Meiner unmaßgeblichen Meinung nach hatte Hollywood seine beste Zeit nicht, wie oft behauptet, in der Ära der 50er-Monumentalfilme sondern zwischen etwa 1967 und 1978, als es reihenweise beinharte Actionfilme und Thriller produzierte, die sich durch ihre realitätsnahe Härte und ihren zynischen Sarkasmus auszeichneten. Dirty Harry und Clint Eastwood stehen hier als bekannteste Vertreter in meiner persönlichen Hall of Fame. Eastwood, wie immer kalt wie flüssiger Stickstoff, steht auch im Mittelpunkt von "Den letzten..." oder besser "Thunderbolt and Lightning". Ein schönes kleines (weil nie groß herausgekommenes und mit kleinem Budget realisiertes) Roadmovie um zwei kleinere Gangster auf der Flucht vor Komplizen aus der Vergangenheit und auf der Suche nach der Beute aus einem großen früheren Raub. Jeff Bridges als Lightfoot und George Kennedy als Red Neary geben prächtige Nebenrollen ab, dazu ein wenig freizügiger 70er-Sex und eine erfreulich realitätsnahe Kameraführung nach Art der Zeit: Autos reagieren bei einer Verfolgungsjagd wie wirkliche Serienautos (keine Knight-Rider-Stunts) und werden auch so gefilmt, Schusswaffen "schießen nur", entfachen kein überzogenes Höllen-Krawumm und treffen auch nicht immer. Heute würde man so eine Szene zigmal drehen bis sie perfekt - zu perfekt - im Kasten ist oder am PC auf perfekt getrimmt wird - damals drehte man einfach die ungeschminkte, unmanipulierte Wirklichkeit ohne Make Up und genau das macht Filme dieser Ära für mich so reizvoll, ehrlich und glaubwürdig. Das fehlt mir heute allzu oft. Alles zu gelackt, bis zur vierten Kommastelle vorab durchgerechnet, dadurch zu unwirklich. Null Platz für Improvisation, künstlerische Spontanität, echtes Leben - technisch perfekter Kunstdruck statt Original mit Esprit des Künstlers. Bei "Den letzten..." gibt es zum Glück noch den fast dokumentarisch anmutenden Blick auf die ungeschminkte und oft unprätentiöse doch spannende Wahrheit der Story, dazu schöne Aufnahmen der endlosen amerikanischen Plains und ein gut zusammengesetztes Ensemble aus dem "bulligen Haudrauf", dem "unentschlossenen Mitläufer", dem "naiven Heißsporn" und Eastwood, dem "abgebrühten Mastermind". Kein richtiges Meisterwerk aber doch ein Movie das man sich zehnmal gerne angesehen hat ohne diesen Umstand eigentlich zu registrieren. Es muss also was drin und dran sein an "Thunderbolt and Lightning"...