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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die ganze Bergsteiger-Philosophie von Loretan,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Den Bergen verfallen (Taschenbuch)
Erhard Loretan - Mann der GipfelBis heute (1997, Datum des Buches)ist es nur drei Menschen gelungen, die vierzehn 8000er der Erde zu bezwingen (dem Italiener Messner, dem Polen Kukuczka und dem Schweizer Loretan). Sein Buch zeigt in Fülle, dass mit Willen (fast) alles erreichbar ist. "Die Araber sagen, 'dass nur der Staub des Grabes die Augen des Menschen füllen kann'. Und ich füge bei, dass die 8000er wie gesalzene Erdnüsse sind: man sollte nie damit anfangen..." Erhard Loretan hat Humor. Als Junge war sein Übername Affe, und es war am Dent-de-Broc (1'829 m) - das Nashorn über Gruyères - wo dieser Überbegabte des Alpinismus erstmals Felsen in den Griff bekam. Mit 12 Jahren posierte er für eine Photo mit seinem Vetter auf dem Gipfel des Früdenhorns (3'368 m). Mit 16 Jahren, mangels physischer Grenzen ("alles gelang mir"), versuchte er sich im Solo-Bergsteigen. Die immer neuen Herausforderungen führten ihn letztlich dazu, der dritte "welthöchste" Mensch zu werden. Sein Buch, unter Beihilfe von Jean Ammann (La Liberté, Fribourg) geschrieben, ist nicht ein gewöhnliches Buch. Es ist weder literarisch, noch anmassend. Es bringt uns oft der Furcht nahe, und dem Leser wird es kalt bei Temperaturen von minus 60 C, die in grosser Höhe herrschen. Man begegnet der Gefahr und dem Drama: von siebenundzwanzig Bergsteigern, die 1986 versuchten, den Gipfel des K2 zu erklimmen, verunfallten dreizehn tödlich, wovon sieben beim Abstieg. Klar, man wird in Erstaunen versetzt, und man lernt vor allem, dass der Mensch mit Willen fast alles erreichen kann. Man hungert und durstet mit. Am Annapurna, während sechsunddreissig Stunden, nahmen unsere Teufelskerle täglich nur zwei Ovosport zu sich und tranken fast nichts. Man wird in einen vertikalen Strudel mitgerissen, der den Geist dazu bewegt, sich die wichtigen Fragen zu stellen. Doch die Antworten sind nie endgültig. Wie Amoghasiddhi, der Buddha des aktiven Mitleids Einmal auf dem Gipfel, fühlen sich die Himalayisten einige Augenblicke wie Könige unseres Planeten. Sie wurden Halbgötter die, wie Amoghasiddhi, der Buddha des aktiven Mitleides, zur Erde zurückkehren, bescheiden und verklärt. Jeder Alpinist weiss, dass der Berg ihm vorab Mittel ist, sich selbst zu bezwingen. Bergsteigen ist schlussendlich Lebenseinstellung, die sich mit der Meditation vergleichen lässt: Reisen, sogar begleitet, sind solitär, der Aufwand ist anstrengend, und das Endziel wird nur selten erreicht. Extrem. "Man muss den Kampf lieben, wenn man gegen den Wind, den Schnee und die Kälte vorankommen will. Aber unser Vertrauen ist unerschütterlich: in einigen Stunden wird es Tag X. Unsere Akklimatisierung ist perfekt, sie erpart uns eine Nacht auf 8000 m, im Lager IV (Ê). Ich weiss genau, dass es über 7000 m nicht mehr möglich ist, sich zu erholen, auch nicht im Schlaf. Die nackte Tatsache, auf dieser Höhe zu leben, ist kraftverzehrender Luxus." Bekanntlich verwendete Loretan nie Sauerstoff, wie dies bei den ihm vorausgehenden Generationen auf dem Dach der Welt der Brauch war. Gefahr. "Nie zuvor stiess ich meine Leistungsgrenze so weit wie bei dieser Überquerung des Annapurna, nie fühlte ich mich so weit von den Lebenden entfernt, und so nahe bei den Toten. Ich begriff während diesen Tagen, die ich zwischen Himmel und Erde verbrachte, dass