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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Schrei nach Leben,
Von
Rezension bezieht sich auf: Dem Volke dienen (Gebundene Ausgabe)
Schade! Wirklich schade, dass dieser Roman in China verboten ist, er hätte ein breites Publikum verdient. Er blättert, rundweg spannend und amüsant, in lebendiger Sprache mit prachtvollen Charakteren feine Ironie und plakative Komik auf. Diejenigen, die sie verstehen, werden sich köstlich über die Umdeutung der hehren kulturrevolutionären Sprüche amüsieren, die einmal eine ganze Nation in blinder Begeisterung in Bann geschlagen hatten - und deren ironische Verfremdung von den heute Herrschenden gefürchtet wird. Aber nicht die Ironie ist es, auch nicht der hemmungslose Sex, die dem Roman seine eigentliche Sprengkraft verleihen, sondern die tiefe Sehnsucht nach gelebtem Leben, die die beiden Protagonisten antreibt. ,Nun weiß ich wenigstens, dass ich gelebt habe', sagt Liu Lian nach ihrem ersten Sexrausch mit Wu Dawang, der bei ihr als Ordonanz ihres Gatten, des Batallionskommandeurs, der kein Mann (mehr) ist, ,Dienst am Volke' tut.Ständig fürchtet man als Leser, dass letztlich doch noch die Katastrophe über die beiden Liebenden hereinbricht, ihr Verhältnis auffliegt, und die Geschichte wie in so vielen rührenden TV-Seifenopern in Tränen und Reue endet. Aber es passiert nichts dergleichen. Die beiden Liebenden trennen sich, weil die Situation es so gebietet und kehren unentdeckt in ihr normales, strikt reguliertes, sozialistisches Alltagsleben zurück. Zurück bleibt die Sehnsucht nach der Utopie von einem Leben ohne Konventionen. Die aber gibt es nicht. Liu Lian spielt weiterhin die Gattin des Bataillonskommandeurs, mit allen Privilegien ausgestattet, von denen normale Chinesen auch heute nur träumen können. Wu Dawang wird auf Führsprache Liu Lians aus dem Militärdienst entlassen und bekommt eine Stellung als Produktionsleiter in der Stadt, wohin er Frau und Sohn aus der ländlichen Einöde nachkommen lässt, und damit deren großen Traum erfüllt, aber nicht seinen eigenen. Nach fünfzehn Jahren Ehe und Trennung, im Epilog, der laut Autor wie ein ,Hundeschwanz an einem Zobelpelz' ist, - um Wu Dawangs Augen gibt es kleine Fältchen und in seinem Gesicht haben Traurigkeit und Enttäuschung ihre Spuren hinterlassen, verabreden die beiden ein Wiedersehen. Daraufhin verschwindet Liu Lian und wird nie mehr gesehen. Doch noch ein Happyend? Wir wissen es nicht und der Autor lässt uns bewusst im Unklaren. Eines aber wird deutlich, dass China auf seinem Weg ,reich zu werden' und ,bescheidenen Wohlstand aufzubauen', zumindest in den Städten, offenbar eines vernachlässigt hat, menschliche Werte, individuelle Sehnsüchte und das Aufbrechen von gesellschaftlichen Ritualen. Alles wird im monotonen Alltag unter ,bescheidenem materiellem Wohlstand' zugekleistert. Während der Kulturrevolution wurden die Menschen mit idealistischen Sprüchen vollgestopft, um den Sozialismus aufzubauen, gut gemeint zwar, aber unrealistisch, was folglich in Resignation enden mussten. Heutzutage fehlt der idealistische Antrieb, überhaupt etwas zur Verbesserung der Gesellschaft zu tun, was ebenfalls in Resignation enden muss, weil menschliche Zuwendung, Wärme und Geborgenheit eben nicht zu kaufen sind. Zeitungskommentatoren beklagen denn auch schon den Mangel an moralischen und ethischen Werten bei der Jugend. Aber woher soll sie die bekommen, wenn das Alltagsleben in der Stadt von mörderischer Konkurrenz und jämmerlicher Abgeschiedenheit auf dem Land dominiert wird, Romane wie der hier besprochene verboten werden, ein Roman, in dem der Autor sich mit der Seelenlage seiner Landsleute befasst, ihnen in Komik und Ironie, Sex und Verzicht, Anspruch und Realität den Spiegel vorhält und zeigt, dass das Reich der Mitte seine eigene alte Mitte verloren, aufgegeben, auf jeden Fall keine neue wiedergefunden hat. Das Individuum als Treibgut in der anonymen Masse. Und deswegen ist es schade, dass die breite und offene gesellschaftliche Diskussion über Chinas Entwicklungsweg und seine ihn tragenden Werte durch Verbote zugepflastert wird. Keine gute Aussicht auf die Zukunft. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
eine hervorragende Übersetzung aus China,
Von
Rezension bezieht sich auf: Dem Volke dienen (Gebundene Ausgabe)
Die ins Deutsche übersetzte chinesische "Literatur" langweilt nicht selten: Dass es sich dabei durchaus um Texte handeln kann, die für die chinesische Literatur und Gesellschaft wichtig sind, sei unbestritten.Bei vorliegendem Buch verhält es sich ganz anders - es ist aus mehreren Gründen ein hervorragender Text: Die Geschichte stimmt in sich, ist gut erzählt und auch formal gestaltet (letzteres vermisst man doch häufig bei chinesischen Texten bzw. ihren Übersetzungen); sie ist von einer ironischen Leichtigkeit und erhält dadurch auch ihre politischen Brisanz; und schließlich handelt es sich einfach um eine hervorragende Übersetzung aus der Originalsprache von einem ausgewiesen Übersetzer (Ulrich Kautz). Nun noch ein Wort zum Inhalt: "Dem Volke dienen" ist eine im China des 20. Jhdts sehr wichtige Vokabel, die hauptsächlich durch Mao Zedong Berühmtheit erlangte. "Dienen", chinesisch "fuwu", bedeutet lexikalisch "für Nutzen der Gesellschaft oder eines Einzelnen etwas tun". Es ist ein Begriff, der so zentral für das gesellschaftliche Zusammenleben ist wie z.B. der der christlichen "Nächstenliebe". Unglaublich ironisch und witzig zeigt der Autor nun, wie ein so zentrales Konzept ideologisch vereinnahmbar ist und letztlich - unter bestimmten historischen Umständen - zur mächtigen, aber leeren Worthülse wird. Das und der respektlose Umgang mit chinesischen Ikonen - allen voran Mao Zedong - wird wohl die Offiziellen zum Verbot dieses Textes veranlasst haben, aus Sorge um das "Wohl des Volkes"? Ein tolles Buch für alle, die Spaß an Ironie, Witz und einem chinesischen Setting (Kulturrevolution) haben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brillante_Satire,
Rezension bezieht sich auf: Dem Volke dienen (Taschenbuch)
Ein Meisterstück in der Tradition des 'Ernsthaft-Komischen'.An Witz, Raffinesse und Vielschichtigkeit kaum zu übertreffen. Von diesem Autor wünscht man sich noch viele 'Leseerlebnisse'. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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