Die katholische Kirche ist keine demokratische Partei. Wenn Mitglieder der Kirche meinen, man könnte durch demokratische Strukturen, die bis in die Kirchleitung gehen, Reformen umsetzen, dann täuschen sie sich. Nicht der Papst ist das Oberhaupt der katholischen Kirche (das hat er übrigens auch nie behauptet), sondern Jesus Christus. Schon allein deswegen ist eine Wahl des Kirchenoberhaupts durch das Kirchenvolk unmöglich.
Die Kirche ist auch keine Kaderschmiede für weibliche oder männliche Karrieristen. An erster Stelle steht der Dienst am Nächsten, und zwar in allen seinen Ausprägungen - wer das nicht begreift, ist in der katholischen Kirche fehl am Platz - bis hinauf in die höchsten Ränge.
Demokratie ist die wohl beste Regierungsform die es gibt. Aber sie hat einen zeitlichen Faktor (beispielsweise bei Wahlen), den es in der auf die Ewigkeit ausgerichteten Kirche nicht geben kann. Denn die Kirche versteht sich selbst als "mystischen Leib Christi" Und genau so wie sich der Magen im menschlichen Körper nicht einfach ein neues Gehirn wählen kann, wenn ihm das alte nicht mehr passt, genau so kann sich das Gottesvolk in der Kirche Christi kein neues Oberhaupt wählen, wenn ihm das alte nicht mehr genehm ist. Denn Christus ist derjenige, der an der Spitze seiner Kirche steht. Deshalb sollte heute auch nicht mehr Demokratie, sondern mehr Christus in der Kirche gefordert werden.
Maier und Ratzinger untersuchen die Frage der Verfasstheit der Kirche sowohl von politikwissenschaftlicher als auch von theologischer Seite. Und sie arbeiten den Unterschied zwischen demokratischem Staatsverständnis und christozentrischem Kirchenverständnis deutlich heraus. Das mag einigen Kirchenkritikern nicht gefallen, die sofort wieder mit dem Argument kommen, die katholische Kirche sei die einzig noch bestehende absolute Monarchie auf der Welt. Damit haben sie vielleicht gar nicht so unrecht. Der absolute Herrscher an der Spitze der Kirche ist aber kein Mensch, sondern Gott. Und absolute Werte dürfen nicht relativiert werden. Demokratie aber ist die Relativierung von politischen Handlungsmustern innerhalb zeitlich begrenzter Handlungsfelder