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Den Bann brechen: Religion als natürliches Phänomen
 
 
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Den Bann brechen: Religion als natürliches Phänomen [Gebundene Ausgabe]

Daniel C. Dennett , Frank Born
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 531 Seiten
  • Verlag: Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag; Auflage: 1 (22. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458710116
  • ISBN-13: 978-3458710110
  • Originaltitel: Breaking the Spell. Religion as a Natural Phenomenon
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,6 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 182.290 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Daniel Clement Dennett
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Dennett ist nicht irgendein Autor, sondern gegenwärtig wohl der gewandteste und umsichtigste Ritter eines Naturalismus, mit dem anzulegen sich lohnt." (Helmut Mayer Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Er liefert auf gut 500 Seiten eine gefällige Sammlung von Lesefrüchten, Einzelargumenten und Ausblicken auf zu Erforschendes, gewürzt mit Gedankenspielen und Witzchen: ein enorm kenntnis- und anekdotenreiches Mega-Exposé.«

(Christoph Türcke Süddeutsche Zeitung )

Kurzbeschreibung

Religion ist, wie jedes andere menschliche oder nichtmenschliche Phänomen, den Naturgesetzen unterworfen und somit auch naturwissenschaftlich erforschbar. So lautet Daniel Dennetts These. In seiner Untersuchung konzentriert er sich vor allem auf die Gründe und Bedingungen für die Entstehung der Religion, ihre verschiedenen Erscheinungsformen und Ausprägungen sowie auf die Mannigfaltigkeit ihrer Inhalte. Um Handlungsstrategien im Umgang mit religiösen Auswüchsen aller Art entwickeln zu können, muß man zunächst ihre Grundlagen verstehen. Warum hat die menschliche Evolution ein so kostspieliges Phänomen hervorgebracht und am Leben gehalten? Wem nützt die Religion? Ist es wahrscheinlich, daß Religiosität genetisch bedingt ist? Oder sind es eher religiöse »Meme«, die sich erfolgreicher vermehrt haben als ihre Konkurrenten? Bei dem Versuch, aus Glauben Wissen zu machen, sind einige Hindernisse zu überwinden. So ist die Erforschung für heilig gehaltener Phänomene häufig mit einem Tabu belegt, einem »Bann«, den es zu brechen gilt, auch auf die Gefahr hin, den erforschten Gegenstand damit eventuell zu beschädigen. Die Religion kann, ebenso wie die Politik, die Philosophie oder andere Kulturphänomene, ihre Legitimität nur behaupten, wenn sie sich der wissenschaftlichen Analyse stellt.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
41 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die Lektüre des Buches hinterläßt beim deutschen Leser ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits ist es eine gründliche, sehr gut verständliche Analyse der Phänomens 'Religion' aus der Sicht des rationalen Philosophen (unter denen Dennett zu den besten gehört, was die Darstellung philosophischer Themen anbelangt). Andererseits befremdet die immer wiederkehrende Rechtfertigung, warum diese Analyse überhaupt erfolgt, bzw. erlaubt ist. Natürlich ist dies dem aktuellen amerikanischen Zeitgeist (in der hoch-Zeit der konservativen 'Revolution') geschuldet, worauf Dennett insbesondere nicht-amerikanische Leser aufmerksam macht. Insofern kann man als Europäer ganz nebenbei auch noch ein wenig das Lebensgefühl derjenigen erahnen, die sich als amerikanische Wissenschaftler einem zunehmenden Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sehen, rationales Denken ohne gesellschaftliche, tabuisierende Grenzen zu betreiben.

