Den Wolken ein Stück näher - DDR TV-Archiv
Immer mehr Filme und Serien aus Tagen der existierenden DDR kommen seit einiger Zeit im Rahmen der speziell hierfür ins Leben gerufenen Reihe des "DDR TV-Archiv", zur Veröffentlichung auf DVD. Dabei sind es zum Teil wahre Kostbarkeiten die so wieder in Erinnerung gerufen werden oder für den einen und anderen erkennen lassen, dass man auch in der DDR richtig gute Filme machen konnte. Einer dieser ganz besonderen Filme kommt nun hier mit dem 1973 als Zweiteiler durch das Fernsehen der DDR produzierten Film "Den Wolken ein Stück näher", durch das Label Icestorm zur Veröffentlichung auf DVD.
Der nach dem gleichnamigen von Günter Görlich (1928-2010) bereits 1971 geschriebenen Roman gefertigte Zweiteiler, begeisterte mich schon vor vielen Jahren, als ich ihn das allererste Mal im Fernsehen erlebte, ungemein. Besonders die Glaubwürdigkeit und deutlich spürbare Authentizität, welcher dieser als Zweiteiler gefertigten Literaturverfilmung inne liegt, macht diese zu etwas ganz Besonderem. Natürlich ist der Film, wie viele aus der ehemaligen DDR, auch an das damals nun einmal vorhandene politische Umfeld angepasst, dennoch spiegelt er das Leben in und mit der DDR, wie es vor allem für die Jugend in ihr war, höchst identisch und glaubhaft wieder. Ich denke, all diejenigen, welche diese Zeit selber bewusst miterlebten, werden mir da Recht geben und beim Ansehen diesen Films das eine oder andere Mal zustimmend nicken und dabei Denken "ja, genauso war es damals". Für alle anderen bietet der Film die Chance, sofern sie dazu bereit sind und sich auf diesen Film einlassen, ein Stück dargestellten Lebensalltags der Jugend in der DDR unverfälscht und ehrlich aufgezeigt, ohne bedienender Klischees in sich, zu erleben.
In dem unter der Regie von Christian Steinke ("Das Puppenheim in Pinnow", "Pelle der Eroberer", "Egon und das achte Weltwunder") entstandenen Film, geht es um die schwierige Zeit im Leben, hin vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen.
Gerade für "Klaus" (Burkhard Völkel), der eben erst mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester nach Berlin gezogen ist und nun seine ersten Tage an der neuen Schule erlebt, ist es besonders schwer. Nicht nur die Tatsache, dass er sich noch fremd in der neuen Umgebung fühlt machen es Klaus nicht gerade einfach. Zudem kommt er mit "Heinz" (Jürgen Melis), einen seiner neuen Mitschüler, der dann auch ausgerechnet noch der Platzhirsch und Klassenprimus ist und in Klaus einen Gegner und Konkurrenten sieht, einfach nicht klar. Von Anfang an liegt zwischen den beiden eine beinahe unerträgliche und sich immer mehr steigernde Spannung.
Diese Spannung bleibt auch den bei den Schülern überaus beliebten Klassenleiter "Herrn Magnus" (Kurt Böwe 1929-2000) nicht verborgen.
Als dieser plötzlich und unerwartet, nach einer Klassenfahrt an die Küste verstirbt, ist die ganze Klasse tief getroffen und verstört. Die neue, frisch vom Studium kommende und die Klasse nun übernehmende "Frau Morgenstern" (Christine Reinhardt) hat von Anbeginn keinen leichten Stand. Sie wird offen angefeindet und nicht von der Klasse akzeptiert. Sowohl Heinz wie auch Klaus erkennen, dass etwas geschehen muss.
Es sind u.a. die wunderbar leisen und in sich oft doch auch so kraftvollen Töne in der Darstellung eines jeden einzelnen der allesamt hervorragend durch die Schauspieler verkörperten Charaktere in diesem Zweiteiler, die ihn zu etwas so besonderem machen. Neben den vielen jungen und relativ unbekannten Darstellern ist es für mich vor allem Kurt Böwe, der hier mit seiner erbrachten schauspielerischen Leistung fasziniert und überzeugt. Zu Beginn der Dreharbeiten war es noch Günther Simon ("Krupp und Krause", "Alfons Zitterbacke") der eigentlich die Rolle des Klassenleiters "Herrn Magnus" spielen sollte. Nach dessen unerwarteten frühen Tod mit nur 47 Jahren sprang Kurt Böwe sozusagen als Ersatz ein. Neben den bereits erwähnten Darstellern sieht man noch eine Vielzahl von zur damaligen Zeit sehr beliebten Mimen in dem Zweiteiler. Namen wie die von Erik S. Klein, Arno Wyzniewski oder Franz Viehmann und Gudrun Ritter, sein an dieser Stelle nur stellvertretend genannt.