man auf dieser Höhe schon einen Fuss im Jenseits hat." Drama. "(...) ich hörte das charakteristische Geräusch eines auf dem Eis rutschenden Kunstfaser-Stoffes. Ich drehte mich um: Pierre-Alain sauste mit hoher Geschwindigkeit den Hang herunter, er flitze an mir vorbei und ich sah ihn weitergleiten zum Felsabsturz, Gefangener einer höllischen Rutschbahn. Er verschwand im Schlund. Er tauchte in die Ewigkeit, dessen war ich sicher: sein Sturz war etwa 800 m tief." Tatsächlich war Perre-Alain Steiner bei diesem Sturz vom Hang des Cho Oyu nicht sofort tot. Die Fortsetzung dieser tragischen Episode gleicht einem Horror-Film. Die Freuden der Antarktik. Glück. Seit seinen Anfängen führt Loretan ein Tagbuch . In der Antarktik schreibt er über sich in der dritten Person, nach der Erklimmung eines namenlosen, noch unbezwungenen Gipfels von 4'600 Metern. "Er ist allein, verloren irgendwo in der Nähe des Firmaments, in einer feindlich scheinenden Umgebung, die aber ihm gehört. Er scheint mit dem Berg eine Einheit zu bilden. Ihm gegenüber zwinkert ihm der Mount Epperly zu (Ë). Das Schauspiel der Natur in ihrer ganzen Unveränderlichkeit ist so prachtvoll dass er Lust hat zu weinen." Das reich illustrierte Buch ist in 14 Kapitel aufgeteilt. Fünf davon handeln von anderen Unternehmen als die vierzehn 8000er. Das vorletzte beschreibt den weissen Kontinent, dessen meist noch unberührte Flächen anziehend wirken. Erhard Loretan verheimlicht nicht seinen Ärger vor der Übervölkerung der Himalaya-Basislager (am 22. September 1994 standen siebenundachtzig Zelte auf der Moräne des Basislagers des Everest und des Lhotse, auf 5300 m). Bissig prangert er die Umwandlung des Alpinismus in einen Massensport an, er protestiert heftig gegen die Staus in den klassischen Routen und bedauert die Diebstähle von Material in den Berghütten. "Der Alpinismus, schreibt er, hat seinen Sinn für Ethik verloren, der diesem Sport eine geistige Dimension gab." Auf dem Hintern. Die Seilgefährten werden oft erwähnt. Skizzen mit eingezeichneten Routen erleichtern es, die Abenteuer auf den vereisten Hängen zu verfolgen. Der Text ist für jedermann verständlich, und alle jene, die nicht vom Virus der Kletterei befallen sind, sind den Autoren dafür dankbar, die Abenteuer in ihrem Lehnsessel mitleben zu können. In jenen Höhen weiss man sich auch zu amüsieren. So lebte Marcel Rüedi seinen Phantasmus auf dem Gipfel des Gasherbrum 2: er brandet eine grosse Photo von Nastassja Kinski, die scheinbar den Wunsch hatte, einen 8000er zu ersteigen. Beim Abstieg kann es passieren, dass sie bubenhaft auf dem Hintern die Hänge hinunterrutschen. Erhard Loretan und Jean Troillet bildeten eine der hervorragensten Seilschaften im Himalaya, wo sie zusammen acht mal triumphierten. Neue Routen, erste Winterbesteigungen, originelle Erstbesteigungsversuche am K2 und am Makalu, unerhörte Marschtabellen bei jeder ihrer Besteigungen: man wird noch lange ihre Taten als Masstab anwenden. Ihre dreiundvierzig Stunden für den Everest erstaunten die Spezialisten in Bergmedizin. Man fragte sie, ob sie Amphetamine verwendet hätten. Ganz klar, nein. Man erwiderte ihnen, sie hätten die Grenzen des medizinisch Möglichen erreicht. Aber die Halbgötter sind oft grün wie die Marsbewohner und leiden unter Bergkrankheit, andere Male wissen sie gottlob zu verzichten. Es passiert ihnen auch, in Halluzinationen Clowns aus Gletscherspalten steigen zu sehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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