Kitwoods Buch richtet sich an all die verschiedenen Menschen, die im Umfeld einer Demenz anzutreffen sind: unmittelbares Pflegepersonal ebenso wie Ärzte, leitendes Pflegeteam ebenso wie Angehörige. Der Leser wird hier recht umfassend informiert, denn sowohl die biomedizinische Sicht mit ihrem Interesse an pathologischen Prozessen wird erläutert als eben auch positive und negative Verhaltensweise von Betreuenden aufgezählt. Ist der Leser vorwiegend an der Pathologie von Demenzen interessiert, wird ihm die hier gebotene Einführung allerdings viel zu kurz sein. Für Laien und Angehörige ist die Einführung ausreichend und das Buch insgesamt als Einladung zu verstehen, sich mit der demenziellen Erkrankung des Familienmitglieds auf ganzheitliche Weise auseinanderzusetzen. Außerdem setzt es der hoffnungslosen, tristen Diagnose Demenz eine etwas hoffnungsvollere, lichtere Zukunft entgegen, indem es dem nicht aufzuhaltenden Fortschreiten eine Umwelt gegenüberstellt, die Fähigkeiten erhalten, Ressourcen nutzen und zu mehr Wohlbefinden führen kann. Kitwoods verständliche und lockere Sprache, die vielen Beispiele und seine Subjektivität, der viel Raum gegeben wird, machen dieses Buch auch für Laien zu einer geeigneten Lektüre. Für Pflegekräfte und Ärzte sollte das Buch Pflicht sein.
Heute, 10 Jahre nach dem ersten Erscheinen von Kitwoods Buch, ist das Verständnis der Demenz komplexer: Sie wird nicht nur als biologische Erkrankung gesehen, sondern es wird die Interaktion zwischen Pathologie und Umwelt anerkannt. Trotzdem erhält die medizinische Sichtweise noch immer eine stärkere Gewichtung. So oder so, Tom Kitwoods Buch zum person-zentrierten Ansatz ist noch immer aktuell. Einziger Kritikpunkt könnte sein, dass Kitwood sehr schwerwiegenden Demenzen nicht genügend Raum gibt, Betreuende in diesem Fall nicht genügend unterstützt. Leider verstarb Kitwood im Jahr 1998, sodass sein Ansatz nur von anderen weiterentwickelt und angepasst werden kann.