenken anregen. Sie zergehen auf der Zunge wie gute Pralinen...
Teils in der Realität bzw. Gegenwart, teils in der näheren u. weiteren Vergangenheit angesiedelt, sind sie ein weiterer u. leider letzter Beweis vom großen Schaffen u. Können Gernhardts.
Ein Buch, das ich auch gerne an Freunde verschenken werde.
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