Allerdings wäre dem Leser wohl mit einer klareren Trennung des zentralen Gegenstandes vom gesellschaftlichen Anliegen besser gedient. Die Analyse an sich stellt eine hervorragende Beschreibung des Phänomens 'Religion' dar, mit einer klaren Begründung welche Funktionen das Phänomen erfüllte und bis heute erfüllt - und wie es sich selbst erhält und fortentwickelt!
Damit gibt es dem Atheisten ein rationales Verständnis dieses Phänomens, welches wesentlich befriedigender das 'Warum' von Religion beantwortet als die oft radikalen Religionsgegner mit ihrer zu einfachen Schwarz-Weiß Sicht der Religion (aber natürlich auch befriedigender als die rationalisierenden Religionsanhänger mit ihrer naiven Weiß-Schwarz Sicht).
Denn eines ist klar: das Buch des Atheisten Dennett, auch wenn es sich explizit auch an weltoffene Religionsanhänger wendet, wird in erster Linie Atheisten ansprechen. Vielleicht den einen oder anderen religiösen Menschen über einzelne Aspekte seiner persönlichen Religion nachdenken lassen, jedoch kaum tiefer gehende Zweifel sähen, so sie nicht schon da sind - zu empfehlen somit vor allem dem unbewussten Atheisten, der sich aufgrund von Erziehung und gesellschaftlichem Kontext noch als religionsverhaftet sieht, tatsächlich aber die genannten Zweifel schon mit sich herumträgt.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die vorliegende Monographie ist ein Hybride zwischen klassischer philosophischer Religionskritik und der Kompilation religionstheoretischer Auseinandersetzungen. Dennetts Methode ist naturalistisch - Religion ist ein natürliches Phänomen - sein Religionsverständnis jedoch substantialistisch: Religion ist "Anrufung von Göttern".

Einleitende Fragen - Darf man sich Religion mit kritischer Rationalität annähern? Ist Religion überhaupt wissenschaftlicher Forschung zugänglich? - werden zugunsten des menschlichen Aufklärungsinteresses entschieden. Daraufhin stellt der Autor religionswissenschaftliche Erklärungsmodelle vor: Hat Religion evolutionsbiologische Funktionen? Ist sie ein 'Suchtmittel', das auf ein evolutionär entstandenes Rezeptorenzentrum im Gehirn ('Gotteszentrum') anspricht? Fördert sie die Fitneß? Ist sie das Ergebnis eines sexuellen Auswahlprozesses? Ein kulturelles Artefakt wie das Geldsystem? Oder nur ein nutzloses Nebenprodukt der Evolution? Dennett bezieht sich massiv auf Pascal Boyer und andere Forscher. Der Leser erfährt von der Rolle des hyperaktiven Aufmerksamkeitssystems, den Widersprüchen des intentionalen Standpunktes, der durch Sprache möglich gewordenen Erfindung virtueller Wirklichkeiten, der Bedeutung strategischer Informationen im Umgang mit 'übernatürlichen' Personen, der menschlichen Empfänglichkeit für sinnliche Schlüsselreize und kontraintuitive Anomalien, den durch Juvenilisation und Vorprägung zum Gehorsam bedingten Mißbrauchsmöglichkeiten in religiösen Vertrauensverhältnissen, der erstaunlichen Wirksamkeit von Placebo-Effekten und Hypnose und den affektiven und kognitiven Funktionen von Ritualen und Divinationen.

Es folgt eine ausführliche Auseinandersetzung mit der nach der Seßhaftigkeit entstehenden 'organisierten Religion'. Jetzt ändern sich die 'Aufgaben' der Religion und ihr Ambivalenzcharakter wird offensichtlich: zum einen ermöglicht sie eine nicht auf Verwandtschaftsloyalität beruhende Gemeinschaftsideologie, zum anderen aufgrund der Allianz zwischen politischer Führung und Priesterschaft Herrschaftssicherung. Die von den aufkommenden Theologien kultivierte Fähigkeit zur vorsätzlichen rationalen Reflexion bahnte zugleich dem Skeptizismus den Weg. Einerseits könnte Religion ein Katalysator für die Entwicklung des Moralbewußtseins gewesen sein und eine Rolle bei der Wertekonstituierung gespielt haben, andererseits beuten religiöse 'Firmen' soziale Konflikte aus und erschweren sie.

