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Dekonspiratione: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
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am 13. Juni 2000
Eine junge Frau, Studentin, hat sich von ihrem Freund getrennt und fährt - um auf andere Gedanken zu kommen - nach München. Katharina hat den Respekt vor Benjamin verloren, dem ewigen "Talent im Wartestand". Der Streit war eigentlich unerheblich, "es gab kein Geschrei und kein Gezeter"; aber Katharina musste einen Schnitt vollziehen, scharf und ansatzlos wie eine Exekution.
Die Krise kommt später, im Zug nach München, kurz hinter Kassel, unterbrochen nur von Momenten der Zuversicht, "dass alles richtig ist. Dass alles gut wird." Benjamin bleibt in Berlin zurück. Er arbeitet für die Firma "Public Sword" und entwickelt neue Formate für Talkshows. Aktueller Auftrag ist die Reformierung der Harald-Schmidt-Show. Die neue wöchentliche Talkshow, so das Konzept, soll "Nothing Special" heissen und nach Art des "Literarischen Quartetts" über Sendungen der jeweils vergangenen Woche diskutieren.
Ein Hauptgegenstand der Erzählung "Dekonspiratione" ist - ganz klar - unsere Medienwelt. Kein anderer Schriftsteller setzt sich so intensiv mit den Medien auseinander wie Rainald Goetz, kein anderes Œuvre wird so direkt von Daten aus der Medienwelt gespeist wie seines. "Dekonspiration" meint dabei das Gegenteil von "Konspiration", meint "Offenbarung" und "Enttarnung". Es geht um die Freilegung und Bestimmung der Mechanismen, der "Arbeitsprinzipien", der "Ziele und Absichten", auf deren Basis konkret Programm- und Medienpolitik betrieben wird. Goetz leitet den Begriff der Konspiration aus dem "Wörterbuch der Staatssicherheit" her, und er verhandelt in seiner Erzählung den Fall des IM Schrödinger, der - just enttarnt - mit "Barschel-Blick" der Medien-Hetze zu entkommen sucht: "Realität als Grauwert, Schuld, Verfahren, Bemühen, Moral. Aber ordentliche Zertifikate für Güte und Richtigkeit, für Nicht so Böses und den einen Augenblick von vielleicht alles entscheidendem Takt auch nur, mehr nicht [...]. Dieses ganze Gewurle des Lebens. Eine Banalität, klar. Aber in einem konkreten einzelnen Fall diesen Aspekt wirklich zu erwägen ist nicht banal: wie die Schuld im Einzelnen passiert, gesellschaftlich alltäglich und praktisch fast nur in mikroskopischer Dimension."
Überhaupt hat Zeitgeschichte in dieser Erzählung ihre Spuren hinterlassen. Viele Daten aus der wirklichen Welt geben uns Orientierung: Die Dokumenta X von 1997, die Entmachtung Sigrid Löfflers als Kulturchefin der "Zeit" im Sommer 1999, der 11. August, der Tag der Sonnenfinsternis, der Krieg auf dem Balkan und der Einsatz von Nato-Truppen. Ein Ereignis, der Machtwechsel 1998 in Bonn, fällt mit einer schweren Krise des Erzählers zusammen. Dieser Erzähler hat, wie Goetz, gerade ein Mammut-Projekt zu bewältigen, eine rasche Abfolge von Büchern, identifizierbar als das Theaterprojekt "Jeff Koons", die Textsammlung "Celebration", das Internet-Tagebuch "Abfall für alle" und die Erzählung "Dekonspiratione", das Gegenstück zur bereits erschienenen Erzählung "Rave" (1998). "Dekonspiratione" soll das Mittelstück jenes umfassenden Leben-Werk-Projekts werden, das unter dem Harald-Schmitt-Motto steht "Heute morgen, um 4 Uhr 11, als ich von den Wiesen zurückkam, wo ich den Tau aufgelesen habe".
Die Fertigstellung hat Vorrang, aber sie verzögert sich. Die Krise, die den Autor erfasst hat, wird existenziell. Es dauert, bis sich der erschöpfte Erzähler an den Gedanken gewöhnt und sein Scheitern akzeptiert: "Ich nehme die Kapitulation an." Der realen entspricht eine fiktionale Kapitulation und wird später Teil der Darstellung. Mit "Krise" ist das vierte Kapitel der Erzählung "Dekonspiratione" überschrieben, die erst mit einem Jahr Verzögerung erscheinen kann.
