Stierlin war, wenn ich mich recht erinnere, einer der ersten, die über Familienrollen, einen heimlichen Auftrag und damit über das Konzept der Delegation in der Familie schrieben. Diese Konzepte sind heute Schulen übergreifend akzeptiert. Schilderungen von Familien oder überhaupt menschlichen Beziehungen im Privatleben und im Arbeitsleben greifen immer wieder die Dynamik unlösbarer Aufgaben, lebenslänglicher Delegationen und ihrer langsamen Auflösung in behutsamen Entwicklungsschritten einzelner Patienten in der Psychotherapie oder gemeinsamer Entwicklungen in der Paar- und Familienberatung auf.
Es sind Texte aus der Zeit, als einige Autoren, die der Psychoanalyse verbunden waren, neue Konzepte entwickelten, die die Beziehungen zwischen Menschen zu verstehen versuchten.
Stierlin entwickelt hier das Konzept der 'bezogenen Individuation'. Er schreibt über Wege aus der Gebundenheit der Kinder als Seeleneigentum der Eltern, die ohne ihre an sie gebundenen Kinder psychologisch nicht überleben konnten.
Stierlin schreibt über familiendynamische Zusammenhänge zur Erklärung von Schizophrenie als Alternative zu einer rein medikamentös behandelten Vorgehensweise.
Wie kommt die Psychoanalyse auf die Familie zu sprechen? Die Patienten der Psychoanalytiker lebten in Familien. Diese waren ihr Umfeld, aber oft auch die 'Erzeuger' seltsam anmutender Verhaltensweisen und Kognitionen, die zunächst in der individuell ausgerichteten Psychoanalyse Heilungsversuche unternahmen.
Es ist der Verdienst von Stierlin (und sicherlich auch anderen Autoren) darauf hinzuweisen, dass der Mensch nicht alleine lebt und das Menschen in ihren sozialen Bezügen aufeinander reagieren.
Das Konzept der Delegation ist ein Modell, das Bestand hat.