Die vom veröffentlichenden Label angeführte Gesamtlaufzeit der DVD von ca. 147 Minuten, resultiert aus dem ersten Teil mit ca. 68 und dem zweiten Teil mit in etwa 79 Minuten Laufzeit. Die inzwischen achtunddreißig Jahre alte Filmproduktion kommt mit einem insgesamt recht gelungenen Schwarz-Weiß-Bild im Format 4:3 zur Ansicht. Schärfe und Kontrast sind in guten mittleren Werten gesetzt. Hin und wieder fallen einige Verschmutzungen und mechanische Beschädigungen im zu sehenden Bild auf. Ein im Gesamteindruck dem Alter der Filmproduktion entsprechendes und durchaus akzeptables Bild.
Die DVD-Menüs zeigen sich mit einigen animierten Filmszenen und der im Hintergrund zu hörenden Titelmusik der Literaturverfilmung, stimmig gestaltet. Dabei sind die übersichtlich und bedienfreundlich gehaltenen Menüs passend und ähnlich gehalten wie bei bereits anderen innerhalb der Reihe "DDR TV-Archiv" verlegter Veröffentlichungen. Die beiden Teile diesen Zweiteilers können direkt aus dem sich nach einlegen in den Player heraus öffnenden Hauptmenü einzeln zur Wiedergabe gestartet werden. Zu jedem der Teile kann eine sich in einem separaten Fenster öffnende und in Textform dargestellte Kapitelauswahl aufgerufen werden.
Neben einer als Laufband und in Textform dargestellten Auflistung von Cast und Crew bei dieser Produktion finden sich noch einige Trailer zu weiteren Veröffentlichungen innerhalb der Reihe "DDR TV-Archiv" mit auf der vorliegenden DVD.
Tonbewertung:
Der deutsche Ton, welcher hier erwartungsgemäß im Format Dolby Digital 2.0 zu Gehör kommt, ist zumeist recht gut verständlich und ohne größere Auffälligkeiten. Das bisweilen leicht verstärkt in Erscheinung tretende Grundrauschen wie auch der etwas blechern klingende Ton sind verschmerzbar und nicht großartig störend. Für die Musik zeichnete in beiden Teilen Wolfram Heiking und die Gruppe Panta-Rhei verantwortlich. Interesse halber an dieser Stelle die Information, das aus der Gruppe Panta-Rhei mit deren damaliger Sängerin Veronika Fischer und den Gründungsmitgliedern Herbert Dreilich, Henning Protzmann und Ulrich Swillms, später die noch heute sehr erfolgreiche Band Karat hervorging. Untertitel für Hörgeschädigte und Gehörlose werden leider nicht von der hier vorliegenden DVD angeboten.
Gesamteindruck:
Mit der als Zweiteiler unter der Regie von Christian Steinke nach der gleichnamigen Romanvorlage von Günter Görlich entstandenen Literaturverfilmung "Den Wolken ein Stück näher", bringt das hier veröffentlichende Label Icestorm in Zusammenarbeit mit Telepool , ein wahres Schmuckstück vergangener Zeiten, innerhalb der Reihe "DDR TV-Archiv", zur Veröffentlichung auf DVD. In der behutsamen und feinen Art der Inszenierung und Umsetzung der Romanvorlage zeigt der Film den schwierigen Weg und die Zeit hin vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Brillant aufspielende Darsteller und die bei näheren Hinsehen zu entdeckenden vielen so typischen DDR-Alltäglichkeiten lassen das Wiedersehen oder eben auch ganz neu entdecken diesen Zweiteilers zu einem wahren Erlebnis werden. Großes Kino, voller Authentizität und einem ehrlichen und unverklärten Blick zurück. Sehr empfehlenswert.