Ein Aspekt dieser Erzählung bedarf der besonderen Hervorhebung: Denn alles, was in "Dekonspiratione" erzählt wird, hat offenbar einen realen Hintergrund. Der Ich-Erzähler, der hier auftritt, scheint mit Rainald Goetz identisch zu sein. Alle Daten seiner biografischen Realität entsprechen genau der Lebensrealität des Erzählers - soweit man das als Aussenstehender und als Leser etwa des Internet-Tagebuchs "Abfall für alle" beurteilen kann. Wenn es aber real ist, wie kann es dann Fiktion sein? Welchen Stellenwert hat dann das Buch für unsere Literatur? Und wie dürfen wir das Wort "Erzählung" verstehen, die Gattungsangabe von "Dekonspiratione"?
Offenbar geht es dem Projekt darum, beides zu sein, Literatur und Realität, offensichtlich möchte der Autor eigene Erfahrung "in die Nähe richtiger Literatur" führen, um genau den Punkt zu treffen, wo die dargestellte Welt gerade noch autobiografisch vor-literarisch ist (und auch als solche erkennbar), streng genommen aber schon der Literatur zugeordnet werden muss. Denn "Dekonspiratione" erscheint im literarischen Programm eines angesehenen Verlages, nennt sich "Erzählung", funktioniert ganz pragmatisch markttechnisch als literarische Neuerscheinung und entfaltet fiktionale Erzählstrategien. Das autobiografische Wissen über Rainald Goetz ist daran gemessen sekundär und per se irrelevant. Nicht jedoch für die Poetologie, die Goetz mit seinem Projekt verbindet und auch mehr oder weniger explizit zum Ausdruck bringt. Ihm geht es, genauer, seinen Texten geht es um die Realisierung einer solchen "pragmatisch-ideale[n] Real-Poetologie", die quasi "experimentell" am Schreiber-Ich entlang entsteht.
Das klingt theoretisch kompliziert und ist es wohl auch. Bezogen auf die konkrete Umsetzung durch Rainald Goetz ist diese Poetik weniger kompliziert, weil Goetz auch Theorie wunderbar zu erzählen weiss: "Das ist mein Buch über das Schreiben", sagt er im Krisen-Kapitel, "das ich hier erlebe, das sich hier abspielt, und ich bin selber mitten drin, ich bin zu nahe dran. Ich kann es nicht schreiben."
Schreiben kann er es schließlich doch. Und offenbar gelingt Rainald Goetz hier das Besondere: Eine Erzählung am Leitfaden der eigenen Erfahrung zu entwickeln, gleichwohl ein "strenges Programm" einzuhalten und zugleich literarische Kompositionstechniken zu erproben, die nicht einfach aus der Tagebuchform oder der Autobiografik entlehnt sind. So werden die einzelnen Kapitel ›streng programmatisch‹ durch gezielte Textgesten vielfach miteinander verknüpft.
Der Ich-Erzähler reformiert sein Erzählprojekt und vollendet seine helle Erzählung "Dekonspiratione" als Gegenstück zu "Rave". "Später", heisst es gegen Ende, "taumelten wir selig durch den Raum. [...] Neben mir spürte ich den Körper der Frau, in die ich verliebt bin." (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. November 2013
Wort für Wort. Ist ja toll und überhaupt: KRITIK und GRÖßENWAHN. Habe mich also nun endlich mal getraut. Was? Was vom großen, vom einmaligen RAINALD GOETZ zu lesen. Vom STIRNSCHLITZER GOETZ, vom KRANK GOETZ, vom RAVE GOETZ. So richtig von VORNE nach HINTEN und nicht nur einfach nur so peinlich hin- und hergeblättert wie ein MITTLERER DEPP. Der Stefan Mesch hat mir (also nicht mir persönlich, aber mir als Leser seines wirklich furchteinflößenden Besserwisser-Habich auch schongelesen-Blogs) DEKONSPIRATIONE empfohlen und weil der Mesch Stefan wohl auch echt was drauf hat (ja, hat er, leider). Also so literaturmäßig. Hab ich mir das geschossen und dann: VOLLE KONZENTRATION. Die brauche ich bei Goetz auch dringend, denn schon nach wenigen Seiten spüre ich auch schon gleich wieder dieses irre Goetz Ding. Ich fühle mich nämlich richtig DUMM, denn der Goetz haut mir die eigene Begrenztheit, das eigene Wurmdasein ja auch gleich auf den ersten Seiten an den Kopf. Schopenhauer, Sarah Kane, Banana Yoshimoto, WALLPAPER, Wittgenstein, Diskretion als Form, Bret Easton Ellis im Original, Luther, Aschenbach und Julien Green. S*** . Bin ich DUMM, denke ich. Müsste ich jetzt alles googeln und die Zusammenhänge hinbekommen, damit ich wenigsten mit der Hand an seine Gedankengänge dran komme. Doch zum Glück ist der große