In den 50er Jahren gelang es dem geborenen Hamburger Douglas Sirk einer der erfolgreichsten Regisseure im damalig sehr beliebten Genre des Melodrams zu etablieren.
Natürlich war er nicht der Erfinder dieses Filmgattung, Hollywood hatte bereits vor ihm eine lange Tradition dieser dramatischen, wie auch manchmal überzeichneten und kitschigen Schicksalsfilme, in denen die Hauptfiguren Opfer einer spiessigen Gesellschaft waren, wenn sie Gefühle zulassen und versuchen aus den gängigen Normen auszubrechen, um ihr Glück zu finden.
Sirk zeigte Frauen mit dubioser Vorleben, die Vergangenheit holt Barbara Stanwyk in "All meine Sehnsucht" wieder ein.
Oder Jane Wyman verliebte sich in "Was der Himmel erlaubt" als Witwe in einen wesentlich jüngeren Rock Hudson, was ja gar nicht ging.
In "Solange es Menschen gibt" gibt das Frauenquartett Lana Turner, Sandra Dee, Susan Kohner und Juanita Moore eine grandiose Ensembleleistung zum Thema "Rassenproblemtatik".
Ein prüdes Hollywood und der Hays Code machten eine deutliche Sprache in den Filmen fast unmöglich. Vorrang hatte die Moral und so konnten Kriminalität und auch sexuelle Inhalte lediglich angedeutet werden oder symbolisch gezeigt werden. So endet Hitchcocks "North by Northwest" mit dem Geschlechtsakt von Roger Thornhill und Eve Kendall, denn der wurde symbolisch dargestellt mit der Sequenz, dass ein Zug, in einen Tunnel fährt.
Heute haben die Daily Soaps in der Glotze diese alten melodramatischen Schinken abgelöst.
Um "Dem Himmel so fern" perfekt geniessen zu können, ist vielleicht sogar diese Kentniss alter Melodramen wichtig. Erst mit dem Wissen dieser Meisterwerke gelingt es auch die Arbeit von Todd Haynes mit dieser perfekten Kopie und Auferstehung eines vergessenen Genres richtig zu würdigen.
Und Todd Haynes kann natürlich ohne den längst abgeschafften Code viel direkter seine Themen ansprechen.
Sein Film spielt auch in den 50ern und er zeigt die Themen Rassenhass, Rufmord und versteckte Homosexualität.
Visuell erinnert der Film vor allem an "Was der Himmel erlaubt" - fast die gleichen Farbkompositionen, die einen stimmungsvollen Herbst zeigen. Überall leuchtende Farben in Technicolor - Julianne Moore im spitzen Büstenhalter und durch Petticoats aufgebauschte Röcke, sie ist die Reinkarnation einer Lana Turner. Und eine gütige zufriedene Mutter wie nur Doris Day sie spielen konnte. Aber der Schein der heilen Welt 1957 in dieser putzigen amerikanischen Kleinstadt trügt, wo Jeder Jeden kennt und auch Jeder über den Anderen redet. Cathy (Julianne Moore)erhält Besuch von der Journalistin Mrs Leacock (Bette Henritze) und einem Pressefotografen (Jason Franklin), denn das Klatschspaltenblättchen möchte die Vorzeigefamilie um Mr. und Mrs. Magnatech aus Hartford, Connecticut im besten Licht präsentieren. Frank (Dennis Quaid) leitet diese "Magnatech TV Sales Company". Zwei Kinder kompettieren das Glück.
Doch ist Cathy wirklich glücklich ? Der Gatte ruft oft zuhause an, dass er später kommt, weil er geschäftlich aufgehalten wird.
Aber auch bei ihrer Freundin Eleanor (Patricia Clarkson) versucht sie den Schein zu wahren. Sie erwischt irgendwann ihren Mann in den Armen eines anderen Mannes. Nun steht die Ehe vor einer grossen Zerreissprobe, denn Frank versucht gemeinsam mit dem Arzt Bowman (John Rebhorn) seine "kranke Neigung" zu bekämpfen. Cathy freundet sich derweil platonisch mit dem schwarzen Gärtner Raymond Deagon (Dennis Haysbert) an, doch die beiden werden bereits beobachtet und die schmutzige Story dreht schon die Runden...
Filmfans, die die alten Filme nicht kennen, denen Todd Haynes mit seiner Retro ein Denkmal setzt, werden vermutlich "Dem Himmel so fern" als nostalgisch, vielleicht sogar altmodisch und künstlich empfinden.
Wenn man aber genauer darauf blickt, dann kann man zwar feststellen, dass sich Prüderie und Rassismus deutlich verringert haben, auch die Hausfrau und Mutter hat sich inzwischen emanzipiert, aber dennoch genügend elementare Botschaften den Film interessant machen.
Sehr aktuell ist aber immer noch die Aufforderung für sein Glück zu kämpfen und seinen Gefühlen zu folgen und eben nicht darauf Wert zu legen, was die anderen sagen.