Opeth zählen nun schon seit einiger Zeit zu meinen Lieblingsbands, eine Band, bei der jedes Album ein absolutes Meisterwerk ist; jedesmal schaffen es die Schweden, etwas neues zu kreieren, was so noch nie dagewesen war, ohne aber, dass sie ihrem Stil nicht treu bleiben würden und stets unter hunderten von Acts herauszuhören wären.
Natürlich habe ich meine Favoriten mit "Still Life" und "Blackwater Park", die mit ihrer Verspieltheit bzw. düsteren Brachialgewalt begeistern und auch die ganz alten Scheiben haben mit ihrem folkigen Touch ihren Reiz. Lange habe ich gerätselt, was mir bei "Deliverance" fehlt, denn die Songs selbst sind schließlich alles andere als schlecht.
Los geht's mit dem selbst für Opeth-Verhältnisse extrem düsteren "Wreath", ein sehr geiler Kracher, es folgt der ebenfalls hervorragende Titeltrack, bei dem das End-Riff so unglaublich genial ist, dass mich es nicht im geringsten stört, dass es ziemlich oft wiederholt wird. "Deliverance" fehlt mittlerweile auf keinem Opeth-Konzert mehr und wer jemals bei einem Live-Auftritt zu diesem Riff gebangt hat, der weiß, wovon ich rede, wenn ich von Nackenschmerzen spreche...
Auch das wundervolle "A Fair Judgement", das gänzlich ohne Growls auskommt, weiß zu begeistern - und ich finde das doomige Riffing am Ende überhaupt nicht deplatziert; kommt live auch sehr geil, je langsamer sie es spielen.
Das instrumentale Zwischenstück hingegen reißt mich nicht so sehr vom Hocker, da gefallen mir "Ending Credits" oder "Patterns In The Ivy" besser.
"Master's Apprentices" dann bietet wieder gradliniges, kompromissloses Riffing und einen sehr schönen Harmony-Part in der Mitte. Besonders hervorheben will ich die Stelle, wenn sich die klare Stimme hochschraubt und dann das Growling direkt einsetzt - Hammer!
Ein bisschen Probleme habe ich irgendwie mit dem letzten Stück "By The Pain I See In Others": cooler Titel, aber der Song selbst klingt irgendwie uninspiriert. Auch wenn ich ihn nun schon x-mal gehört hab - es will sich einfach keine Begeisterung dafür einstellen. Und natürlich: Was soll dieser Blödsinn am Ende, zwei, drei Minuten Pause zu lassen und dann irgendwas rückwärts abzuspielen?
Doch um zum Hauptproblem zu kommen, das ich mit dem Album habe und das mir zunächst gar nicht so klar war: Es fehlt die Verspieltheit, die Opeth sonst auszeichnet. Sicher, man wollte mit den beiden Alben "Damnation" und "Deliverance" das Experiment wagen, harte und sanfte Klänge zu trennen und das ist ja auch nicht schlecht, dennoch fehlen mir bei "Deliverance" die Gitarrenfills und diese Verbundenheit mit der Natur, die ich sonst mit dieser Götterband assoziiere.
Die Produktion ist dementsprechend hart, kompromisslos und kalt. Die Gitarren klingen regelrecht schneidend und gnadenlos. Damit man mich nicht falsch versteht: "Deliverance" ist ein hervorragendes Metalalbum und den Arrangements gerecht klasse produziert, nur ist es sicherlich nicht durch die Bank das, was die meisten Fans von Opeth erwarten. Andererseits darf man bei Opeth immer etwas neues erwarten und ob einem das nun zu hundert Prozent gefällt oder nicht, ist letztlich das Problem des Hörers. Ich jedenfalls gehöre auf keinen Fall zu den Leuten, die - überspitzt formuliert -, immer nur dasselbe von ihren Lieblingsbands hören wollen.
Und ich gebe fünf Sterne, weil "Deliverance" viele andere Metalalben immer noch um Längen schlägt.