Ein unerwartetes Highlight der diesjährigen Konzertsaison: Deine Lakaien in der Münchner Philharmonie. Und ich hatte noch Glück, eine Karte zu bekommen - die gesamte Tour war in kürzester Zeit ausverkauft. Drei Stunden Musik pur und jede Sekunde spannend und voller Überraschungen. Wer es nicht ins Konzert geschafft hat, kann sich jetzt mitten auf die Bühne beamen, zwischen die Tasteninstrumente von Ernst Horn und zum Mikro von Alexander Veljanov, sich unter Violinen, Holzbläser, Pauken und Trompeten mischen: DVD 1 - Pause - DVD 2, am besten mit richtig fettem Sound auf der Anlage, Dolby Digital und Breitwandbild.
Das Deine-Lakaien-Projekt steht aktuell, mit auf Orchestergröße angewachsener Band, einzigartig da in der europäischen Musiklandschaft. Selten hat man einen symphonischen Klangkörper (Neue Philharmonie Frankfurt) so kochen sehen, Spannungsbögen vom pianissimo bis zu tutti total, treibende Rhythmen, mitunter lyrisch und verträumt, melodiös und atonal - ausgereizt bis zur Obergrenze der instrumentalen Möglichkeiten. Und auf Veljanovs präzise intonierte Gesangslinien ist immer Verlass, sein dunkles Timbre trifft mitten ins Herz und man kann sich getrost von den eigenen Gefühlen forttragen lassen.
Man muss nicht unbedingt Dark-Wave-Fan sein, um dieses Live-Konzert als atemberaubende Erfahrung erleben zu können. Im Gegenteil, diese Musik ist ein ganz heißer Tipp für eingefleischte Klassik-Enthusiasten: Ein Liederabend, der sich im musikalischen Universum von Orlando di Lasso bis La Monte Young und moderner Klangsynthese abspielt, sehr interessant und raffiniert gesetzt, mit dramatischem Gespür. Zweifellos einer der Höhepunkte des Abends: "The Mirror Man" zehn Minuten Hochspannung und am Ende bezieht der Steinway-Flügel ordentlich Prügel, absolut einmalig und sehenswert.
Alles in allem ein unvergesslicher Abend - Melencoolia auf höchstem Niveau.