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Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend (Suhrkamp BasisBibliothek) Taschenbuch – 19. Juni 2000

4.5 von 5 Sternen 97 Kundenrezensionen

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"Hermann Hesse bleibt ein Lehrer fürs Leben." (Die Welt) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Rezension

"Demian. Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend" beschreibt den mühevollen Weg zu sich selbst. Dazu gehört die Suche nach einem geistigen Führer, die Macht der Träume und des Unterbewussten. Die Erzählung ist ein Appel an die Selbstfindung des Menschen (nicht nur in der Pubertät). Sie ist Forderung nach individuellen Rechten und gerade vor dem Hintergrund der Uniformität und Massenbegeisterung im Ersten Weltkrieg Absage an jegliche Fremdbestimmung. Die 1916 verfasste Geschichte, die heute in 28 Sprachen übersetzt ist, weist eine bemerkenswerte Entstehungsgeschichte auf: Sie wurde von Hesse pseudonym 1917 beim Fischer Verlag eingereicht und 1917 auch unter dem Namen Emil Sinclair, des Protagonisten, 1917 veröffentlicht. Sie wurde mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet und schließlich von einem Journalisten als das Werk Hermann Hesses enthüllt. Hesse gab darauf den Preis zurück. Als Begründung für das Pseudonym nannte er unter anderem, dass er die Jugend nicht durch einen bekannten Namen eines alten Onkels abschrecken wollte, und dass er dieses Buch nicht als Hesse, sondern als neuer Mensch geschrieben habe.

Es gibt Gründe für diese Bemerkung: Hesse sah sich 1916 immer häufiger politischen Angriffen aus Deutschland ausgesetzt, die Arbeit in der Kriegsgefangenenfürsorge fraß ihn auf, sein Vater war verstorben und die Ehe mit seiner Frau Maria verschlechterte sich zusehends. Er begab sich in psychotherapeutische Behandlung, führte mit C. G. Jung, dem Schweizer Tiefenpsychologen, Gespräche über einen Traum, in dem eine Gestalt namens Demian auftauchte. Dass Hesse seine gleichnamige Erzählung innerhalb von kürzester Zeit niederschrieb, verwundert somit kaum.

Das Thema des "Demian" ist der Ausbruch des jungen Emil Sinclair aus seinem christlich geprägten Elternhaus. Es ist die Loslösung von Normen wie Kirche, Vaterland und Moral. Bei seiner Berührung mit der fremden Welt gerät Emil durch harmlose Prahlereien in Abhängigkeit von Franz Kromer. Von diesem wird er von Max Demian, einem neu zugezogenen Schüler, befreit. Emil durchläuft einen Emanzipationsprozess, in dem er mit dem Orgelspieler Pistorius über seine Träume spricht. Dabei hilft ihm der Gott Abraxas, der Gut und Böse, Göttliches und Teuflisches, Menschliches und Tierisches vereint, eine verantwortungsbewusste Einstellung zum eigenen Leben zu finden. In der Mutter von Demian, in Frau Eva, die gleich ihm und Demian das Kainsmal trägt, erkennt er schließlich die Geliebte aus seinem Traum. Er sieht sich in der Nähe der Frau zu Hause angekommen.

Das große Verdienst des "Demian" war, dass das Buch nach dem Ende des Kriegs, nach dem Zusammenbruch gesellschaftlicher Strukturen und dem Wandel der Werte Hilfestellung bei der Suche nach einem neuen Menschenbild bot. Die Erzählung ist aber auch heute noch durch die Einbindung von damals noch relativ unbekannten psychoanalytischen Momenten aktuell.

Das Hörspiel unter der Regie von Oliver Sturm inszeniert die Suche nach dem eigenen Selbst gekonnt in einem Wechsel von sinnlichem Darstellen der Gefühle und Befindlichkeiten und dem rückblenden Ich-Erzähler. Ulrich Matthes leiht seine immer etwas melancholisch klingende Stimme dem Erzähler, Valentin Stroh spricht den jungen Sinclair.

