Der Hamburger Kevin Hamann, alias ClickClickDecker, veröffentlicht sein neues Album „Den Umständen Entsprechend“. Es ist auch über die Umstände hinweg ein sehr gutes geworden.
Kevin Hamann ist eine Name im deutschen Independent-Kulturbetrieb: Als Mitglied des Elektro-Duos Bratze brachte er im letzten Jahr mit Der Tante Renate Indiefans zum pogen, als Songwriter ClickClickDecker tourt er schon einige Jahre durch Kneipen und Clubs der Republik. Für sein neues CCD-Album arbeitete er mit Tobias Bade zusammen, Mitglied bei Station 17 und The Sea. Novum ist auch die „echte“ Band im Rücken von Hamann, der sonst hauptsächlich mit elektronischen Samples arbeitete.
Und tatsächlich, die neue Platte klingt in der Tat organischer, runder, ausgefeilter als die Vorgänger „Nichts für Ungut“ und „Ich habe keine Angst vor…“. Bis sie sich vollends erschließt, dauert es eine Weile. Es steckt viel drin, musikalisch wie textlich. „Ein Lächeln nur auf Halde, ein Bedürfnis, dass du kennst, lass mal sein, habs längst vergessen, auch du leuchtest, wenn du brennst“, singt er in „Weil Sie uns Siezen“.
Kevin Hamann hat die musikalische Reife, die textliche Poetik, die verrauchte, leicht verzweifelte Stimme, den dadurch eigenen, ausgefeilten Stil, um zu einem großen deutschen Liedermacher zu werden.
Das sind Geschichten aus dem Leben, wie Hamann so unbestimmt bestimmend Gefühle und Beziehungen beschreibt, über tägliche Bürden und nächtliche Freuden sinniert. Aus Floskeln macht Hamann Parolen: "Da hinten geht der richtige Zeitpunkt, dort drüben fährt die letzte Chance".
Stimmungsmäßig erinnert sein Sound ein wenig an Hamburg-Bands wie Kettcar und Tomte. Allerdings kann er diesen Ton erfrischend modulieren und wartet nicht mit Hafenstadtklischees und kumpelhaftem Pathos auf.
Die Aussicht über den musikalischen Tellerrand ist größer. Elektronische Elemente ergänzen sich wunderbar zur klassischen Bandbesetzung, ohne dass diese zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Beats und Gitarrenpickings können sehr homogen miteinander wirken.
Eine große Songwriter-Platte ist aus „Den Umständen entsprechend“ geworden. Mit vielen textlichen Feinheiten und musikalischen Details, die man bei den ersten Durchläufen leicht überhören kann. „Zu verkopft, zu ambitioniert, es fehlt der Biss, der etwas polarisiert“, reflektiert Hamann selbst sein Konzept im Song „Einbahnstraße“, einem der Höhepunkte des Albums. Schaut man sich die deutsche Poplandschaft an, lässt sich das leicht über die Lippen bringen. Doch mit der Qualität, die ClickClickDecker hier vorlegt, ist folgende Beschreibung passender: Unaufdringlich gut und vor allem stark empfehlenswert.
(...) Hat er sich nicht gewissermaßen mit diesem Album selbst neu erfunden? Sich selbst in Gefilde of no return geführt und doch nciht vergessen, vorher die Brotkrumen der Rettung zu streuen? Er hat! Und dafür lieben wir ihn - und fühlen uns nach wie vor bestätigt, ertappt, verstanden und musikalisch von Herzen bedient, wenn wir seine Lieder hören. (Ox 01/2009)
(...) Kevin hat so schöne Zeilen parat; wie wunderschöne Mühlsteine legt er sie einem um, und dann geht"s baden. Die Platte gibt dir tausendmal auf"s Maul, und doch, ihr Restlicht strahlt, heller als die unerklärliche Zuversicht des Kapitalismus. (Intro 01/2009)
(...) Einen hohen Wohlfühlfaktor hat auch seine dritte Platte (...). (Musikexpress 01/2009)