Audiobook-Rezensionen
"Demian. Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend" beschreibt den mühevollen Weg zu sich selbst. Dazu gehört die Suche nach einem geistigen Führer, die Macht der Träume und des Unterbewussten. Die Erzählung ist ein Appel an die Selbstfindung des Menschen (nicht nur in der Pubertät). Sie ist Forderung nach individuellen Rechten und gerade vor dem Hintergrund der Uniformität und Massenbegeisterung im Ersten Weltkrieg Absage an jegliche Fremdbestimmung. Die 1916 verfasste Geschichte, die heute in 28 Sprachen übersetzt ist, weist eine bemerkenswerte Entstehungsgeschichte auf: Sie wurde von Hesse pseudonym 1917 beim Fischer Verlag eingereicht und 1917 auch unter dem Namen Emil Sinclair, des Protagonisten, 1917 veröffentlicht. Sie wurde mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet und schließlich von einem Journalisten als das Werk Hermann Hesses enthüllt. Hesse gab darauf den Preis zurück. Als Begründung für das Pseudonym nannte er unter anderem, dass er die Jugend nicht durch einen bekannten Namen eines alten Onkels abschrecken wollte, und dass er dieses Buch nicht als Hesse, sondern als neuer Mensch geschrieben habe.
Es gibt Gründe für diese Bemerkung: Hesse sah sich 1916 immer häufiger politischen Angriffen aus Deutschland ausgesetzt, die Arbeit in der Kriegsgefangenenfürsorge fraß ihn auf, sein Vater war verstorben und die Ehe mit seiner Frau Maria verschlechterte sich zusehends. Er begab sich in psychotherapeutische Behandlung, führte mit C. G. Jung, dem Schweizer Tiefenpsychologen, Gespräche über einen Traum, in dem eine Gestalt namens Demian auftauchte. Dass Hesse seine gleichnamige Erzählung innerhalb von kürzester Zeit niederschrieb, verwundert somit kaum.
Das Thema des "Demian" ist der Ausbruch des jungen Emil Sinclair aus seinem christlich geprägten Elternhaus. Es ist die Loslösung von Normen wie Kirche, Vaterland und Moral. Bei seiner Berührung mit der fremden Welt gerät Emil durch harmlose Prahlereien in Abhängigkeit von Franz Kromer. Von diesem wird er von Max Demian, einem neu zugezogenen Schüler, befreit. Emil durchläuft einen Emanzipationsprozess, in dem er mit dem Orgelspieler Pistorius über seine Träume spricht. Dabei hilft ihm der Gott Abraxas, der Gut und Böse, Göttliches und Teuflisches, Menschliches und Tierisches vereint, eine verantwortungsbewusste Einstellung zum eigenen Leben zu finden. In der Mutter von Demian, in Frau Eva, die gleich ihm und Demian das Kainsmal trägt, erkennt er schließlich die Geliebte aus seinem Traum. Er sieht sich in der Nähe der Frau zu Hause angekommen.
Das große Verdienst des "Demian" war, dass das Buch nach dem Ende des Kriegs, nach dem Zusammenbruch gesellschaftlicher Strukturen und dem Wandel der Werte Hilfestellung bei der Suche nach einem neuen Menschenbild bot. Die Erzählung ist aber auch heute noch durch die Einbindung von damals noch relativ unbekannten psychoanalytischen Momenten aktuell.
Das Hörspiel unter der Regie von Oliver Sturm inszeniert die Suche nach dem eigenen Selbst gekonnt in einem Wechsel von sinnlichem Darstellen der Gefühle und Befindlichkeiten und dem rückblenden Ich-Erzähler. Ulrich Matthes leiht seine immer etwas melancholisch klingende Stimme dem Erzähler, Valentin Stroh spricht den jungen Sinclair.