Hörspiel, Spieldauer: ca. 110 Minuten, 2 MC. Auch als CD erhältlich. Mit ausführlichem Booklet. -- culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Format: Audio CD
Emil Sinclair ist in "Demian" Ich-Erzähler, und dies ist zugleich der Name, unter dem Hesse den Roman 1917 veröffentlicht hat. Die Geschichte befasst sich mit der Frage, wie ein Mensch zu dem wird, was er ist. Entscheidend ist dabei, dass jeder Mensch auch eine dunkle Seite mit dunklen Gedanken hat. Dem jungen Emil Sinclair war der Zugang zu dieser Seite versperrt, weil in seinem Elternhaus alles rein und perfekt sein musste. Und dennoch weiß er, dass das Leben so rein und perfekt gar nicht sein kann. Er hat Bedienstete beobachtet und belauscht und auch sonst manches mitbekommen. Eines Tages ist er mit anderen Jungen unterwegs, die Geschichten erzählen über kleinere Diebstähle, die sie begangen hätten. Emil Sinclair hat solche "Erlebnisse" nicht zu bieten, also erfindet er eine Geschichte. Diese Lüge führt dazu, dass er erpresst wird. Nun lernt er die dunkle Seite des Lebens kennen. Und dann trifft er einen Jungen, durch den alles anders wird: Max Demian.
Hermann Hesse, der lange Zeit Psychotherapien gemacht hat, hat einmal in einem Traum einen Demian getroffen, der ihn auf seine dunkle Seite aufmerksam gemacht hat. Unter anderem hat die Deutung dieses Traums in der Therapie dazu geführt, dass er lernte, sich selbst mehr anzunehmen. So wie er war. Auch wenn er von Normen abwich. Dieser Prozess der Persönlichkeitsentwicklung wird in "Demian", eingebettet in eine unterhaltsame und sehr nachdenkliche Geschichte, reflektiert. Außerdem ist die während des ersten Weltkriegs entstandene Geschichte ein Plädoyer gegen den Krieg. Ich halte dieses Werk Hesses für überaus empfehlenswert, insbesondere für ältere Jugendliche und junge Erwachsene, aber nicht nur.
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Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT am 15. Dezember 2006
Format: Taschenbuch
Eine ganze Generation von jungen Männern ist in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges umgekommen, verstümmelt oder traumatisiert worden. In Großbritannien spricht man daher noch heute von einer "lost generation". 1917, kurz nach den blutigen Schlachte von Verdun und an der Somme mit nahezu einer Millionen Todesopfern, schrieb Hermann Hesse seinen Roman "Demian", eine Ode an den Wert eines jeden Individuums und an den Mut, sich gegen den Strom zu stellen, um seine Wünsche zu realisieren. Solche Gedanken waren am Ende des wilhelminischen Deutschlands nicht ganz ungefährlich, so dass der Roman erst 1919 unter dem Pseudonym Emil Sinclair veröffentlicht wurde.

Emil Sinclair, aufgewachsen in einem gutbürgerlichen Elternhaus, ist gleich von seinem neuen Mitschüler Max Demian fasziniert. Er scheint so viel reifer und selbstbewusster als all die anderen. Durch ihn beginnt er, seine anerzogenen Wertmaßstäbe in Frage zu stellen. Ist Gott nur eine Wunschprojektion des Menschen so wie er gern wäre, aber niemals sein kann? Ist es wünschenswert, das Böse, den Kain in uns allen, zu dämonisieren und zu verleugnen? Gibt es für jeden Menschen ein Schicksal? Und wie kann man dieses Schicksal erkennen?

"Es gab keine, keine, keine Pflicht für erwachte Menschen als die eine: sich selber zu suchen. In sich fest zu werden, den eigenen Weg vorwärts zu tasten, einerlei wohin er führt" (150).
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Format: Taschenbuch
Mir hat dieses Buch viel Kraft und Mut gegeben. Ich las es das erste Mal in der Schule und war sofort berührt und mitgerissen. Auf eine gewisse Weise hat es mir Dinge erklärt oder fühlbar gemacht, die vorher nicht zu begreifen waren und vor allem: es hat mir gezeigt, daß alles richtig ist, wie es ist. Es wurde mir klar, wieso manche Menschen anders auf mich reagieren als andere, wieso Verbundenheit zwischen Fremden bestehen kann und welche Kraft wir in uns haben, wenn wir daraus schöpfen können. Mir gibt dieses Buch heute noch Kraft,- 10 Jahre nach dem ersten Lesen und mein Glaube an Schicksal und Welt stehen weiterhin fest. Gerade starke Außenseiter mit einem hohen Hang zum Individualismus werden sich darin wiederfinden und daraus schöpfen können. Wir erkennen einander
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Format: Taschenbuch
Wie viele meiner Vorschreiber, schließe ich mich der Begeisterung über dieses Buch an. Auch für mich ist es das beste Buch von Hesse. Obwohl er den Literaturpreis für den "Steppenwolf" bekam, hätte er ihn meiner Meinung nach für dieses Werk bekommen müssen. Der "Steppenwolf" ist in meinen Augen viel zu deprimierend; dieses Buch hingegen besitzt viel Dynamik. Obwohl es äußerlich betrachtet nicht viel Handlung besitzt, zieht es den Leser durch die authentische Beschreibung des Inneren eines jungen Menschen in seinen Bann.

Ich glaube, der Schlüssel zum Verständnis, warum dieses Buch auf so eine große Resonanz stößt, ist, dass jeder geneigte Leser sich zumindestens ein wenig mit Sinclair identifiziert - und so ist es auch mir ergangen. Denn dieses Buch setzt sich mit Fragen und Themen auseinander, die so alt sind wie die Menschheit selbst - Wer bin ich? Was ist der Mensch? Nach welchen Gesetzen ist die Welt beschaffen? Emil Sinclair und seine Freunde bezeichnen sich selbst als "Gekennzeichnete" und sie sind auf der Suche nach sich selbst und einer neuen Religion, die die Welt Welt umformen soll. Das ganze Streben des jungen Protagonisten richtet sich danach, tiefer in sich hineinzudringen und sich selbst zu begreifen - in einer so rührenden Weise, dass man es nicht anders als "Die Suche des Menschen nach seiner Seele" bezeichnen kann.

Hesse hat dieses Werk vor dem Hintergrund des ersten Weltkriegs geschrieben, in einer Zeit, in der, wie er selbst im Vorwort deutlich macht, der Mensch mit großer Missachtung behandelt wurde. Daher ist dieses Buch auch heute äußerst aktuell.
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Kommentar 4 von 4 haben dies hilfreich gefunden. War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein Feedback senden...
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