GOETZ eben auch noch richtig cool, der schreibt das einfach auch noch so richtig lässig, also wenn er es will. Und das klingt dann total gegenwärtig und das, obwohl das kleine rote Büchlein von 1999 ist. Eine kleine Liebesgeschichte, schicke neue Medienwelt. INSIGHT. Und ab geht die ganze Diskurspost, von der der MITTLERE DEPP einfach nur Kopfschmerzen bekommt. Handke, Peymann, Thomas Kapielski, Udo Röbel, STASI, MAX-PLANK-INSTITUT. Ich habe Stimmen im Kopf. BANANE. Ja, total BANANE. Ganz ohne Ketamin. Zum Glück fällt zwischendrin immer wieder dieses bescheuerte kleine Wörtchen MEGA und MEGARAVE. Selbstdistanznahme, SOCIAL DISEASE, Econy, Rosalinde Trebinger, kaltes Wasser über den Puls. Weiter, weiter, Konzentration, Konzentration und dann immer wieder kleine Glücksmomente. Muss ich mir merken. Unbedingt. Unbedingt. Unbedingt. Wow. Und dann, wenn man so denkt: was soll das denn alles überhaupt? WAS BRINGT MIR DAS ALLES? Dann breakt der GROßE GOETZ. Einfach so. Neues Blatt. Neues Kapitel. Und sagt: ja, Leser du. Du da. Mittlerer Depp Leser. Ich bin ja eigentlich auch nur ein Depp. Das da vorne (also die ersten, genialischen Kapitel) haben JA MAL GAR NICHT FUNKTIONIERT. Und dann erklärt er das wieso undsoweiter, aber in einer EINFACHEN, wunderbar lesbaren Sprache. Der große Goetz ist eben nicht nur cool und blitzgescheit. Nein, er ist s***verdammt nochmal auch noch wahnsinnig sympathisch, menschlich. NORMAL. Okay. Und dann nimmt er die Fäden wieder auf, lässig, klar, knüpft sie zusammen. GOETZ, der lässige Chronist. Ganz lässig aus dem Auge des Diskurs-Orkans herauserzählt das alles. Klar. Alles scheissegut, scheisselässig das. Dekonstruiert. Gestrippt. Getriggert und geknallt. FUN is over. Stattdessen einfach mal HASS. Aus Prinzip und dann einfach mal draufhalten, auf den ganzen Betrieb, sich selber hochnehmen und die anderen sowieso und gleichzeitig sagen was man macht und was daran funktioniert und was eben nicht. Und klar, das sieht der MITTLERE DEPP nicht gleich. Aber vielleicht ahnt er es, wenigstens. Vielleicht strengt er sich doch noch einmal an. Bekommt den Arsch hoch und KONZENTRIERT sich. Das ist Arbeit. Fun ist Arbeit. Der Fun will allerdings hart erarbeitet sein. Mann. GROßER GOETZ. GUT. SEHR GUT. MEGAMETA. Ich werde mich bessern. Der Arschtritt sitzt. Ich habe verstanden. Ja. Absolut. Kürzer. Zerfetzter. Kaputter. KRNK. READ! MY. ASS.
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6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Januar 2003
Dieses Buch ist gleichsam nichts sagend wie dessen Titel „Dekonspiratione". Beginnt man dieses Buch zu lesen so geistert einem nach zwei, drei Seiten sofort ein Schlagwort durch den Kopf: „Popliteratur". Ich meine nun die negativen Aspekte die man so mit der Popliteratur assoziiert, wie: abgehackte Sätze, skurriles und unverständliches Vokabular, keine Handlung ausser der sinnlosen Beschreibung dröger Gestalten, die allesamt unter die Rubrik der „Popliteraten" fallen.
Rainald Goetz hat zwar krampfhaft versucht mit den Elementen unserer ach so oft geschilderten „Spassgesellschaft" diesem Buch irgendwelchen Inhalt oder gar Sinn zu vermitteln, aber letztendlich hängt die story ausschliesslich an einigen illustren deutschen Personen, denen mittlerweile einen festen Platz in der neuen deutschen Literatur, auch genannt „Popliteratur", eingeräumt ist.
Der Leser darf sich echt wundern warum so was im Namen des Suhrkampverlags publiziert wird.
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. April 2000
Ich habe sie alle gelesen. Alle! Wer sagt, die Dekonspiratione sei das schlechteste Goetz-Buch ist ein Lügner. Goetz hat schon früh in Schaubildern gezeigt, worum es eigentlich geht: Text = System = Liebe = System = Tod. Dieser Gedanke deutet uns in eine Richtung, die im Grunde nichts anderes sagt, als das, was uns umhertreibt. Und von nichts Anderem handelt Dekonspiratione. Vom schönen München, vom furchtbaren Berlin, von Benjamin von Stuckrad-Barre, Westfalia Bambaata und Christian Kracht. Denn das System ist da, fragt sich nur, um mit Saussure zu sprechen, wie lange das noch gut geht.
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