Dennett zeigt, daß in unserer Gegenwart der 'Glaube an den Glauben' vorherrscht, d.h. der Glaube, daß irgend etwas Bedeutung hat (Religion, Demokratie, Wissenschaft usw.). Religion kann auf bestimmte Gestaltungsmerkmale nicht verzichten: anthropomorphe Gottesvorstellungen, den Nebel des Unverständnisses bezüglich Glaubensaussagen ('Geheimnis') und Immunisierungsstrategien wie z.B. der Dämonisierung von Skeptikern. Dennoch nimmt der Unglaube stetig zu! Lösung: Die Gläubigen sollen lediglich erklären, daß sie glauben! Bei religiösen 'Erlebnissen' indessen handelt es sich um eine Form der romantischen Liebe, daher die starke Bindung an Gemeinschaftsgefühl, erhebende Architektur, Musik, Kerzen, Weihrauch, Erzählungen.

Unangenehm fällt auf: 1) Dennett schließt systematisch alle geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Erklärungsmodelle aus, z.B. den kulturanthropologischen Ansatz von Clifford Geertz. 2) Er ist unreflektiert Dawkins' fragwürdiger Mem-Theorie ergeben. Seine Zurückweisung aller Tabus hinsichtlich der kritischen Analyse metaphysischer Geltungsansprüche kann ich akzeptieren, ebenso seine Forderung, daß Gläubige lernen müssen, Verantwortung für die Schäden zu übernehmen, die ihre Religion anrichtet. Daß blinde Hingabe an Glaubenssätze mit Moral, Atheismus dagegen mit Unmoral verbunden wird, halte auch ich für unglücklich. Aber ist es wirklich so, daß christliche oder buddhistische Mönche, die eine vita contemplativa leben, einem Briefmarkensammler oder Golfspieler moralisch nicht überlegen sind?

Ich meine, daß Dennett sich durch die Engführung seines Theorienspektrums und die Verkürzung seines Religionsbegriffs ein tieferes Religionsverständnis verbaut. Menschen bewohnen ein Werteuniversum, in dessen Zentrum - man mag es begrüßen oder bedauern - Religion liegt. Prinzipiell alles kann in diesem Werteuniversum Sinn, Zweck, Wert und Bedeutung erlangen. Aber Werte sind variabel, arbiträr, zurückweisbar und instrumentalisierbar. Religion ist das einzige Konstanzverschaffungsmedium in einer prozessualen und werteirrationalen Wirklichkeit, und DAS erklärt ihr erstaunliches Beharrungsvermögen! Abgesehen davon, daß dem Autor jedes Sensorium für die Tiefendimension und den sittlichen Ernst von Religion fehlt, ist das Werk jedoch voller gedanklicher Anregungen und durchaus auch für Laien eine Empfehlung wert. Besonders das umfangreiche Literaturverzeichnis gewährt Zugang zu den eigentlich wissenschaftlichen Quellen naturalistischer Religionsforschung.
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48 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von XerC
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe soeben dieses Buches ausgelesen und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es das mit Abstand interessanteste Buch zu dem Thema ist, das ich bislang in den Händen gelhalten habe.
Im Gegensatz zu Dawkins und Hitchens ist Dennett kein lauter Polterer, sondern ein weiser, bedachter Mann, der sich große Mühe gibt, den Ursprung und die Entwicklung von Religion, sowie ihre Bedeutung für die Menscheit, so gut recherchiert, klar und sachlich und ehrlich wie möglich zu beschreiben.
Dennett ist ein großartiger Beobachter und Philosoph; dieses Buch ist das einzige mir bekannte, das ich Christen, Moslems, Atheisten, Juden, Agnostikern, Gläubigen und Zweiflern aller Art gleichermaßen empfehlen möchte.
Eine Erkenntniserweiterung, deren Lektüre zu keiner Zeit langweilig ist. Fünf Sterne.
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