Hörspiel, Spieldauer: ca. 110 Minuten, 2 MC. Auch als CD erhältlich. Mit ausführlichem Booklet. -- culture.text
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Kurzbeschreibung
Frh schon geht dem 10-jhrigen Lateinschler Emil Sinclair die Ahnung davon auf, dass neben der heilen Welt des Elternhauses auch eine rauhe, kalte besteht. Er ist auf dem Weg zu sich selbst und lst sich von den unglaubhaft gewordenen Normen, wie Religion und Moral und vom Elternhaus. Der Junge sucht die Berhrung mit der ihm fremden Welt und gert durch harmlose Prahlereien in die Abhngigkeit von Franz Kromer. Getrieben zu kleinen Lgen und Diebereien sieht er seine heile Kinderwelt zusammenbrechen. Gerettet aus diesen Qualen wird er durch einen Mitschler namens Max Demian, der gerade in seine Schule eingetreten ist. Er ist ein selbstdenkender und freier Mensch, der ihn von Franz Kromer schon bald befreit. Von dieser Abhngigkeit gelst, flchtet Sinclair in seine Kinderwelt zurck und geht somit Demian aus dem Weg. Die Kindheit ist jedoch bald vorbei, und er steht in einer fremden Welt. In der neuen Schule ist er ein Sonderling, gilt als Zyniker und ist innerlich voll Trauer. Du rch die Begegnung mit einem Mdchen findet er zu sich zurck. Als er versucht, sie stndig zu malen, bemerkt er, daá das Bild Max Demian gleicht. Voller Sehnsucht schickt er Demian eine von ihm gemalte Zeichnung. "Abraxas" lautet die Antwort, die ihm eines Tages in die Hnde fllt. Ein junger Orgelspieler, Pistorius, weiht ihn nher in das Wissen um Abraxas ein. Die Achtung vor sich selbst zu bewahren sei diese Religion. Der Orgelspieler, der ihm seine Trume deutet, erzhlt ihm von diesem mystischen Gott, der Menschliches und Tierisches, Gutes und Bses, Gttliches und Teuflisches in sich vereint. Doch bald lst sich Sinclair von den Interessen seines Freundes Pistorius und versucht, seinen eigenen Weg zu finden. Er trifft auf Demian, der ihn schon erwartet in dem Bewuátsein, dass sich Sinclair ihm nhern werde. In Frau Eva, Demians Mutter, erkennt er seine Traumgeliebte, die ihm einen neue Art des Lebens zeigt. Er verbringt ein paar schne Monate, die jedoch mit dem Ausbruch des Kri eges ihr Ende nehmen. Er wird weggerissen von Frau Eva und seinem besten Freund. Noch einmal sieht Sinclair Demian als Schwerverwundeten und empfngt von ihm den Kuss von Frau Eva, seiner Mutter.
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Der Autor über sein Buch
Unsere Zeit macht es der Jugend schwer. Es besteht überall das Streben, die Menschen gleichförmig zu machen und ihr Persönliches möglichst zu beschneiden. Dagegen wehrt sich die Seele mit Recht, daraus entstehen die "Demian"- Erlebnisse.
Herrmann Hesse
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Klappentext
Hermann Hesses Erzählung Demian, entstanden 1917 und erst zwei Jahre später unter dem Pseudonym Emil Sinclair erschienen, "um die Jugend nicht durch den bekannten Namen eines alten Onkels abzuschrecken", hatte- wie Thomas Mann in seinem Vorwort zur amerikanischen Ausgabe des Buches berichtet- auf die junge Generation nach dem ersten Weltkrieg "eine elektrisierende Wirkung und traf mit unheimlicher Genauigkeit den Nerv der Zeit", ähnlich Goethes Werther , dessen Wirkung Thomas Mann mit der des Demian vergleicht. " Er hebt ans Licht die urgeborene Amoralität", schrieb Alfred Döblin, und Stefan Zweig verwies auf den " bewundernswerten Einblick in die Jugendpsychologie", die der Demian ermöglicht, während C. G. Jung die Wirkung dieses Buches verglichen hat mit dem " Licht eines Leuchtturms in einer Sturmnacht".
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Taschenbuch
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Autorenporträt
Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen geboren, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.
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Auszug
Um meine Geschichte zu erzählen, muß ich weit vorn anfangen. Ich müßte, wäre es mir möglich, noch viel weiter zurückgehen, bis in die allerersten Jahre meiner Kindheit und noch über sie hinaus in die Ferne meiner Herkunft zurück.
Die Dichter, wenn sie Romane schreiben, pflegen so zu tun, als seien sie Gott und könnten irgendeine Menschengeschichte ganz und gar überblicken und begreifen und sie so darstellen, wie wenn Gott sie sich selber erzählte, ohne alle Schleier, überall wesentlich. Das kann ich nicht, so wenig wie die Dichter es können. Meine Geschichte aber ist mir wichtiger als irgendeinem Dichter die seinige; denn sie ist meine eigene, und sie ist die Geschichte eines Menschen nicht eines erfundenen, eines möglichen, eines idealen oder sonstwie nicht vorhandenen, sondern eines wirklichen, einmaligen, lebenden Menschen. Was das ist, ein wirklich lebender Mensch, das weiß man heute allerdings weniger als damals, und man schießt denn auch die Menschen, deren jeder ein kostbarer, einmaliger Versuch der Natur ist, zu Mengen tot. Wären wir nicht noch mehr als einmalige Menschen, könnte man jeden von uns wirklich mit einer Flintenkugel ganz und gar aus der Welt schaffen, so hätte es keinen Sinn mehr, Geschichten zu erzählen.
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Taschenbuch
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