Ob freiwillig oder unfreiwillig - mal wieder Mal wetteifern Zak Stevens und Jon Oliva um die Gunst der Savatage-Jünger. Fast zeitgleich kommen die Neue von Jon Oliva's Pain ("Global Warning") und die neue Circle II Circle von und mit Kult-Sänger Zak Stevens in die Läden. Dabei hat Mr. Stevens nach dem mittelprächtigen Vorgänger "Burden Of Truth" einiges wieder gut zu machen...
Auf "Delusions Of Grandeur" ist aber eine Entwicklung zu erkennen, wenn auch nicht zurück in Richtung der ersten beiden, ziemlich Savatage-lastigen und saustarken Alben. Muss ja auch nicht sein - es steht schließlich "Circle II Circle" drauf! Überraschend bei "Delusions Of Grandeur" ist der Schwermetallanteil. Gleich die ersten drei Stücke des Albums sind wuchtige Double-Bass-Nummern mit düsterer Grundstimmung. Das Manko: die Nummern sind einfach gestrickt. Es mangelt an Tiefgang, an bemerkenswerten Ideen. Irgendwann klingt's austauschbar.
Mittendrin kriegt das Album aber die Kurve! "Soul Breaker", "Chase The Lies" und vor allem der stärkste Song des Albums, "So Many Reasons", sind absolute Highlights. Endlich gibt es durchdachte, coole Gitarren-Hooklines - und die grooven auch noch wie Hölle! Bei "Seclusion" möchte ich außerdem die wirklich große Melodie im Chorus herausheben, die mich schon ein wenig an frühe Glanztaten der Band wie "Sea Of White" vom Debütalbum "Watching In Silence" erinnert.
Diese bärenstarken Nummern auf der zweiten Hälfte des Albums haben eines gemeinsam, sie sind im mittleren Tempobereich angesiedelt. Hier kommt Zak Stevens' einzigartig charismatische Stimme auch einfach am besten zur Geltung. Im Gegensatz dazu entlarvt schon die Abmischung der anfänglichen Uptempo-Nummern eine gewisse Unschlüssigkeit. Denn auch der Opener "Fatal Warning" ist im Chorus mit melodischen Gitarren ausgestattet. Die sind aber zu Gunsten der übermäßig gepushten Vocals derart in den Hintergrund gedrängt, dass ich sie erst unterm Kopfhörer entdeckt habe. Zu den stärkeren Songs zählt ausgerechnet auch noch der Bonustrack "Stay". Den gibt's nur auf der Limited Edition, genau so wie ein Live-Video von "Revelations", einem der besseren Stücke von "Burden Of Truth", aufgenommen bei Prog Power USA.
Nachdem also eine Hand voll Songs eine exzellente Richtung einschlagen, auch ohne sonderlich nach Savatage zu klingen, wird's zum Schluss doch noch Mal episch. Der 7,5-Minüter "Every Last Thing" ist vom lyrischen Beginn über Klavierrock-Passagen und aggressive Metalparts bis hin zu einem waschechten Kanon eine hörenswerte Reminiszenz an Savatage. Davon lebten die ersten beiden, sehr guten Circle II Cirlce-Scheiben, deren Songs noch von Stevens und Oliva gemeinsam geschrieben wurden. Seitdem steht Oliva aber ausschließlich in seinem eigenen Laden hinter der Theke. Und während Kollege Oliva weiter wesentlich stärker am musikalischen Savatage-Erbe festhält, serviert Zak Stevens auf "Delusions Of Grandeur" nun zumindest mit einem Teil der Songs amtliche Eigenkreationen im Melodic Metal-Bereich. Bitte in Zukunft mehr davon und weniger Ausschuss-Ware! Knappe vier * * * * für die Limited Edition - die normale Ausgabe kommt auf drei.