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Der Krimi als Unterhaltungsshow am Samstagabend. Das ist ein gewagtes Unternehmen, aber es hat seinerzeit funktioniert. Sieht man sich heute diese Krimis an, dann wirken sie etwas angestaubt und zähflüssig. Sie haben niemals die Frische, Brillanz und Raffinesse wie z.B. die Stahlnetz-Geschichten. Selbst Action ist fast nie angesagt. Die Farben wirken manchmal verwaschen (wie bei fast allen Produktionen aus den frühen Siebzigern), der Ton ist bisweilen holprig nachsynchronisiert. Und die vielen französischen Eigennamen !? - Das war schon früher für die prominenten Rateteams ein Problem.
Aber trotzdem: Allein schon die schmissige Titelmelodie von Siegfried Franz (der auch den Trailer zu den "Gentlemen" schuf), die zahlreichen renommierten Schauspieler und das Flair der scheinbar unbeschwerten 70er Jahre machen ein Wiedersehen zum freudigen Ereignis. Die allermeisten Akteure von damals leben heute nicht mehr. In den ersten beiden Folgen wird Kommissar Bernard (Günther Neutze, 1921-91) noch von Inspektor Mireux (Günther Stoll, über Nacht bekannt geworden durch Durbridges "Melissa", gestorben 1977 mit 53 Jahren), später dann von Inspektor Janot (Karl Lieffen, auch bekannt aus Durbridges "Es ist soweit" und "Tadellöser&Wolff", gestorben 1999 mit 73 Jahren) unterstützt. Daneben tummeln sich viele deutsche Schauspieler, die seinerzeit Rang und Namen hatten.
Auf 9 DVDs, einzeln in schmucken DVD-Digipacks verstaut und in einem etwas wackligen Schuber zusammengefaßt, mit insgesamt ca. 1600 Minuten Laufzeit, sind alle 17 Folgen zusammengefaßt, die zwischen 1967 und 1973 produziert wurden. Inklusive der (fast durchweg) prominenten Raterunden, die stets von bekannten Persönlichkeiten aus Sport und Unterhaltung rekrutiert wurden. Viel später gab es einige TV-Wiederholungen - mit modernisiertem Rateteam. Ich hätte mir gewünscht, hier ausschließlich die Urfassungen zu bekommen. Aber man kann nicht alles haben. Immerhin sind von 17 Rateteams 9 original enthalten! Also auch mit dem typischen Publikum im Hintergrund, das am Samstagabend ins Sendestudio eingeladen wurde. Leider stimmen die Angaben auf den DVD-Hüllen teilweise nicht mit dem Inhalt überein (Episode Nr. 9, 15 und 17). So wird etwa zu Folge 17 ("Blinder Hass") das Team "Jan Fedder/Heidrun von Goessel" genannt, tatsächlich aber sieht man Heidi Schüller, Hans Rosenthal und Bibi Johns. Andererseits heißt es zu Nr. 15: "Ingeborg Hallstein/Klaus Glahn/Ben Wagin", und es treten stattdessen zwei nichtprominente (!) Polizisten auf. Wie können solche Fehler passieren? Da kommt sie wieder durch, die Behörde ARD, wo der eine nicht zu wissen scheint, was der andere tut… Sozusagen als Bonus gibt es noch die Episode "Einer fehlt beim Kurkonzert" von 1968 (als "Folge 4"). Sie wurde auch damals schon ohne anschließende Raterunde ausgestrahlt.
Die Bild- und Tonqualität ist nicht besser oder schlechter als im Fernsehen. Da hätte man vielleicht noch einiges tun können - insgesamt aber geht die Qualität absolut in Ordnung. Jedenfalls ist das bei dieser Serie kein K.-o.-Kriterium. Und man ist es mittlerweile von praktisch allen ARD-Konserven gewohnt: keine Extratouren! Alles wird genau so auf DVD veröffentlicht, wie man es auch im Fernsehen bekommt, ohne Nachbearbeitung, ohne Extras, ohne Untertitel. Insofern ist es beinahe eine Sensation, daß versehentlich zwei Rateteams aus den grellbunten Siebzigern hier verewigt wurden, die doch eigentlich schon modernisiert worden waren.
Aber damit nicht genug der Überraschungen! Auf jeder Scheibe gibt es ein aufwendiges Menü, das den Zuschauer zum Mitraten animiert. Man kann sich die Hauptverdächtigen in Steckbriefform noch einmal vergegenwärtigen, bevor man die Auflösung anwählt. Das wirkt gut durchdacht. Diese Nutzung der technischen Möglichkeiten einer DVD hätte ich der ARD niemals zugetraut. Daß beim Einlegen der DVD die bekannte Titelmelodie ohne den ersten Trompetenton erklingt und in den ersten Takten deutlich "jault", zeugt dann aber sofort wieder von einem erschreckenden Dilettantismus und man erkennt: Die ARD ist und bleibt eben doch eine riesengroße Behörde.
Resümee: Eine insgesamt überraschend gelungene DVD-Box mit verzeihbaren Schwächen. In Anbetracht des bislang noch niemals komplett wiederholten Materials möchte ich von einem echten DVD-Ereignis mit sehr hohem Repertoirewert sprechen.
Die Filme sind top, die Darsteller auch. Lesen Sie weiter...
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