Ursprünglich orientierte sich meine Schreibtischhardware v.a. an den Voraussetzungen für Games. D.h. Starke Grafikkarte, maximale DPI bei der Maus und nicht zuletzt schnelle Reaktionszeit beim Montitor, um Schlieren bei Games zu vermeiden. Dann wurde das Auge anspruchsvoller, da Bildbearbeitung bzw. Fotografie ein ernstzunehmendes Hobby wurden. Dennoch will ich immer noch ein spieletaugliches Gerät, weshalb ich bei den angegebenen 8ms Schaltzeit erstmal skeptisch war.
1. Das Bild:
Was sofort auffiel zu meinem "alten" (2 Jahre) Samsung TFT: In der Standardeinstellung wirken die Farben weniger "laut" und sind nicht so knallig. Kritiker könnten sagen flau, ich meine natürlich. Wie nicht anders zu erwarten (IPS-Panel) verändern sich die Farben keineswegs, wenn man sich vor dem Gerät nach oben/unten oder links/rechts bewegt. Sicherlich einer der Hauptvorteile in Verbindung mit den natürlichen Farben, wenn es um Bildbearbeitung geht. Die Ausleuchtung geht in Ordnung. Bei einem dunklen Bild / Desktophintergrund gibt es leichte Lichthöfe, aber immerhin ist schwarz nun schwarz und nicht dunkelgrau wie bei meinem alten TN-Panel. Vom Format her 16:9 passt mir das Gerät gut in den Kragen, da ich auch gerne mal Multimediainhalte und Spiele am Rechner betreibe. Wenn ich kaum Multimedia und v.a. Fotos bearbeiten und Texte lesen würde (und noch etwas mehr ausgeben wollte) wäre das 16:10 UltraSharp-Display von Dell auf Grund des Mehr an Höhe erste Wahl. Denn erst dann (24" 16:10) passen 2 DinA4-Seiten in Originalgröße 1:1 nebeneinander aufs Bild. So sind hier die Seiten leicht verkleinert. Zum Lesen in Ordnung - zum Bearbeiten nur bedingt. Nur als Hinweis für reine Office-Anwender. Als Allrounder gefällt mir das 16:9 Format aber.
2. Design / Verarbeitung / Menü:
Endlich! Kein Klavierlack! Und kein Apple-Weiß! Das Gerät kommt sehr edel daher: Mattes Schwarz und ein Alu-Fuß. Das ganze noch mit einem sehr schmalen Rand und den klassischen Tasten (kein Touch-Spielzeug, das schlecht reagiert...). Proll-LED-verwöhnten Gamern wird das Gerät wohl zu schlicht sein - ich finde es genau deshalb sehr schön anzusehen. Der Monitor hat kein LED-Backlight, sondern die klassische Hintergrundbeleuchtung und ist damit natürlich nicht super-schlank. Aber zumindest steckt das Netzteil im Gerät und nicht, wie bei neueren LED-TFTs üblich, im externen Stecker. Das Monitor-Menü ist klassisch und orientiert sich an den Tasten am rechten Gehäuserand. Es reagiert angemessen und ist klar strukturiert.
3. Handling / Komfort:
Ein weiterer Vorteil und bei der Preisgestaltung kaum zu glauben: Höhenverstellbar, neig- und kippbar plus Pivotfunktion. Einziger Wehrmutstropfen: Pivot muss im Treiber umgestellt werden, leider erkennt das Gerät die Umstellung nicht automatisch - schade! Ansonsten ist die Verstellbarkeit wirklich ein sehr großes Plus! Ist mein erster TFT mit diesen Funktionalitäten, aber ich will es nicht mehr missen. Die Verstellung an sich geht sehr leicht von der Hand und dennoch verharrt der Monitor - einmal in Position gebracht - sehr stabil. Nichts wackelt.
4. Einstellungen:
Die Werkseinstellungen waren für meinen Geschmack einigermaßen in Ordnung. Anpassungen:
- Kontrast 75
- Helligkeit 30
- Schärfe 80
Die RGB-Einstellungen ließ ich unangetastet, aber das ist wohl Geschmackssache.
5. Multimedia / Gaming:
"Aber das ist doch kein Gaming-Display" oder "IPS-Panels sind nicht dafür gemacht - kauf Dir ein TN-Display" darf man sich oft anhören bzw. liest man das hier des öfteren. Mir ist es zunächst komplett egal, ob "das Gerät dafür nicht ausgelegt ist". Ich will gute Leistung bei der Fotobearbeitung und dennoch ein zocktaugliches Display. 8ms gaben mir auf Grund es Reaktionszeitenhypes der letzten Jahre (z.T. Displays mit 2ms) zu Denken. Wer sich an die 1. massentaugliche TFT-Generation erinnert, weiß: alles unter 10ms reicht dicke - alles andere ist billiges Verkaufsargument. Und so ist es auch hier. Ein Input-Lag des Signals wie bei Geräten dieser Art oft vertreten ist auch nicht auszumachen. Ob es nun Crysis 2 oder das gute alte CS:S ist - alles läuft butterweich! Keine Schlieren, kein Lag. D.h. ja, ich kann das Display zu 100% als gamingtauglich einstufen.
FAZIT: Einzigartig in P/L
Ein IPS-Panel, das sich gut für den Hobby(!)-Fotografen und auch für den Gamer eignet. Ich denke, wer einmal ein IPS-Panel sein Eigen nennt, will nicht mehr zum TN-Panel zurück. Und so geht es auch mir. Sicherlich gibt es um Längen bessere IPS-Panel wie das
Dell U2410 61 cm (24 Zoll) TFT Monitor (VGA,DVI,HDMI, Kontrastverhältnis 80000:1, Reaktionszeit 6ms) schwarz oder das
HP ZR24W 61cm (24 Zoll) 16:10 Widescreen TFT Monitor (IPS, 1920x1200, VGA, DVI, Kontrastverhältnis 1000:1, Reaktionszeit 5ms). Nur kosten die Geräte auch z.T. mehr als das Doppelte - von Eizo und Co. wollen wir hier mal nicht anfangen. Wer, so wie ich, einen guten Kompromiss aus "TFT für Fotos" und "TFT für Games" sucht, wird hier fündig - und das zu einem Preis, wo man sonst nur TN-Panels erhält. Ich spreche daher eine unbeschränkte Empfehlung aus! Starkes Stück, Dell! Und wohl fast konkurrenzlos in dieser Preisklasse.
UPDATE (Oktober 2011):
Wer bisher noch vor der Anschaffung zurückgeschreckt hat, weil das Panel mit einer klassischen Leuchtstoffröhre beleuchtet wird und nicht mit der strom- und platzsparenden LED-Technik, kann nun zum Nachfolger greifen:
Dell U2312HM 58,4 cm (23 Zoll) Widescreen TFT-Monitor (LED, VGA, DVI, 8ms Reaktionszeit) schwarz. Scheinbar hat sich allerdings außer der LED-Beleuchtung nicht viel getan. Die Reaktionszeit liegt immer noch bei 8ms und auch sonst sind die Features gleich geblieben. Macht aber nichts - auch wieder ein klasse Monitor für's Geld. Ein Freund nennt ihn schon sein Eigen und ist ebenfalls begeistert. Das Design wurde etwas "runder", aber immer noch klassisch und schlicht.