Der Leser sollte sich nicht von der etwas zu sehr homogenisierenden Beschreibung des Buches durch den Verlag täuschen lassen. Was eher vorliegt, ist eine eher obsessive Denkbewegung, die eher mäandernd immer wieder auf altbekannte Themen Nancys zurückkommt. So trifft die Beschreibung des Bandes als "eine Baustelle unter freiem Himmel" (eine Wendung, die Nancy übrigens selbst am Ende der Einleitung verwendet) die Gangart dieses Buches eher.
Denn wie Leser, die mit Derridas großem Buch "Le Toucher, Jean-Luc Nancy" bekannt sind, wissen dürften, ist die Dekonstruktion des Christentums eine unmögliche Aufgabe. So kann also nur ein unsystematisches Buch der verstreuten Interventionen überhaupt so einen Versuch wagen; denn welcher Begriff steht nicht im Kraftfeld des christlichen Abendlandes ? So ist das Buch dann auch thematisch äußerst anspruchsvoll und weitgespannt.
Es reicht von Arbeiten über Nietzsches Nihilismus, Heideggers letzter Gott, der aus hoch interessante Weise mit Derridas differance zusammengelesen wird; Maurice Blanchot (Auferstehung); das Jüdisch-Christliche erklärt durch eine Lektüre des Jakobus-Briefes, der mit Derrida (Jacques = Jakob = Jakobus) zusammengebracht wird; eine Lektüre des letztes Textes von Gerard Granel; Michel Deguy ; und schließlich ist endlich der programmatische Text "Die Dekonstruktion des Christentums" von 1996 endlich auch auf deutsch zu lesen, sowie anregende Essays über "Monotheismus und Atheismus".
Fazit: Ein hochkomplexes und extrem schwieriges Buch, das wie üblich beim späten Nancy minutiöse Lektüren zu einer hochverdichteten und hochgelehreten Prosa verdichtet. Leider ist die deutsche Übersetzung wieder mal nicht auf der Höhe des Originals. Dennoch eine verlegerischer Großtat, die nicht nur Philosophen sondern auch Theologen interessieren müsste.