150+1 Dichtungen enthält der Lyrikband, die sich als Faden verstehen im Webmuster des Lebens: Vom Anfang bis zum Ende führt er, von Geburtstag und Geburt bis zum Vergänglichen und der Trauer letzten Endes. Dazwischen wird nichts ausgelassen, weder das für den Menschen immer noch am meisten verwirrende Gefühl, die Liebe in vielen Facetten, noch die Angst, sie zu verlieren oder gar nicht erst zu finden und die Verzweiflung, wenn man auf der Suche, die das Leben ist, an einem Punkt anlangt, an dem man meint, man kann nicht mehr weiter. Scheinhardt polarisiert nicht künstlich: Wenn man einfach notiert, was zu sehen ist, erwischt es immer den einen oder anderen Pol. Dichtung, die Leben widerspiegelt, polarisiert sich selber, ebenso wie das Leben. "Je unbedachter ich notiere, desto inspirierter ist die Dichtung." So ungefähr sagt es Scheinhardt im Vorwort zu dem Buch mit dem Untertitel "Ein Bändchen Dichtungsmasse." Auf zwei Seiten lässt er sich kurz darüber aus, wie es funktioniert, Dichtung zu verfassen, obwohl er überzeugt ist, dass es nicht funktioniert. Für ihn ist Dichtung etwas Lebendiges, und Leben ist keine Funktion. Sondern Mysterium und etwas Wunderbares. Das Motto, mit dem sich die Gedichte zusammenfassen ließen, könnte lauten: "Nichts Menschliches ist mir fremd." Doch darüber geht es hinaus. Eine Welt zu beschreiben, in die Mensch eingebettet ist und eingebunden, muss über die einzelnen Bestandteile hinausgehen. Scheinhardts Dichtungen möchten nicht über-menschlich sein, egal in welchem Sinn. Darüber hinausweisen möchten sie. Über den rein menschlichen Aspekt des Seins hinaus, damit das Geschöpf sich seiner selbst bewusst werden mag. Manchmal bestehen die Gedichte nur aus vier Zeilen, mal umfassen sie mehrere Strophen, ohne jemals episch zu werden. Scheinhardt kommt es auf die Pointen an. Und die versteht er immer wieder zu setzen.